Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: 320 Millionen Fehltage – Rekordstand

25.06.2026 - 19:10:08 | boerse-global.de

Psychische Erkrankungen verursachen 2024 über 320 Millionen Fehltage. Experten diskutieren auf dem Präventionsforum in Berlin über Gegenstrategien.

Rekord bei psychisch bedingten Fehltagen: Wirtschaft unter Druck
Psychische - Eine Silhouette steht in einem langen, schwach beleuchteten Büroflur, den Kopf gesenkt, symbolisch für psychische Erkrankungen. 25.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die deutsche Wirtschaft steht vor einer neuen Belastungsprobe.

Aktuelle Auswertungen gesetzlicher Krankenkassen zeigen das ganze Ausmaß. Der Gesundheitsreport der DAK belegt einen Anstieg der krankheitsbedingten Fehltage durch psychische Erkrankungen um 48 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Auch die Techniker Krankenkasse verzeichnet einen Trend: Fast jeder fünfte Krankheitstag geht inzwischen auf eine psychische Diagnose zurück.

Besonders betroffen sind Beschäftigte unter 45 Jahren. Bei ihnen gelten psychische Erkrankungen inzwischen als Hauptursache für Langzeitarbeitsunfähigkeit. Die allgemeine Krankenstandsquote liegt aktuell bei knapp 6,2 Prozent – das bedeutet, dass täglich mehr als 2,5 Millionen Menschen krankgeschrieben sind.

Experten diskutieren in Berlin über Gegenstrategien

Rund 200 Fachleute trafen sich am 23. und 24. Juni auf dem 11. Präventionsforum der Nationalen Präventionskonferenz (NPK) in Berlin. Im Fokus standen psychische und Verhaltensstörungen, die 2024 die dritthäufigste Ursache für krankheitsbedingte Fehlzeiten waren. Mit 42 Prozent waren sie sogar der häufigste Grund für den Bezug einer Erwerbsminderungsrente.

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Die Experten diskutierten vor allem die Auswirkungen der Digitalisierung und den damit verbundenen Technostress. Weitere Schwerpunkte: Führungskultur, Suchtprävention sowie Umgang mit Gewalt und Mobbing am Arbeitsplatz. Die Ergebnisse sollen in die nationale Präventionsstrategie einfließen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf kleinen und mittleren Unternehmen, die oft weniger Ressourcen für Gesundheitsprogramme haben.

Chronoworking: Arbeitszeit nach dem Biorhythmus

Neben klassischen Maßnahmen rücken innovative Modelle in den Fokus. Unter dem Begriff Chronoworking diskutieren Experten die Anpassung von Arbeitszeiten an den individuellen Biorhythmus. Studien in der Fachzeitschrift Frontiers of Psychology belegen: Die Schlafqualität ist entscheidend für die berufliche Leistungsfähigkeit.

Praktische Beispiele gibt es bereits. In der Klinik Wartenberg in Bayern werden Chronotypen per Haarwurzelanalyse bestimmt. Mitarbeiter, deren Schichtpläne an ihren biologischen Rhythmus angepasst wurden, berichten von höherer Zufriedenheit und Fitness.

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Auch neurobiologische Erkenntnisse halten Einzug ins Management. Positive Erlebnisse aktivieren das Belohnungssystem durch Dopamin, während dauerhafter Stress den Cortisolspiegel in die Höhe treibt. Unternehmen sollten Rahmenbedingungen schaffen, die Engagement fördern – statt ausschließlich über Druck zu steuern.

Regionale Initiativen und konkrete Hilfsangebote

Die Umsetzung von Gesundheitsmaßnahmen läuft auf vielen Ebenen. Am 26. Juni veranstalten mehrere Industrie- und Handelskammern – darunter die IHK Magdeburg und Halle-Dessau – einen Online-Workshop für Ausbildungsverantwortliche. Ziel ist es, die Gesprächsführung zur psychischen Gesundheit von Azubis zu stärken.

Regional zeigen sich ebenfalls Aktivitäten: Bei den Gesundheitstagen in Traunreut am 23. und 24. Juni nahmen 355 Beschäftigte teil. Das Programm reichte von Faszientraining bis zu computergestützten Körpermessungen. Die SSC-Services GmbH aus Böblingen erhielt bereits zum sechsten Mal ein Zertifikat für familien- und lebensphasenbewusste Personalpolitik.

Auch physische Belastungen rücken in den Fokus. Experten empfehlen Unternehmen, besonders im Sommer Arbeitsabläufe anzupassen – etwa durch aktive Trinkkultur und angepasste Lüftungskonzepte. Denn nur wer gesund bleibt, kann langfristig produktiv sein.

de | wissenschaft | 69626271 |