Prostatitis: Bei weniger als 10 Prozent ist eine bakterielle Infektion belegt
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deEntzĂŒndungen der VorsteherdrĂŒse zĂ€hlen zu den verbreiteten urologischen Beschwerdebildern bei MĂ€nnern, treten jedoch in sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen auf.
Fachberichte und medizinische Erhebungen verdeutlichen, dass sich akute und chronische VerlĂ€ufe einer Prostatitis sowohl in ihrer Symptomatik als auch in ihrer HĂ€ufigkeit und Diagnostik grundlegend voneinander unterscheiden. WĂ€hrend die akute Form meist plötzlich einsetzt, verlĂ€uft die chronische Variante hĂ€ufig schleichend oder ĂŒber lĂ€ngere ZeitrĂ€ume unbemerkt.
Akute bakterielle Form als seltener Notfall
Die akute bakterielle Prostatitis macht lediglich 5 % aller Prostatitis-FĂ€lle aus. Sie entsteht hĂ€ufig durch aufsteigende Infektionen der Harnwege und geht mit einem plötzlichen Beginn einher. Typisch sind SchĂŒttelfrost und hohes Fieber zwischen 39 und 40 °C. Hinzu kommen schmerzhafte Miktion, hĂ€ufiges Wasserlassen, nĂ€chtlicher Harndrang von fĂŒnfmal oder folgender sowie Schmerzen in der Leiste und im Dammbereich.
Ein Prostataödem kann bei dieser AusprĂ€gung zu einem akuten Harnverhalt fĂŒhren, der oft von einer BlasenentzĂŒndung begleitet wird. Bei MĂ€nnern unter 35 Jahren tritt ĂŒberwiegend die akute bakterielle Form auf, die vielfach auf Erreger wie Chlamydien, Trichomonaden, Gardnerellen oder Erreger der Gonorrhö zurĂŒckzufĂŒhren ist.
Zu den akuten Komplikationen zĂ€hlen neben dem Harnverhalt auch EntzĂŒndungen der Samenblasen oder der Nebenhoden, Lymphknotenschwellungen sowie sexuelle Funktionsstörungen.
Chronische VerlÀufe und das chronische Beckenschmerzsyndrom
Eine chronische Prostatitis ist durch entzĂŒndliche Prozesse gekennzeichnet, die mindestens drei Monate im Prostatagewebe anhalten. Die Erkrankung manifestiert sich in 50 bis 70 % der FĂ€lle ohne ausgeprĂ€gte Symptome, und lediglich 20 % der Betroffenen beschreiben typische Anzeichen. Zu den beobachteten Beschwerden zĂ€hlen Dysurie, Brennen, Damm-Schmerzen, ein weiĂer Ausfluss nach dem Wasserlassen oder dem Stuhlgang sowie Blut im Sperma.
Medizinisch werden verschiedene Formen unterschieden, darunter bakterielle, abakterielle, kongestive und asymptomatische Varianten sowie das chronische Beckenschmerzsyndrom.
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Letzteres stellt mit mehr als 90 % der FĂ€lle die mit Abstand hĂ€ufigste Form dar und wird in eine Variante mit EntzĂŒndung (IIIa) sowie eine Form ohne EntzĂŒndung (IIIb) unterteilt. Die asymptomatische Form IV wird oft zufĂ€llig im Rahmen von PSA-Wert-Erhöhungen oder bei Untersuchungen zu InfertilitĂ€t entdeckt.
EuropĂ€ische Leitlinien weisen darauf hin, dass bei weniger als 10 % der als Prostatitis diagnostizierten FĂ€lle tatsĂ€chlich eine bakterielle Infektion nachgewiesen werden kann. Als Ursachen fĂŒr chronische EntzĂŒndungen gelten auf- oder absteigende Infektionen, ImmunschwĂ€chen, Durchblutungsstörungen im Beckenbereich, Harnröhrenkatheter oder transurethrale Eingriffe.
HÀufigkeit, SpÀtfolgen und differenzialdiagnostische Abgrenzung
Die Verbreitung von Prostatitis-Symptomen korreliert eng mit dem Lebensalter. Nach dem 30. Lebensjahr sind 30 % der MĂ€nner betroffen, nach dem 40. Lebensjahr 40 % und nach dem 50. Lebensjahr bis zu 50 %. Ohne oder bei unzureichender Therapie nimmt die Erkrankung bei jedem dritten Mann einen chronischen Verlauf.
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Die Folgen anhaltender EntzĂŒndungen können betrĂ€chtlich sein. Jeder zweite Betroffene leidet unter sexueller Dysfunktion, darunter verminderte Libido oder Erektionsstörungen. Zudem drohen eine geringere SpermienmotilitĂ€t sowie eine höhere InfertilitĂ€tsrate; ohne adĂ€quate Behandlung sehen sich rund 40 % der Patienten mit einer Form von Unfruchtbarkeit konfrontiert.
In der Praxis ist die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen wie der benignen Prostatahyperplasie (BPH) oder Prostatakarzinomen erforderlich. Prostatitis verursacht typischerweise Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen, Schmerzen bei der Ejakulation sowie Beckenschmerzen und kann in allen Altersgruppen auftreten.
DemgegenĂŒber zeigt eine BPH primĂ€r Startschwierigkeiten, einen abgeschwĂ€chten Harnstrahl und unterbrochene Miktion. FĂŒr eine gesicherte Diagnose kommen neben der rektalen Tastuntersuchung auch Urinanalysen, Untersuchungen des Prostataexprimats sowie transrektaler Ultraschall als genaueste Methode zum Einsatz.
