Probiotikum, KL-P301

Probiotikum KL-P301: 24 Wochen senken Alzheimer-Blutmarker in Studie

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 03:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine 24-wöchige Studie fand Veränderungen bei Blutmarkern und einzelnen kognitiven Tests, liefert jedoch keinen Nachweis für Alzheimer-Prävention.
Ein leeres Laborbecherglas auf einem weißen Labortisch in einer sterilen, hellen Laborumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Verbindung zwischen der mikrobiellen Besiedlung des Darms und neurodegenerativen Prozessen rückt zunehmend in den Mittelpunkt der neurologischen Forschung.

Eine am 28. August 2026 im Fachjournal Journal of Alzheimer's Disease publizierte doppelblinde klinische Studie der südkoreanischen Universität Chosun in Gwangju und des Chonnam National University Hospital liefert neue Erkenntnisse über das Zusammenspiel von Darmflora und Gehirngesundheit.

Die Untersuchung prüfte die Wirkung eines Multistamm-Probiotikums über einen Zeitraum von 24 Wochen bei älteren Erwachsenen mit früher kognitiver Beeinträchtigung.

Klinische Effekte auf Biomarker und Denkvermögen

Für die Untersuchung wurden ursprünglich 100 Personen randomisiert, von denen 87 Teilnehmer aus der südkoreanischen Gwangju-Alzheimer- und Demenz-Kohorte (GARD) das Protokoll abschlossen. Davon erhielten 40 Probanden das Präparat KL-P301, während 47 Personen der Kontrollgruppe angehörten und ein Placebo einnahmen.

Die Rezeptur KL-P301 enthält drei bakterielle Stämme: Bifidobacterium animalis, Limosilactobacillus fermentum sowie Levilactobacillus brevis, verabreicht in Pulverform oder aufgelöst in Wasser.

Nach der 24-wöchigen Einnahme zeigte sich in der Probiotikum-Gruppe eine signifikante Senkung von Plasma-pTau181, einem etablierten Blutmarker für die Alzheimer-Krankheit, im Vergleich zur Placebogruppe.

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Zudem blieben zwei weitere Marker für Nervenschädigungen in der Interventionsgruppe stabil, während diese Werte unter Placebo anstiegen. Auf immunologischer Ebene reduzierte sich der Entzündungsmarker Interleukin-1-beta (IL-1?) bei den Probanden mit Probiotika-Gabe deutlicher als in der Kontrollgruppe.

In den neuropsychologischen Tests fielen die Resultate differenziert aus. Die Teilnehmer der Probiotikum-Gruppe erzielten Verbesserungen in den Scores des Clinical Dementia Rating, insbesondere im Gedächtnisbereich. Auch bei visuospatialen Aufgaben wie dem Nachzeichnen und Erinnern von Figuren schnitt diese Gruppe besser ab, während die Placebogruppe Verschlechterungen aufwies.

Allerdings erreichten nicht alle durchgeführten Vergleiche ein statistisch signifikantes Niveau. Bei Tests zum verbalen Gedächtnis, den exekutiven Funktionen sowie im Mini-Mental-Status-Test (MMSE) zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Gruppen.

Grenzen der Aussagekraft und weiterer Forschungsbedarf

Die Studienautoren Kang-Ho Choi und Kun Ho Lee ordnen die Resultate als vorläufig ein. Bislang gibt es keinen Nachweis dafür, dass das Präparat Tau-Ablagerungen im Gehirn abbaut oder eine direkte Reduktion von Tau-Proteinen im zentralen Nervensystem bewirkt. Ein Beleg für eine vollständige Prävention von Alzheimer liege nicht vor, und das Probiotikum ersetze keine medizinische Standardbehandlung.

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Um die Zusammenhänge genauer zu überprüfen, plant das Team größere und länger angelegte Folgestudien unter Einsatz von Tau- und Amyloid-Positronen-Emissions-Tomografien (PET).

Dennoch sehen die Forscher in einem gezielten mikrobiellen Gleichgewicht und der Beeinflussung der Darm-Immun-Hirn-Achse einen vielversprechenden Ansatzpunkt, um frühzeitigen pathologischen Prozessen entgegenzuwirken und die kognitiven Fähigkeiten im Anfangsstadium zu unterstützen.

Der Bedarf an präventiven und unterstützenden Therapieansätzen ist hoch: Weltweit sind derzeit mehr als 57 Millionen Menschen von Demenzerkrankungen betroffen. Nach Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation könnte diese Zahl bis zum Jahr 2050 auf rund 139 Millionen Menschen ansteigen, wobei die Alzheimer-Krankheit für etwa 60 bis 70 Prozent dieser Fälle verantwortlich ist.

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