Genauere Wettervorhersagen dank KI
10.12.2024 - 04:00:39Genauere, schnellere und verlÀsslichere Wetterprognosen: Das soll ein neues KI-Modell der Google-Tochter DeepMind einer Studie zufolge möglich machen. Ein Experte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sagt, bei bestimmten Aspekten kÀmen KI-Vorhersagesystemen noch nicht an klassische, physikalisch-basierte Modellen heran. Deswegen seien KI-Modelle als ErgÀnzung zu sehen, nicht als Ersatz.
DWD-Fachmann: viel Potenzial
Roland Potthast, der beim DWD die Numerische Wettervorsage leitet, bezeichnet die im Fachblatt «Nature» erschienene Studie als «wichtigen Schritt»: Solche Modelle hĂ€tten viel Potenzial, das nun erschlossen werden mĂŒsse. Die AnsĂ€tze von Google und weiteren Tech-Unternehmen könnten Wetterdienste «ergĂ€nzen, inspirieren und weiterbringen». So könnten der Allgemeinheit immer bessere Vorhersagen und Warnungen bereitgestellt werden.
Entwickelt wurde die maschinell lernende Wettervorhersage-Methode namens «GenCast» von einem Team um Ilan Price von dem in London ansĂ€ssigen Unternehmen DeepMind. Die Studie wurde ausschlieĂlich von DeepMind-Mitarbeitern durchgefĂŒhrt, fĂŒr das Fachblatt dann aber durch unabhĂ€ngige Gutachter bewertet. Das Team kommt zu dem Ergebnis, dass «GenCast» die beste herkömmliche mittelfristige Wettervorhersage ĂŒbertrifft. Das Modell sei zudem in der Lage, extreme Wetterlagen, die Zugbahn tropischer WirbelstĂŒrme und die Entwicklung von WindstĂ€rken besser vorherzusagen.
Die KI wurde auf der Grundlage der Analysedaten von Wetterereignissen aus 40 Jahren (1979 bis 2018) trainiert. Im Anschluss testete die Forschungsgruppe, wie gut «GenCast» das Wetter fĂŒr 2019 prognostizieren konnte.
Globale 15-Tage-VorhersagenÂ
Gemeinhin gilt, dass Wettervorhersagen umso ungenauer werden, je weiter sie in die Zukunft blicken. «GenCast» sei in der Lage, innerhalb von acht Minuten globale 15-Tage-Vorhersagen zu erstellen, hieĂ es. FĂŒr solche mittelfristigen Prognosen galt bisher das EuropĂ€ische Zentrum fĂŒr mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) weltweit als am genauesten. Bei der Vorhersage von 1.320 Windgeschwindigkeiten, Temperaturen und anderen atmosphĂ€rischen Merkmalen habe «GenCast» nun in ĂŒber 97 Prozent besser abgeschnitten, so die Entwickler.
Dabei berechne «GenCast» seine Vorhersagen nicht einmal, sondern insgesamt 50-mal pro Prognose. Entsprechend steige die Wahrscheinlichkeit der Vorhersage-Sicherheit. Das System verspreche eine höhere Genauigkeit, Effizienz und ZugÀnglichkeit in einem breiten Spektrum von Situationen, so das Team.
DWD testet eigenes KI-Modell
Der DWD teste derzeit ein eigenes KI-Modell, weitere seien in Arbeit, die als ErgĂ€nzung zu bisherigen Methoden genutzt werden sollen, sagte Potthast. «Physikalisch basierte Modelle und KI-Modelle werden in der Vorhersagekette des DWD kombiniert, um jeweils auf jeder Zeitskala und fĂŒr die angestrebten Vorhersage-Variablen - etwa Niederschlag, Temperatur, Winde, Druck, Feuchte, Böen, Eis-ĂbersĂ€ttigung und vieles mehr - die bestmöglichen Vorhersagen bereitstellen zu können», so Potthast.
Der DWD-Experte erklĂ€rte, KI als neues Werkzeug mache den Menschen nicht ĂŒberflĂŒssig. Aktuell sei sogar eher ein Mehrbedarf an Arbeitsleistung erforderlich, um die bisherige QualitĂ€t der physikalisch basierten Systeme weiterhin verlĂ€sslich zur VerfĂŒgung stellen zu können. «Die KI-Modelle können diese QualitĂ€t, Breite, Vielfalt und VerlĂ€sslichkeit noch nicht leisten, sondern sind nur in ausgewĂ€hlten Variablen oder Scores schneller oder besser», so Potthast. Es gebe aber eine sehr steile Lernkurve in dem Bereich.
KI beachtet Naturgesetze nicht
Wetter entstehe durch viele miteinander verbundene Prozesse, erklÀrte der DWD-Experte. «Physikalische Modelle, wie sie in der Wettervorhersage genutzt werden, halten sich an die Naturgesetze.» Das mache ihre Vorhersagen stimmig und nachvollziehbar. «Maschinelle Lernmodelle funktionieren anders. Sie konzentrieren sich darauf, einzelne Werte möglichst genau vorherzusagen, ohne die Naturgesetze direkt zu beachten.»
Solche Modelle verteilten die das Wetter antreibende Energie - groĂe Bewegungen wie Winde und kleine Details wie Turbulenzen - oft nicht so, wie das in der Natur passiere. In der Folge könne es zu Vorhersagen kommen, die auf den ersten Blick gut aussĂ€hen, aber in Wirklichkeit nicht ganz stimmten, besonders wenn das Wetter komplizierter werde. «Physikalische Modelle machen das besser, weil sie von Anfang an darauf ausgelegt sind, diese ZusammenhĂ€nge einzuhalten.»


