Postbank-Umfrage: 42,6 Prozent der Haushalte leben von ihren Ersparnissen
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 22:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie finanzielle Belastung vieler Haushalte durch anhaltend hohe Lebenshaltungskosten spiegelt sich immer deutlicher in den privaten Bilanzen wider. Eine im Oktober durchgeführte Befragung von Yougov im Auftrag der Postbank unter 2.117 Personen zeigt, dass 42,6% der Haushalte mittlerweile auf Ersparnisse zurückgreifen müssen, um ihre laufenden Ausgaben zu bestreiten. Gleichzeitig verfügen 13,8% der Befragten über keinerlei Ersparnisse mehr.
Trotz zuletzt gestiegener Reallöhne entspannt sich die Situation nach Einschätzung von Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank, keineswegs für alle Haushalte gleichermaßen. Vor allem Bezieher geringerer Einkommen geraten zunehmend unter Druck.
Wachsender Druck auf Bezieher niedriger Einkommen
Die Erhebung der Postbank verdeutlicht ein starkes Gefälle nach Einkommensgruppen: Bei Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen von bis zu 2.500 Euro kann nur gut ein Fünftel die laufenden Kosten vollständig aus dem laufenden Einkommen bestreiten. In dieser Einkommensgruppe geben zudem 29% an, überhaupt kein Geld sparen zu können, während dies bei höheren Einkommen lediglich 6% betrifft.
Auch im zeitlichen Verlauf verschärft sich die Situation. Laut der Postbank-Studie stieg der Anteil derjenigen, die ihre Lebenshaltungskosten kaum noch bezahlen können, von 12,8% im März auf 15,2%. Entsprechend schwer fällt die finanzielle Vorsorge: 66,8% der Befragten sehen sich außerstande, ausreichende Rücklagen zu bilden. Lediglich 28% schätzen ihre eigene Sparleistung als ausreichend ein.
Strukturelle Unterschiede zeigen sich zudem beim Wohnstatus und im Alter. Nach Angaben der Postbank-Studie verfügen 20% der Mieter über keine Rücklagen, während dies nur bei 6% der Immobilienbesitzer der Fall ist. Bei Rentnern liegt der Anteil ohne Rücklagen bei 20%, verglichen mit 9% bei den Erwerbstätigen.
Anlageformen und Zurückhaltung am Kapitalmarkt
Grundsätzlich legen viele Bürger weiterhin Geld beiseite. Demnach bilden 81% der Befragten Rücklagen, nach 80% im Vorjahr. Allerdings geben 41% der Sparer an, weniger zurückzulegen als vor einem Jahr, 21% sogar deutlich weniger. Demgegenüber sparen 24% mehr, und bei einem Drittel blieb der Sparbetrag unverändert.
Wer angesichts steigender Fixkosten nach Wegen sucht, das eigene Budget zu entlasten, findet in einem minimalistischen Lebensstil oft ungeahnte finanzielle Spielräume. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, wie bewusster Konsum nicht nur Platz schafft, sondern auch das Konto nachhaltig entlastet. Minimalismus-Ratgeber kostenlos entdecken
Bei den bevorzugten Sparformen dominieren laut Postbank traditionelle Bankprodukte:
* Girokonto: 43% (Vorjahr: 41%)
* Tagesgeld: 40%
* Sparkonto: 26%
* Wertpapiere: 32% (nach 30% im Jahr 2024 und 34% im Jahr 2025)
* ETFs: 21%
Die Beteiligung am Kapitalmarkt hängt stark von den Rahmenbedingungen ab. Die Wertpapierquote liegt bei Haushalten mit mehr als 2.500 Euro Nettoeinkommen bei 43%, während sie darunter 18% beträgt. Immobilieneigentümer investieren zu 41% in Wertpapiere, Mieter zu 25% Und.
Ein bewussterer Umgang mit den täglichen Dingen hilft vielen dabei, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wieder mehr Kontrolle über die eigenen Finanzen zu gewinnen. Erfahren Sie in diesem kostenfreien Leitfaden, was Minimalisten wissen, um mit weniger Besitz mehr Lebensqualität und Freiheit zu erreichen. Kostenlosen PDF-Guide für mehr Freiheit sichern
Bei Männern liegt der Anteil bei 39%, bei Frauen bei 25%. Als wesentliche Hürden für Nicht-Anleger nennt die Postbank-Studie fehlendes Wissen (26%), fehlendes Geld (22%) sowie ein zu hohes Unsicherheitsgefühl (20%).
Sparzwänge im Alltag und dünne Finanzpuffer
Die Notwendigkeit, Konsumausgaben zu drosseln, prägt den Alltag auf breiter Front. Laut einer Klimabefragung der Europäischen Investitionsbank (EIB) können sich 66% der Menschen in Deutschland wegen gestiegener Energiepreise deutlich weniger leisten, während der EU-Durchschnitt bei 60% liegt.
Konkret drehten 42% die Heizung herunter, 40% schränkten Ausgaben für Lebensmittel und Gesundheit ein. Zudem reduzierten 44% notwendige Fahrten und 28% passten ihre Fahrweise durch langsameres Fahren an.
Demnach könnten 37% der Menschen einen Betrag von 3.000 Euro nicht kurzfristig begleichen; bei den 18- bis 29-Jährigen liegt dieser Anteil bei 63%. Müssten Ausgaben gesenkt werden, würden 54% zuerst beim Konsum sparen und lediglich 14% bei Sparbeiträgen oder der Vorsorge.
Eine Umfrage von Civey für die Debeka unter Erwachsenen ohne Rentner ergab zudem, dass 22% ihre laufenden Ausgaben keinen vollen Monat aus Ersparnissen decken könnten. Weitere 29% kämen höchstens drei Monate aus, und nur 23% hielten länger als ein halbes Jahr durch. Frauen sind demnach fast doppelt so häufig von einer Reichweite von unter einem Monat betroffen wie Männer.
