Prostatakrebs, Gentest

Prostatakrebs: Gentest zeigt 10 bis 11 Prozent Nutzen durch Abirateron

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
STAMPEDE-Daten zeigen je nach Decipher-Wert unterschiedliche Vorteile durch Abirateron; für den klinischen Routineeinsatz ist weitere Prüfung nötig.
Ein steriler, modern eingerichteter medizinischer Laborraum mit glänzenden Oberflächen und Glasgeräten in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

In der Behandlung des nichtmetastasierten Prostatakrebses mit klinisch sehr hohem Risiko gewinnen molekulare Tests an Bedeutung für die individuelle Therapiesteuerung.

Eine retrospektive Analyse der randomisierten Phase-III-STAMPEDE-Studie durch Veracyte und das University College London (UCL) liefert prädiktive Evidenz des Levels 1B für den Einsatz des genomischen Klassifikators Decipher Prostate.

Anhand von Daten von 401 Patienten, die entweder eine alleinige Androgendeprivationstherapie (ADT) oder eine Kombination aus ADT und Abirateron erhielten, untersuchten die Wissenschaftler, wie genetische Profile das Ansprechen auf eine intensivierte Behandlung vorhersagen können.

Signifikanter Zusammenhang zwischen Testergebnis und Therapieansprechen

Die gemeinsame Auswertung von Veracyte und dem UCL belegt eine statistisch signifikante Interaktion zwischen der Therapieform und dem Decipher-Ergebnis für das Auftreten von Fernmetastasen bei nodalnegativen Patienten mit einem p-Wert von 0,01. Der 5-Jahres-Absolutnutzen einer zusätzlichen Gabe von Abirateron zur Reduktion von Fernmetastasen unterschied sich je nach Testergebnis deutlich: Bei hohen Scores betrug der absolute Nutzen 10 %, bei sehr hohen Werten 11 %, während Patienten mit niedrigeren Scores lediglich einen Nutzen von 2 % aufwiesen.

Darüber hinaus waren höhere Werte im Decipher-Test durchgängig mit einem gesteigerten Metastasierungsrisiko sowie einem schlechteren metastasenfreien Überleben und Gesamtüberleben verknüpft. Den Daten zufolge bedeutete jeder Anstieg des Scores um 0,1 ein höheres Risiko für das Auftreten von Fernmetastasen sowie für einen durch Prostatakrebs bedingten Tod.

Anzeige

Wer sich mit der Diagnose Prostatakrebs befasst, sucht oft nach Wegen, die eigene Gesundheit über die Schulmedizin hinaus zu unterstützen. Dieser kostenlose Spezialreport zeigt Ihnen, wie Sie durch gezielte Ernährung Prostatabeschwerden natürlich vorbeugen und Ihre Lebensqualität erhalten können. 7 Ernährungs-Tipps zur Prostatagesundheit kostenlos sichern

Klinische Einordnung und Validierung durch Real-World-Daten

Die detaillierten Ergebnisse der STAMPEDE-Analyse werden von der Studienleiterin Dr. Sarah Howlett vom UCL auf dem ESMO-Kongress 2026 am 24.10.2026 im Zeitraum von 10:15 bis 11:45 Uhr MESZ in Madrid vorgestellt. Wie die Forscherin hervorhob, sei vor einem routinemäßigen Einsatz des Tests in der klinischen Praxis allerdings noch eine weitere Validierung erforderlich.

Parallel dazu bestätigte eine separate Real-World-Analyse die prognostische Relevanz des Klassifikators in einem breiten Patientenkollektiv. Anhand von Daten von über 27.000 Patienten, von denen 5.956 auf klinische Endpunkte hin überprüft wurden, ließ sich der Vorhersagewert über die Hoch- und Sehr-Hochrisikogruppen des National Comprehensive Cancer Network (NCCN) hinweg nachweisen.

Wissenschaftliche Herausforderungen bei neuen Biomarkern

Die Identifikation verlässlicher Marker bleibt ein zentraler Schwerpunkt der onkologischen Forschung. Eine Untersuchung von Oxford Population Health analysierte Blutproben von 982 Männern, die später an Prostatakrebs erkrankten, und 1.573 Kontrollpersonen aus der EPIC-Kohorte.

Anzeige

Neben spezialisierten Gewebetests können auch allgemeine Blutwerte wichtige Hinweise auf den Gesundheitszustand liefern, wenn man sie richtig zu deuten weiß. Erfahren Sie in diesem Gratis-Leitfaden eines Vitalstoffexperten, welche 10 Laborwerte für Ihre Vorsorge wirklich entscheidend sind. Kostenlosen Laborwerte-Ratgeber hier anfordern

Bei über 6.000 analysierten Proteinen und einer Nachbeobachtungszeit von rund 16 Jahren zeigten zwölf Proteine, darunter GZMK, eine Assoziation mit Prostatakrebs mehr als 15 Jahre nach der Entnahme; sieben Proteine, unter anderem ANKRD1, standen in Verbindung mit aggressivem Tumorwachstum.

Fachleute betonen jedoch die Notwendigkeit sorgfältiger Überprüfungen vor einer klinischen Anwendung. Prof. Mieke Van Hemelrijck vom King's College London und Prof. Prabhakar Rajan vom Barts Cancer Institute ordnen diese Protein-Assoziationen als überwiegend moderat ein.

Ein Nachweis, dass derartige Proteintests die Vorhersagekraft im Vergleich zu etablierten Verfahren wie PSA-Messung und Magnetresonanztomografie verbessern, sei bisher nicht erbracht. Ohne eine unabhängige Validierung in diversen Populationen sehen Experten daher derzeit keinen Anlass für Änderungen an Leitlinien oder Screening-Programmen.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70398576 |