Prostatakrebs, Antikörper-Medikament

Prostatakrebs: Neues bispezifisches Antikörper-Medikament in Studien

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 10:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

InnoCare Pharma darf ICP-B381 klinisch testen. Der bispezifische ADC zielt auf PSMA und STEAP1 und zeigte präklinisch stärkere Wirkung.

InnoCare Pharma startet klinische Prüfung für duales ADC
Ein steriles, wissenschaftliches Laborumfeld mit einer Petrischale in einem klinischen, blau beleuchteten Raum. Illustration mit AI erstellt.

Die medikamentöse Behandlung von Prostatakrebs entwickelt sich in kleinen, aber bedeutsamen Schritten weiter. Ein aktuelles Beispiel liefert das chinesische Pharmaunternehmen InnoCare Pharma, das von der Arzneimittelbehörde NMPA beziehungsweise deren Prüfzentrum CDE die Genehmigung für klinische Studien mit dem Wirkstoffkandidaten ICP-B381 erhalten hat. Es handelt sich um ein bispezifisches Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC), das gegen die beiden Zielstrukturen PSMA und STEAP1 gerichtet ist und zur Behandlung solider Tumoren, darunter Prostatakrebs, eingesetzt werden soll.

Ein neuer Wirkmechanismus für die Klinik

ADC-Wirkstoffe kombinieren die Zielgenauigkeit von Antikörpern mit der zellzerstörenden Wirkung angehängter Chemotherapeutika. Während klassische ADCs meist an eine einzige Zielstruktur binden, richtet sich ICP-B381 gegen zwei Oberflächenmarker gleichzeitig – PSMA und STEAP1, die beide häufig auf Prostatakrebszellen vorkommen.

Für InnoCare Pharma markiert die Zulassung der klinischen Prüfung einen Meilenstein: Es ist das erste bispezifische ADC des Unternehmens, das in die klinische Erprobung gelangt, und zugleich bereits das dritte ADC-Präparat insgesamt, das InnoCare Pharma in Studien bringt.

Präklinische Hinweise auf verstärkte Wirksamkeit

Vor der behördlichen Genehmigung durchlief ICP-B381 präklinische Untersuchungen. In einem sogenannten 22Rv1-Xenograft-Modell – einem gängigen Tiermodell zur Prüfung von Prostatakrebs-Therapien – zeigte der Wirkstoff laut den zugrunde liegenden Studienberichten eine dosisabhängige, robuste Antitumorwirkung.

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Bemerkenswert dabei: Die Wirkung übertraf bei gleicher Dosierung jene monovalenter ADCs, also von Wirkstoffen, die nur an eine einzige Zielstruktur binden. Dieser Befund gilt als Hinweis darauf, dass die duale Angriffsstrategie gegen PSMA und STEAP1 tatsächlich einen therapeutischen Vorteil bringen könnte – wenngleich sich dies erst in klinischen Studien am Menschen bestätigen muss.

Bislang keine vergleichbare Zulassung weltweit

Nach aktuellem Stand ist weltweit kein bispezifisches ADC gegen die Zielkombination PSMA/STEAP1 zugelassen. Sollte sich der Ansatz von InnoCare Pharma in den kommenden klinischen Phasen bewähren, könnte das Unternehmen damit eine Vorreiterrolle in diesem spezifischen Therapiesegment einnehmen.

Die Konkurrenz um neue Prostatakrebs-Therapien ist international jedoch groß, da zahlreiche Pharmaunternehmen an ADC- und Antikörper-basierten Ansätzen forschen.

Relevanz angesichts der globalen Krankheitslast

Die Bedeutung neuer Therapieansätze ergibt sich aus dem Ausmaß der Erkrankung: Für das Jahr 2024 wurde weltweit von schätzungsweise rund 1,5 Millionen Neuerkrankungen an Prostatakrebs ausgegangen. Angesichts dieser Zahlen bleibt der Bedarf an wirksameren und zielgerichteteren Behandlungsoptionen für Patienten mit fortgeschrittenen oder therapieresistenten Tumoren hoch.

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Insbesondere für ältere Männer, bei denen Prostatakrebs besonders häufig diagnostiziert wird, könnten neue Wirkstoffklassen mit verbesserter Zielgenauigkeit langfristig zu einer Erweiterung der Behandlungsmöglichkeiten beitragen.

Unternehmenshintergrund

InnoCare Pharma ist an den Börsen in Hongkong (HKEX: 9969) sowie an der Shanghai Stock Exchange (SSE: 688428) notiert. Mit der Genehmigung für ICP-B381 erweitert das Unternehmen sein Portfolio an Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten, nachdem bereits zwei weitere ADC-Kandidaten zuvor in klinische Prüfungen eingetreten waren.

Ob sich die im präklinischen Modell beobachtete verstärkte Wirksamkeit auch in klinischen Studien am Menschen bestätigt, werden die kommenden Prüfphasen zeigen müssen.

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