PRIMA-Netzhautchip: Weltweit erste Implantation am UKSH in Lübeck
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 21:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck hat weltweit erstmals seit der europäischen Zulassung im Juli 2026 den Netzhautchip PRIMA implantiert.
Der Eingriff erfolgte bei einer 80-jährigen Patientin mit geographischer Atrophie infolge trockener altersabhängiger Makuladegeneration (AMD), wie aus Berichten vom 9. Oktober 2026 hervorgeht. Das neuartige System soll Betroffenen verlorene visuelle Funktionen teilweise wieder zugänglich machen.
Premiere nach der europäischen Zulassung des Implantats
Bei der behandelten Patientin handelt es sich um die 80-jährige Gisela Sudhop, die seit mehr als 10 Jahren an AMD leidet. Das Implantatsystem PRIMA wurde im Juli 2026 für die reguläre Krankenversorgung in Europa zugelassen.
Nach dem Eingriff schließt sich eine längere Anpassungsphase an: Sudhops Rehabilitation soll 6 Monate dauern, um das Sehen neu zu trainieren. Das UKSH Lübeck erwartet, dass die Patientin im Anschluss an das Training mittelgroße Buchstaben lesen kann.
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Funktionsweise und klinische Studiendaten
Der implantierte Chip misst 2 × 2 mm und arbeitet in Kombination mit einer Spezialbrille, die über eine integrierte Mikrokamera verfügt. Dieses Kamerasystem überträgt Bildsignale an das Implantat auf der Netzhaut. Da das Sehvermögen nicht automatisch zurückkehrt, ist nach der Operation eine intensive Rehabilitation nötig, um die übermittelten Signale zu interpretieren.
Dass das Verfahren die Sehfähigkeit steigern kann, belegen frühere Erhebungen: Eine Studie mit 38 Teilnehmenden zeigte nach 12 Monaten eine signifikant verbesserte Sehschärfe bei den Behandelten.
Verbreitung der Makuladegeneration und offene Finanzierung
Die Augenerkrankung stellt das Gesundheitssystem vor wachsende Herausforderungen. Nach Angaben des UKSH Lübeck sind in Deutschland mehr als 1 Mio. Menschen von AMD betroffen. Demnach sind laut BVA in Deutschland rund 7 Mio. Menschen von AMD betroffen, davon etwa 480.000 im Spätstadium. Jährlich erblinden laut BVA und UKSH etwa 5.000 Menschen durch Makuladegeneration.
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Trotz der klinischen Premiere und der Zulassung für den europäischen Markt ist die praktische Umsetzung im Versorgungsalltag noch nicht vollständig geregelt. So ist die Kostenübernahme für die Implantation und die anschließende Begleitung durch die gesetzlichen Krankenkassen derzeit noch ungeklärt.

