PrÀdiabetes: Lebensstilprogramm senkte DiabetesfÀlle in drei Jahren um 58 Prozent
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deErhöhte Blutzuckerwerte im Stadium des PrĂ€diabetes lassen sich durch frĂŒhzeitige und gezielte Anpassungen der Lebensgewohnheiten wieder in den Normalbereich ĂŒberfĂŒhren.
Wie die Endokrinologin Margarita Belousova von SberSworowje darlegte, handelt es sich bei dieser Entwicklung nicht um eine vollstĂ€ndige Heilung oder eine Aufhebung der Diagnose, sondern um eine Normalisierung der Werte, die das Risiko fĂŒr die Entstehung eines Typ-2-Diabetes verringert.
ErnÀhrungsmuster und Bewegung als zentrale Hebel
Als Basis der Intervention gilt die VerĂ€nderung des Lebensstils. Belousova betonte, dass bei bestehendem Ăbergewicht bereits eine Gewichtsreduktion von 5 bis 7 Prozent den Kohlenhydratstoffwechsel verbessern könne.
FĂŒr die tĂ€gliche ErnĂ€hrung empfahl sie das Prinzip des Harvard-Tellers mit einem Durchmesser von 22 bis 23 Zentimetern: Die HĂ€lfte der Mahlzeit sollte aus Obst, GemĂŒse und Beeren bestehen, ein Viertel aus pflanzlichen und tierischen Proteinen und ein weiteres Viertel aus komplexen Kohlenhydraten. Zuckerhaltige GetrĂ€nke sowie zugesetzter Zucker seien zu begrenzen.
Neben der ErnĂ€hrung spielt die körperliche BetĂ€tigung eine wesentliche Rolle. Belousova riet zu einer AktivitĂ€t von rund 50 bis 60 Minuten, absolviert an drei bis vier Tagen pro Woche durch Gehen, Laufen oder Schwimmen. Eine medikamentöse UnterstĂŒtzung komme in bestimmten FĂ€llen bei besonders hohem Risiko in Betracht.
Dass es fĂŒr die Umkehrung einer Insulinresistenz keinen festen Zeitrahmen gibt, unterstrich auch Dr. Himika Chawla, Endokrinologin am PSRI Hospital. Erste Verbesserungen der InsulinsensitivitĂ€t könnten sich bei regelmĂ€Ăiger Bewegung und angepasster ErnĂ€hrung binnen Wochen einstellen, wĂ€hrend substanzielle metabolische Fortschritte meist mehrere Monate in Anspruch nehmen.
Die American Diabetes Association (ADA) empfiehlt bei Ăbergewicht oder Adipositas und hohem Diabetesrisiko ebenfalls einen Gewichtsverlust von mindestens 5 bis 7 Prozent sowie wöchentlich mindestens 150 Minuten moderate AktivitĂ€t. Körperliche BetĂ€tigung verbessere die InsulinsensitivitĂ€t auch ohne gleichzeitigen Gewichtsverlust.
Chawla und die ADA weisen darauf hin, dass kein einzelnes Nahrungsmittel ausreiche, sondern das gesamte ErnĂ€hrungsmuster entscheidend sei; zudem zĂ€hlt die ADA mittlerweile auch den Schlaf zu den Faktoren der PrĂ€vention. Nachlassende Disziplin oder eine erneute Gewichtszunahme fĂŒhrten dazu, dass erzielte Verbesserungen wieder schwinden.
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Studiendaten zur Wirksamkeit von PrÀventionsprogrammen
Die Wirksamkeit nicht-medikamentöser MaĂnahmen belegt unter anderem das Diabetes Prevention Program. Dessen intensives Lebensstilprogramm senkte das Auftreten von Typ-2-Diabetes ĂŒber einen Zeitraum von rund drei Jahren um 58 Prozent, wobei die Zielmarken bei einem Gewichtsverlust von 7 Prozent und mindestens 150 Minuten wöchentlicher AktivitĂ€t lagen.
Aus der klinischen Praxis wird berichtet, dass der HbA1c-Wert durch strukturierte ErnÀhrung und Bewegung innerhalb von etwa sechs bis neun Monaten wieder unter 5,7 Prozent sinken kann.
Zu den empfohlenen MaĂnahmen zĂ€hlen dabei zĂŒgiges Gehen fĂŒr 10 bis 15 Minuten nach den Mahlzeiten, 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche sowie Krafttraining an zwei bis drei Tagen pro Woche. Eine ĂberprĂŒfung des HbA1c-Wertes sollte etwa drei Monate nach Beginn der LebensstilĂ€nderung erfolgen, bei bestĂ€tigtem PrĂ€diabetes meist jĂ€hrlich.
Auch Fachgesellschaften betonen diesen Ansatz: Die Ăsterreichische Diabetesgesellschaft sieht LebensstilĂ€nderungen als erste Empfehlung bei PrĂ€diabetes. Eine medikamentöse Therapie ist gemÀà den Leitlinien erst vorgesehen, wenn nicht-medikamentöse MaĂnahmen ausgeschöpft sind.
Jana Meixner von der Donau-UniversitĂ€t Krems verwies auf eine Langzeitstudie mit einer Beobachtungsdauer von ĂŒber 20 Jahren, in der die Lebensstil-Gruppe am gesĂŒndesten blieb, wĂ€hrend das Medikament Metformin keinen Effekt auf andere Erkrankungen zeigte.
Eine systematische Ăbersicht ĂŒber 17 randomisierte kontrollierte Studien zeige zwar, dass Metformin die Progression von PrĂ€diabetes zu Diabetes verhindert, dies jedoch in Kombination mit Lebensstil-Interventionen erfolgen mĂŒsse.
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Globale Verbreitung und Bedeutung der Vorsorge
Die Relevanz frĂŒhzeitiger MaĂnahmen verdeutlichen weltweite Erhebungen. Nach SchĂ€tzungen der International Diabetes Federation (IDF) aus dem Jahr 2024 wiesen weltweit rund 635 Millionen Erwachsene eine gestörte Glukosetoleranz und 488 Millionen eine gestörte NĂŒchternglukose auf; diese Kategorien ĂŒberschneiden sich teilweise.
In Indien wiesen im Jahr 2021 laut der ICMR-INDIAB-Studie etwa 136 Millionen Menschen einen PrĂ€diabetes auf â mehr als die rund 101 Millionen mit diagnostiziertem Diabetes. In Ăsterreich leben demnach rund 350.000 Menschen mit PrĂ€diabetes und weitere 800.000 mit Diabetes.
Diagnostisch wird PrĂ€diabetes typischerweise ĂŒber einen HbA1c-Wert im Bereich von 5,7 bis 6,4 Prozent definiert; Werte ab 6,5 Prozent können nach BestĂ€tigung eine Diabetes-Diagnose begrĂŒnden. Belousova rĂ€t ab dem 45. Lebensjahr zu regelmĂ€Ăigen Glukosekontrollen: Bei unauffĂ€lligen Werten sollten diese alle drei Jahre stattfinden, bei vorliegendem PrĂ€diabetes mindestens einmal jĂ€hrlich.
