PSC-Screening, Betroffenen

PSC-Screening: Bei 15 von 31 Betroffenen waren Leberwerte normal

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 14:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Modellanalyse verknüpft nordische Ernährung mit niedrigerer Gesamtsterblichkeit; Imidazol-Propionat und MRCP-Screenings werfen weitere Forschungsfragen auf.

Ernährung, Darmbakterien und PSC: Was drei Studien zur Leber zeigen
Frisches nordisches Gemüse und Getreide auf einem Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Ernährungsmuster und mikrobiologische Prozesse im Darm stehen zunehmend im Fokus der hepatologischen Forschung. Eine im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlichte Modellstudie von Forschenden aus Aarhus untersuchte anhand von Daten aus den Jahren 1997 bis 2019, wie sich Ernährungsgewohnheiten langfristig auswirken könnten.

Die Wissenschaftler modellierten die Ernährungsdaten von 64.406 schwedischen Erwachsenen aus zwei Kohorten über einen Zeitraum von 24 Jahren. Da es sich um eine Modellierung und nicht um eine randomisierte Langzeit- oder Interventionsstudie handelte, bildeten statistische Schätzungen die Grundlage der Analyse.

Modellierte Sterblichkeit und begrenzte Effekte auf die Leber

In den Berechnungen der Forschenden aus Aarhus zeigte sich ein messbarer Einfluss auf die allgemeine Lebenserwartung: Eine gesunde nordische Ernährung senkte das modellierte 24-Jahres-Gesamtsterberisiko gegenüber dem Verzicht auf eine Ernährungsumstellung um 2,67 Prozentpunkte. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall lag hierbei zwischen 1,85 und 3,51 Prozentpunkten, was einem rund 6 Prozent geringeren modellierten Gesamtmortalitätsrisiko entsprach.

Im Vergleich zu regionalen Ernährungsempfehlungen betrug die Risikoreduktion 1,68 Prozentpunkte beziehungsweise rund 4 Prozent. Das berechnete Gesamtsterberisiko über 24 Jahre lag bei 39,9 Prozent bei einer gesunden nordischen Ernährung, bei 41,6 Prozent unter Befolgung der Ernährungsempfehlungen und bei 42,5 Prozent ohne Ernährungsumstellung.

In Bezug auf schwere Leberkomplikationen ergab sich jedoch kein statistisch eindeutiger Schutz. Das geschätzte 24-Jahres-Risiko belief sich auf 0,53 Prozent bei einer gesunden nordischen Ernährung, 0,70 Prozent bei regionalen Ernährungsempfehlungen und 0,64 Prozent ohne Umstellung.

Gegenüber den nordischen Empfehlungen von 2023 war keine eindeutige Risikominderung festzustellen. Erst eine Zusatzanalyse der Forschenden deutete darauf hin, dass sich stärkere Vorteile für das Leberrisiko ergaben, wenn der Vergleich gegenüber einer besonders ungünstigen Ernährung gezogen wurde.

Mikrobielle Stoffwechselprodukte als Krankheitsfaktor

Neben umfassenden Ernährungsmustern rücken spezifische mikrobielle Stoffwechselprodukte in das Blickfeld der Wissenschaft. An der Universität Göteborg sowie in einer im Fachjournal Nature Metabolism publizierten Untersuchung widmeten sich Forscher dem Metaboliten Imidazol-Propionat (ImP), der von bestimmten Darmbakterien gebildet wird.

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Die Substanz war bei Personen mit primär sklerosierender Cholangitis (PSC) erhöht nachweisbar, wobei hohe Werte eine ungünstigere Überlebensprognose anzeigten.

In Laborversuchen aktivierte ImP den mTORC1-Signalweg in Gallengangszellen. Tierexperimente an Mäusen zeigten zudem, dass der Stoffwechselbegleiter Entzündungen im Lebergewebe sowie eine biliäre Fibrose hervorrufen kann.

Nach Einschätzung der Forschenden ist ImP zwar wahrscheinlich nicht die alleinige Ursache der Erkrankung, könnte jedoch Ansatzpunkte für künftige Therapien bieten. Diskutiert werden dabei Strategien zur Verringerung der bakteriellen ImP-Produktion oder die Blockade der beteiligten Enzyme und Signalwege, wenngleich diese Ansätze bislang nicht etabliert sind.

Diagnostische Hürden bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Die Früherkennung von Gallengangsveränderungen bleibt in der Praxis komplex. Die dänische Copenhagen IBD Inception Cohort ging dieser Frage in einer in Clinical Gastroenterology and Hepatology veröffentlichten Arbeit nach. Von 527 Erwachsenen mit neu diagnostizierten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen erhielten 389 Personen – ein Anteil von 73,8 Prozent – eine Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie (MRCP).

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Bei 31 Untersuchten, was 8,0 Prozent der Gruppe entsprach, zeigte sich eine radiologische PSC. Die Prävalenz lag bei 6,6 Prozent bei Colitis ulcerosa und bei 10,2 Prozent bei Morbus Crohn. Von diesen 31 Betroffenen wiesen lediglich 16 auffällige Leberwerte auf, während 15 Personen – entsprechend 48,4 Prozent – über normale Laborwerte verfügten.

Bei sieben weiteren Patienten traten PSC-ähnliche Veränderungen auf, ohne dass die formalen Diagnosekriterien erfüllt wurden. Ob routinemäßige Screenings mittels MRCP bei dieser Patientengruppe einen nachhaltigen Nutzen bieten, gilt der Erhebung zufolge weiterhin als ungeklärt.

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