Programmieren mit dem Elefanten: Neue Lernspiele ab Herbst
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 04:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts stagnierender Leistungen in den Kernkompetenzen gewinnen außerschulische und spielerische Bildungsangebote zunehmend an Bedeutung. Eine aktuelle Kooperation zwischen dem Landesbibliothekszentrum (LBZ) Rheinland-Pfalz, dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) und dem Südwestrundfunk (SWR) adressiert diese Entwicklung mit dem Projekt „Programmieren mit dem Elefanten“.
Die Initiative zielt darauf ab, Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter erste Programmierkenntnisse über öffentliche Bibliotheken in Rheinland-Pfalz zu vermitteln.
Spielerische Vermittlung informatischer Grundlagen
Das Projekt nutzt die Bekanntheit etablierter Formate, um technische Konzepte zugänglich zu machen. Kernstück ist das Lernspiel „Wenn-Dann-Maschine“ innerhalb der Elefanten-App, das über vier verschiedene Level verfügt. Um die Umsetzung in der Fläche zu gewährleisten, sind für die beteiligten Bibliotheken Schulungen im Zeitraum vom 21. bis 23. September 2026 geplant. Der offizielle Start des Programms ist für den Herbst vorgesehen.
Dieses Angebot ist für die Nutzer kostenfrei und auf eine Laufzeit bis Mitte 2027 angelegt. Rheinland-Pfalz folgt damit dem Beispiel von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, wo ähnliche Konzepte bereits umgesetzt wurden. Die Einbindung von Bibliotheken als Lernorte soll den Zugang zu digitaler Bildung niederschwellig gestalten.
Bildungskontext: Ergebnisse der PISA-Erhebungen
Die Notwendigkeit solcher Fördermaßnahmen wird durch aktuelle Leistungsdaten unterstrichen. Berichte zur PISA-Studie 2026 verdeutlichen, dass etwa jeder vierte 15-Jährige das naturwissenschaftliche Mindestniveau verfehlt. Lediglich zehn Prozent der Schüler erreichen in diesem Bereich eine besondere Leistungsstärke.
Zusätzliche Daten zur PISA-Erhebung 2025, die im September 2026 veröffentlicht wurden, belegen einen historischen Tiefstand der Kompetenzwerte in Deutschland. In den Naturwissenschaften wurden 486 Punkte erreicht, was einen Rückgang gegenüber dem Wert von 492 Punkten aus dem Jahr 2022 darstellt.
Ähnliche Tendenzen zeigen sich im Lesen mit 465 Punkten (2022: 480) und in der Mathematik mit 464 Punkten (2022: 475). Den Analysen zufolge fehlen jedem dritten 15-Jährigen Grundkompetenzen im Lesen und in der Mathematik, während jeder fünfte Jugendliche in allen drei getesteten Kernbereichen Defizite aufweist. Die Erhebung stützt sich auf Tests mit 6.700 Schülern an 250 Schulen.
Regionale Investitionen und spezialisierte Förderformate
Die neuesten PISA-Zahlen zeigen: Jedem dritten 15-Jährigen fehlen Grundkompetenzen in Lesen und Mathematik. Doch es gibt Wege, Ihr Kind spielerisch zu stärken — von ersten Programmierkenntnissen in der Kita bis zu kostenlosen MINT-Lernorten in Ihrer Nähe. Unser kostenloser Eltern-Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie digitale Lernspiele gezielt einsetzen. Jetzt kostenlosen Eltern-Ratgeber anfordern
Als Reaktion auf diese Herausforderungen intensivieren Bildungseinrichtungen und Kommunen ihre Investitionen in die MINT-Infrastruktur (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik).
Das Internatsgymnasium Marienau im niedersächsischen Dahlem investiert beispielsweise rund 800.000 Euro in ein neues „Naturwissenschaftliches Zentrum+“. Dieses umfasst ein Open-Lab, ein KI-Labor sowie einen MakerSpace. Die Schule, die in den Jahren 2028/2029 ihr 100-jähriges Bestehen feiert, positioniert sich damit explizit gegen den Trend sinkender PISA-Leistungen.
In Leverkusen wird ab Oktober 2026 eine neue Arbeitsgemeinschaft für Künstliche Intelligenz (KI) angeboten, die sich an Schüler der Klassen 7 bis 9 richtet. Die Teilnehmer arbeiten wöchentlich an KI-Projekten und werden dabei von Experten, unter anderem des Unternehmens Covestro, unterstützt. Ein Abschlusswettbewerb bildet den Rahmen für die praktische Anwendung der gelernten Inhalte.
Parallel dazu werden kurzzeitige Intensivformate genutzt. An der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe (PHKA) findet im September 2026 die sechste Auflage des „Karlsruher Mathesommers“ statt. 108 Kinder der zweiten bis vierten Klassenstufe werden dabei von Lehramtsstudierenden betreut.
Zum Einsatz kommen unter anderem neue Lernblätter mit QR-Codes, die zu digitalen Lernspielen führen. Das Projekt wird bereits seit 2021 von der Vector Stiftung gefördert.
Infrastruktureller Ausbau und soziale Integration
Neben inhaltlichen Schwerpunkten stehen strukturelle Veränderungen im Fokus. In Mannheim tritt zum Schuljahr 2026/27 der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder in Kraft, der bis 2029/30 auf alle Primarstufen ausgeweitet werden soll.
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Die Stadt investiert hierfür rund 119 Millionen Euro in 14 Ganztagsgrundschulen und schafft bis zu 220 zusätzliche Betreuungsplätze. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Sprachförderung, da 54 Prozent der eingeschulten Kinder einen intensiven Bedarf in diesem Bereich aufweisen.
In Stuttgart wird die Integration durch Bildung bereits seit September 2024 im „Kids Cube“ der AWO in Zuffenhausen erprobt. Das von Mercedes-Benz und der Bürgerstiftung Stuttgart geförderte Projekt bietet Workshop-Module für Kinder in Gemeinschaftsunterkünften an und wird wissenschaftlich durch die DHBW Stuttgart begleitet. Solche Initiativen verdeutlichen den Trend, kognitive Förderung eng mit sozialer Teilhabe und frühkindlicher Digitalbildung zu verknüpfen.
