Präventionsgesetz, Bundesregierung

Präventionsgesetz: Bundesregierung plant Vorschlag für Anfang 2027

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 05:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bosch Health Campus und AOK Baden-Württemberg wollen gesunde Lebensjahre zum Maßstab machen; ein Gesetzesvorschlag ist für Anfang 2027 geplant.

Bosch Health Campus und AOK fordern Kurswechsel zur Prävention
Ein sonnendurchfluteter Parkweg im morgendlichen Licht, der Ruhe und eine gesunde Umgebung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Das deutsche Gesundheitssystem steht vor einem grundlegenden Paradigmenwechsel: Statt Krankheiten vorrangig nach ihrem Ausbruch zu therapieren, fordern Initiativen eine Ausrichtung an gesunden Lebensjahren.

Wie aus einem Bericht von Anfang Oktober 2026 hervorgeht, drängen der Bosch Health Campus und die AOK Baden-Württemberg auf eine umfassende Präventionswende. Ziel sei es, den Gesamterfolg des Versorgungssystems künftig daran zu messen, wie viele Jahre die Menschen frei von schwerwiegenden Einschränkungen leben.

Dafür müssten Prävention, Versorgung, Vergütungsmodelle und die allgemeine Steuerung des Systems neu gedacht und verzahnt werden. Beide Institutionen stützen ihre Forderungen unter anderem auf Studien, nach denen mehr als 50 Prozent der Menschen in Deutschland eine problematische oder inadäquate Gesundheitskompetenz aufweisen.

Fünf Kernhebel für die strukturelle Neuordnung

Um die Gesundheitsförderung nachhaltig zu verankern, benennen der Bosch Health Campus und die AOK Baden-Württemberg fünf strategische Hebel:

  • Stärkung der Gesundheitskompetenz: Information und Bildung müssen Menschen in die Lage versetzen, gesundheitsrelevante Entscheidungen im Alltag verlässlich zu treffen.
  • Förderung über alle Phasen: Maßnahmen dürfen sich nicht nur auf ausgewählte Altersgruppen beschränken, sondern müssen über sämtliche Lebens- und Krankheitsphasen hinweg greifen.
  • Personalisierte und digitale Prävention: Der gezielte Einsatz moderner digitaler Werkzeuge und künstlicher Intelligenz soll individuelle Präventionspfade eröffnen.
  • Stärkung der lokalen Primärversorgung: Angebote müssen dort erreichbar sein, wo die Bevölkerung lebt, insbesondere durch eine engmaschige Grundversorgung vor Ort.
  • Finanzierung nach Gesundheitsgewinnen: Das Vergütungssystem soll nicht mehr allein die Zahl der behandelten Krankheitsfälle honorieren, sondern monetäre Anreize an erreichte gesundheitliche Verbesserungen koppeln.

Der Bosch Health Campus verlangt, das Leitbild mehr gesunder Lebensjahre fest in der bundesweiten Präventionsstrategie, den einschlägigen Gesetzen sowie der Steuerungslogik zu verankern.

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Diskrepanz zwischen Milliardenausgaben und Lebenserwartung

Der Reformdruck erklärt sich auch aus einem wirtschaftlichen Missverhältnis. Deutschland wendet jährlich rund 500 Milliarden Euro für Gesundheit auf. Dennoch liegt das Land bei der Zahl der gesunden Lebensjahre unter dem europäischen Durchschnitt. Bei einem parlamentarischen Abend am 5. Oktober 2026 diskutierten Vertreter aus Politik, Verbänden und Krankenkassen über notwendige Schritte, um Prävention zum obersten Leitprinzip zu machen.

Dabei wurde hervorgehoben, dass klassische Risikofelder wie Tabak, Alkohol und übermäßiger Zuckerkonsum enorme Belastungen verursachen. Zudem verdeutlichen Analysen die hohen ökonomischen Folgekosten chronischer Beschwerden: Nach Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts WifOR beliefen sich die durch Migräne bedingten Arbeitsverluste in Deutschland zwischen 2011 und 2021 auf insgesamt 557 Milliarden Euro.

Diskutiert wird daher eine stärkere ressortübergreifende Zusammenarbeit sowie eine aktivere Einbindung von Pflegeberufen, Hausarztpraxen und Apotheken.

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Gesetzgeberische Vorhaben für Anfang 2027

Die Bundespolitik hat die Notwendigkeit gesetzlicher Korrekturen aufgenommen. Am 5. Oktober 2026 kündigte Christiane Schenderlein, Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit, an, dass die Bundesregierung Anfang 2027 einen Vorschlag für ein weiterentwickeltes Präventionsgesetz vorlegen will. Vor der Ausarbeitung des Entwurfs finden Gespräche mit relevanten Akteuren und Fachverbänden statt.

Das Ministerium strebt dabei an, Verhaltens- und Verhältnisprävention enger miteinander zu verknüpfen. Zudem sollen Kommunen, Betriebe sowie Kranken- und Pflegekassen besser zusammenarbeiten, um auch schwer erreichbare und sozial benachteiligte Gruppen einzubinden.

Neben dem Ziel, mehr gesunde Lebensjahre zu ermöglichen, soll die Initiative den künftigen Pflegebedarf dämpfen. Maßnahmen wie die gezielte Sturzprophylaxe sowie der Erhalt der geistigen und körperlichen Beweglichkeit gelten als wirksame Hebel, um eine pflegebedürftigkeit im Alter hinauszuzögern.

Mehr zum Thema bei Deutsches Ärzteblatt: „Vorschlag zu weiterentwickeltem Präventionsgesetz soll Anfang 2027 kommen – News“

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