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Positive Affect Treatment: Neue Therapie schlägt klassische KVT

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 03:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fehltage durch psychische Erkrankungen steigen stark an. Der Artikel beleuchtet Neurotechnik, Bewegung und analoge Hobbys als Erholungsmethoden.

Psychische Krankschreibungen: Neue Erholungstrends und Therapien
Ein modernes Neurofeedback-Headset auf einem minimalistischen Schreibtisch mit einer Pflanze in sanftem Sonnenlicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Zahl der psychisch bedingten Krankschreibungen steigt rasant. Daten aus dem Gesundheitsreport einer großen Krankenkasse zeigen: Seit 2019 sind die Fehltage pro Person um 50 Prozent auf durchschnittlich 3,75 Tage gestiegen. Psychische Erkrankungen sind inzwischen die zweithäufigste Ursache für Arbeitsausfälle.

Die Methoden zur Erholung könnten unterschiedlicher kaum sein. Während die einen auf Neurotechnologie setzen, kehren andere bewusst zu analogen Tätigkeiten zurück.

Neurostimulation für die Couch

Hersteller bringen diesen Sommer verstärkt Geräte auf den Markt, die direkt auf das Nervensystem einwirken sollen. Neurostimulatoren mit bilateraler Vibration, Meditations-Headsets mit Licht- und Klangimpulsen oder Lichtbrillen mit Blaulicht versprechen schnelle Entspannung.

Doch wie effektiv ist das technische Training? Eine Analyse von 53.000 Sitzungen mit dem Biofeedback-System Muse gibt Hinweise. Entscheidend ist demnach nicht das Alter der Nutzer, sondern die Regelmäßigkeit des Trainings. Personen zwischen 60 und 70 Jahren, die regelmäßig übten, erzielten bessere Aufmerksamkeitswerte als jüngere Gelegenheitsnutzer.

Bewegung als Ausweg aus der Gedankenspirale

Parallel zur Technik-Euphorie betonen Fachleute die Kraft der körperlichen Anstrengung. Bereits 2022 argumentierte der Psychiater Richard A. Friedman: Erholung gelinge dann am besten, wenn intensive Aktivitäten wie Radfahren, Bergsteigen oder Segeln die Aufmerksamkeit binden. Sie unterbrechen das Grübeln und lenken den Fokus auf die unmittelbare Umgebung.

Die sogenannte Aufmerksamkeits-Erholungs-Theorie stützt diese Beobachtung. Besonders Küstenumgebungen fördern durch sanfte Faszination die mentale Regeneration. Studien zeigen: Der Aufenthalt am Wasser steigert das Wohlbefinden, und die emotionale Bindung zu bestimmten Orten – das Place Attachment – wirkt stabilisierend auf die Psyche.

Bildungsurlaub und Micropausen

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Krankenkassen und Bildungsträger reagieren auf den steigenden Bedarf. Im Allgäu etwa werden Kurse für Bildungsurlaub angeboten, die achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR) und Mindful Self-Compassion (MSC) vermitteln. Mehrere Bundesländer, darunter Berlin, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, haben diese Angebote offiziell anerkannt.

Die AOK PLUS gibt zudem Empfehlungen für die Zeit nach dem Urlaub. Die 4-A-Regel für die Zeitplanung sowie Micropausen und Achtsamkeitsübungen im Arbeitsalltag sollen die Erholungseffekte langfristig sichern.

Stricken statt Streamen

Ein klarer Gegentrend zur digitalen Allgegenwart zeichnet sich ab. Der Freizeit-Monitor 2025 zeigt: Obwohl fast alle Deutschen Freizeit im Internet verbringen, boomen analoge Hobbys. Stricken, Töpfern oder Imkern gewinnen an Zuspruch. In Städten entstehen Formate wie Kino-Vorstellungen für Handarbeitsbegeisterte oder Wettbewerbe im Hobby Horsing.

Auch der private Nahbereich wird wichtiger. In Wiener Neustadt etwa nutzen immer mehr Menschen Schrebergärten und Balkone als kostengünstige Alternative zu Fernreisen. Kurorte wie die Bayerische Rhön setzen auf Nordic Walking, Kneipp-Anwendungen und Wanderungen mit Tieren.

Neue Ansätze aus der Forschung

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Die klinische Psychologie entwickelt derzeit Behandlungsmethoden, die über klassische Ansätze hinausgehen. Eine 2026 im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlichte Studie von Alicia Meuret untersuchte das Positive Affect Treatment. Bei 98 Patienten reduzierte dieser Ansatz – der gezielt positive Gefühle fördert – Freudlosigkeit und Ängste wirksamer als herkömmliche Verhaltenstherapien.

Eine weitere Übersichtsarbeit vom 30. Juni 2026 lieferte Hinweise auf die unterstützende Wirkung von Nahrungsergänzungsmitteln. Die Auswertung von sechs Studien mit 238 Personen zeigte: Fünf Gramm Kreatin täglich in Kombination mit Standardmedikation linderte bei Frauen mit schweren Depressionen die Symptome deutlich. Die Forscher betonten jedoch, dass die Evidenz für eine allgemeine Empfehlung nicht ausreicht. Bei therapieresistenten oder bipolaren Störungen wurde kein Nutzen festgestellt.

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