Psychische Erkrankungen: 42 Prozent der neuen Erwerbsminderungsrenten
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Rückkehr in das Arbeitsleben nach einer gesundheitlichen Zäsur stellt Betroffene und Betriebe vor komplexe Herausforderungen. Anstelle reiner Theorie setzen Reha-Einrichtungen zunehmend auf praxisnahe und handlungsorientierte Modelle. Ein aktuelles Beispiel dafür lieferte das BBRZ St. Pölten bei seinem jährlichen Informationstag zur beruflichen Rehabilitation.
Wie das Regionalportal meinbezirk.at in einem Bericht vom 23. Oktober 2026 darlegte, verzichtete die Einrichtung auf klassische Vortragsformate. Auftraggeber, Kooperationspartner und Interessierte wurden stattdessen eingeladen, den Reha-Alltag an interaktiven Mitmachstationen unmittelbar selbst zu erproben.
Praxiserprobung an Mitmachstationen
Das Konzept des BBRZ St. Pölten zielte darauf ab, zentrale Schlüsselkompetenzen erlebbar zu machen. Zu den Stationen zählte unter anderem der sogenannte „Flying Trainer“, der auf Bewegungsimpulse im Arbeitsalltag abzielte.
Ein berufliches Speed-Dating bot die Möglichkeit, Spontaneität, Gesprächsführung und den ersten Eindruck im Bewerbungskontext zu testen. Zudem erforderte ein gemeinsamer Turmbau kreative Problemlösungskompetenz und Teamfähigkeit.
Hinter diesen Methoden steht ein kompetenzorientierter Ansatz: Das BBRZ baut gesundheitliche, persönliche und fachliche Stärken von Menschen nach gesundheitlichen Einschränkungen systematisch aus, um einen nachhaltigen beruflichen Neuanfang zu ermöglichen. Ein wesentlicher Baustein ist dabei der enge Austausch mit Unternehmen der regionalen Wirtschaft sowie eine gezielte Unterstützung bei Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen.
Ein strukturiertes Betriebliches Eingliederungsmanagement ist entscheidend, um Mitarbeiter nach längerer Krankheit wieder erfolgreich und rechtssicher in den Arbeitsalltag zu integrieren. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie den BEM-Prozess optimal gestalten. Vollständige BEM-Anleitung mit Gesprächsleitfaden jetzt kostenlos sichern
Belastungen im Erwerbsleben erfordern tragfähige Konzepte
Die Notwendigkeit wirksamer Rehabilitations- und Präventionsangebote wird durch die allgemeine Lage im Arbeitsmarkt unterstrichen. Wie die Nationale Präventionskonferenz (NPK) in einem Positionspapier hervorhob, über das unter anderem das Deutsche Ärzteblatt am 23. Oktober 2026 berichtete, waren im Jahr 2024 bundesweit 147,3 Millionen krankheitsbedingte Fehltage sowie 42 Prozent der Neuzugänge bei Erwerbsminderungsrenten auf psychische Erkrankungen zurückzuführen.
Stephan Fasshauer, Vorsitzender der NPK und Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), warnte vor dem gravierenden Verlust sozialer Kontakte und wirtschaftlicher Ressourcen infolge langer Ausfallzeiten.
Angesichts dieser Entwicklung fordert die NPK unter anderem einfachere und digitalere Gefährdungsbeurteilungen für kleine und mittlere Unternehmen, steuerliche Förderungen für betriebliche Maßnahmen sowie frühzeitige Präventionsschulungen.
Wer sich mit der Zunahme psychischer Belastungen befasst, erkennt schnell die Bedeutung einer lückenlosen Dokumentation im Arbeitsschutz. Erfahrene Sicherheitsfachkräfte nutzen daher bewährte Excel-Vorlagen zur Gefährdungsbeurteilung, um Überlastungsgefahren frühzeitig zu identifizieren. Kostenlose Muster-Vorlagen zur Gefährdungsbeurteilung herunterladen
Vernetzung und regionale Angebote zur Neuorientierung
Neben dem Ansatz in St. Pölten erweitern auch weitere Institutionen ihre Strukturen, um die berufliche Teilhabe und Fachkräftepotenziale zu sichern. So errichtete das Berufliche Trainingszentrum Köln-Bonn ein neues BTZ auf dem Campus Michaelshoven in Rodenkirchen, wie lindweiler.de am 22. Oktober 2026 meldete.
Flankierend dazu adressieren Beratungsangebote Erwerbstätige, die sich aus gesundheitlichen Gründen neu aufstellen müssen. Die Berufsberatung im Erwerbsleben führt am 28. Oktober 2026 von 16.30 bis 18 Uhr eine kostenfreie Online-Veranstaltung per Skype durch.
Beschäftigte erhalten dort Informationen über Unterstützungsmöglichkeiten bei der Neuorientierung sowie über weiterführende Hilfen, um den Verbleib im Erwerbsleben oder einen qualifizierten Wechsel zu planen.
