Post-Covid-Behandlung: Blutwäsche enttäuscht in Studie mit 40 Patienten
20.06.2026 - 10:03:30 | boerse-global.de
Die Forschung konzentriert sich zunehmend auf das Gehirn.
Drei Mechanismen im Visier der Wissenschaft
Eine Übersicht in Nature Reviews Neurology vom April 2026 identifiziert drei zentrale biologische Mechanismen für neurologische Schäden bei Long Covid: chronische Entzündungen im Nervengewebe, Störungen der Mikrogefäße mit Schäden an der Blut-Hirn-Schranke sowie Volumenverlust der grauen Substanz.
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Die Universität Turku lieferte im Mai 2026 detaillierte Einblicke per PET- und MRT-Bildgebung. Die Forscher fanden keine flächendeckende Gehirnentzündung. Stattdessen verknüpften sich schwere Symptome mit gesteigerter Aktivität in Arealen für Stimmung, Emotionen, Gedächtnis und Stressreaktionen.
Blutwäsche enttäuscht in Studie
Die IAMPOCO-Studie im The Lancet Regional Health – Europe (Juni 2026) brachte ernüchternde Ergebnisse. Bei 40 Patienten entfernte die Immunadsorption zwar wirksam Autoantikörper aus dem Blut – eine klinische Besserung blieb aber aus.
Die Teilnehmer zeigten keine Fortschritte bei Erschöpfung, Konzentration oder körperlicher Leistungsfähigkeit. Zudem traten bei der Blutwäsche häufiger Nebenwirkungen auf als bei der Scheintherapie. Professor Julia Weinmann-Menke von der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie ordnet ein: Das Verfahren eigne sich nicht allgemein für die Therapie des Post-Covid-Syndroms.
Neue Hoffnung auf Medikamente
Das Scripps Research Translational Institute testet derzeit den GLP-1-Agonisten Tirzepatid an 1.000 Patienten. Das Mittel hat entzündungshemmende Eigenschaften – erste Beobachtungen deuten auf Verbesserungen bei Fatigue und kognitiven Einschränkungen hin.
Weitere Kandidaten in klinischen Studien:
- Bezisterim (Phase 2, ADDRESS-LC-Studie)
- Baricitinib (REVERSE-LC-Studie)
- Prucaloprid: Eine Studie aus Oxford und Birmingham (Juni 2026) zeigte bei Patienten nach Depression Verbesserungen von Gedächtnis und emotionaler Erkennung – potenziell relevant für kognitive Long-Covid-Symptome
Erforscht werden zudem intravenöse Immunglobuline (IVIG) und transkranielle Magnetstimulation (TMS).
Training fürs Gehirn, Druck auf die Politik
Ein weiterer Ansatz: Gezieltes Gehirntraining soll Patienten helfen zu lernen, dass körperliche Aktivität nicht gefährlich ist. Ziel ist die Korrektur neuronaler Fehlsteuerungen.
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Politisch wächst der Druck. In Österreich forderten Mitte Juni 2026 vier ehemalige Gesundheitsminister einen Aktionsplan für ME/CFS und Post Covid mit spezialisierten Anlaufstellen und einer Forschungsoffensive. In Schweinfurt wird die Einrichtung eines ambulanten Long-Covid-Zentrums geprüft – um die Versorgungslücke zwischen Hausärzten und Unikliniken zu schließen.
