Post-COVID, NEULOCO-Studie

Post-COVID: NEULOCO-Studie findet Energiemangel im Gehirn bei Betroffenen

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien untersuchen mitochondriale Prozesse bei Zellalterung, Tumorabwehr, Post-COVID und HerzschÀden; klinische Belege bleiben teilweise aus.

Mitochondrienforschung: Neue Einblicke in Alterung, Krebs und Post-COVID
Mikroskopische Aufnahme von Zellstrukturen und Mitochondrien in einem biologischen Gewebe. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen widmen sich zunehmend mitochondrialen Dysfunktionen als möglicher gemeinsamer Ursache fĂŒr verschiedene chronische Erkrankungen. Im Zentrum aktueller Arbeiten stehen neue technologische AnsĂ€tze sowie Theorien, die funktionelle ZusammenhĂ€nge zwischen Immunsystem und zellulĂ€rem Energiestoffwechsel analysieren.

Die Beobachtung zellulÀrer Kraftwerke liefert dabei neue Einblicke in Mechanismen des Alterns, neurologische SpÀtfolgen sowie Therapieresistenzen bei Krebserkrankungen.

Zellalterung und EntzĂŒndungsreaktionen im Fokus

Forschende von Sanford Burnham Prebys und der Mayo Clinic untersuchten Prozesse der zellulĂ€ren Seneszenz. In einer 2026 im Fachjournal Nature erschienenen Studie (Nature 656, 980–992) legten sie dar, dass alternde Zellen den Citratexport aus den Mitochondrien ĂŒber das Transportprotein SLC25A1 verstĂ€rken. Das ins Zytosol transportierte Citrat liefert Acetyl-CoA, was wiederum epigenetische VerĂ€nderungen am Chromatin bewirkt und Gene des seneszenzassoziierten sekretorischen PhĂ€notyps (SASP) aktiviert.

Sowohl genetische als auch pharmakologische Eingriffe in diesen Transportweg fĂŒhrten im Versuch dazu, EntzĂŒndungsmerkmale seneszenter Zellen zu verringern. Dies eröffnet die Perspektive, entzĂŒndliche AktivitĂ€ten gezielt zu dĂ€mpfen, ohne seneszente Zellen zwingend abtöten zu mĂŒssen. Ein klinischer Nutzen dieser Laborergebnisse ist bislang jedoch nicht belegt.

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Immunflucht und metabolische Umprogrammierung bei Tumoren

Die Verflechtung von mitochondrialem Stoffwechsel und Immunantwort beleuchtet eine Übersichtsarbeit von Weijing Gong, Li Xia und Kollegen, die am 15. September 2026 im Journal of Translational Medicine erschien. Das Team analysierte die mitochondriale Stoffwechselumprogrammierung im Kontext von Tumor-Immunflucht und Resistenzen gegen Immuntherapien.

Demnach tragen Stoffwechselprodukte wie Laktat zu einer Hemmung zytotoxischer T- und NK-Zellen bei, beeinflussen die AntigenprĂ€sentation und begĂŒnstigen T-Zell-Erschöpfung sowie immunsuppressive Zellen.

Mögliche kĂŒnftige AnsĂ€tze könnten darin bestehen, mitochondriale Stoffwechselziele mit Checkpoint-Inhibitoren oder CAR-T-Zelltherapien zu kombinieren. Diese Erkenntnisse beruhen jedoch weitgehend auf prĂ€klinischen Modellen und stellen keine klinische Therapieempfehlung dar.

ErgĂ€nzend beschrieb eine Übersichtsarbeit in Cell aus dem Jahr 2026, wie Tumorzellen dem programmierten Zelltod entgehen; neben etablierten BCL-2-Inhibitoren wie Venetoclax bei bestimmten Blutkrebserkrankungen wird experimentell an der Ferroptose ĂŒber die Blockade des Zellschutzproteins GPX4 geforscht.

Energiemangel im Gehirn bei Post-COVID

Mitochondriale Störungen werden zudem bei funktionellen ErschöpfungszustĂ€nden erforscht. Eine 2026 in Biological Psychiatry publizierte Untersuchung des Zentralinstituts fĂŒr Seelische Gesundheit, die NEULOCO-Studie, analysierte 27 Post-COVID-Patienten und 23 genesene Kontrollpersonen mittels Phosphor-31-Magnetresonanzspektroskopie.

In der Post-COVID-Gruppe zeigte sich ein reduziertes VerhÀltnis von Adenosintriphosphat zu Phosphokreatin (ATP/PCr) im Bereich des cingulÀren Cortex. Niedrigere Werte im vorderen cingulÀren Cortex gingen mit schwÀcheren kognitiven Testleistungen einher.

Rund die HĂ€lfte der untersuchten Betroffenen erfĂŒllte Kriterien fĂŒr ME/CFS und wies vergleichbare Stoffwechselmuster auf. Die Autoren wiesen darauf hin, dass die Messungen statistische ZusammenhĂ€nge dokumentieren, aber keinen KausalitĂ€tsbeweis liefern.

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KardiovaskulÀre Risiken und zellulÀre Schutzmechanismen

Auch im Herz-Kreislauf-System spielt die mitochondriale Energielage eine wesentliche Rolle. Eine 2024 veröffentlichte Untersuchung deutscher Forschender analysierte, weshalb dauerhaft hohe Blutzuckerwerte die Entstehung von Herzinsuffizienz begĂŒnstigen.

Demnach kann Glukose in den Zellen akkumulieren, den Stoffwechsel ĂŒberlasten und ein Energiedefizit auslösen, was langfristig Herzmuskelzellen schĂ€digt und die Pumpkraft schwĂ€cht; rund 90 Prozent der Diabetes-Betroffenen haben Typ-2-Diabetes. Therapeutische Verfahren, um diesen Glukoseeinstrom gezielt zu regulieren, sind bislang ungeklĂ€rt.

Dass gezielte Reize Schutzmechanismen anstoßen können, zeigte bereits eine 2018 in PLoS Biology veröffentlichte Grundlagenstudie der Heinrich-Heine-UniversitĂ€t DĂŒsseldorf und des IUF.

Die Forschenden stellten fest, dass Koffein – in einer Konzentration von umgerechnet vier Tassen Kaffee – den Transport des Schutzproteins p27 in die Mitochondrien fördert. In Versuchen schĂŒtzte dies alte sowie adipöse MĂ€use vor HerzschĂ€den, unterstĂŒtzte die Zellwanderung und verringerte das Absterben von Herzmuskelzellen nach Myokardinfarkten.

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