Psychische Erkrankungen: 76 Milliarden Euro Kosten jährlich in EU
17.06.2026 - 17:30:42 | boerse-global.de
Eine aktuelle OECD-Studie zeigt: Allein in der EU entstehen jährliche Kosten von rund 76 Milliarden Euro.
Arbeitsmarkt verliert Millionen Stellen
Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und Alkoholabhängigkeit reduzieren das Arbeitskräftepotenzial in der EU um rund 2,4 Millionen Vollzeitstellen. Zwischen 2025 und 2050 erwartet die OECD einen jährlichen BIP-Rückgang um durchschnittlich 1,7 Prozent.
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Die Lebenserwartung sinkt infolge psychischer Erkrankungen im EU-Schnitt um 2,5 Jahre. In Deutschland sind es sogar 3,2 Jahre. Rund jeder fünfte Europäer ist betroffen, jährlich sterben etwa 28.000 Menschen vorzeitig an den Folgen.
Demenzfälle könnten drastisch steigen
Der demografische Wandel verschärft die Lage zusätzlich. Prognosen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK sowie der Universitäten Trier, Rostock und Köln zeigen: Die Zahl der Demenzkranken in Deutschland könnte bis 2060 von 1,3 auf bis zu 2,1 Millionen steigen.
Das Verhältnis von Erwerbsfähigen zu Demenzfällen würde sich bundesweit von 38:1 auf 21:1 verschlechtern. Regional klaffen große Unterschiede: In München liegt der Anteil bei 1,7 Prozent, im Landkreis Elbe-Elster bereits bei 6,2 Prozent. Experten zufolge könnten verstärkte Präventionsmaßnahmen die Fallzahlen bis 2060 auf 1,3 bis 1,5 Millionen stabilisieren.
Globale Zunahme um 95 Prozent
Eine Lancet-Studie belegt für den Zeitraum von 1990 bis 2023 eine weltweite Zunahme psychischer Störungen um 95,5 Prozent. 2023 waren demnach 1,17 Milliarden Menschen betroffen. Psychische Erkrankungen sind mittlerweile die fünftgrößte Ursache für den Verlust gesunder Lebensjahre.
In Deutschland zeigt sich ein Trend zur Multimorbidität. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) wertete Daten von 2015 bis 2024 aus: 2024 litten bereits 45 Prozent der Frauen und 43 Prozent der Männer zwischen 50 und 59 Jahren an mindestens zwei chronischen Krankheiten. Die Zahl der Patienten mit fünf oder mehr Erkrankungen stieg bei Frauen um 12 Prozent, bei Männern um 14 Prozent.
Stresspegel steigt kontinuierlich
Das Robert Koch-Institut stellte 2024 fest: 20 Prozent der Deutschen fühlen sich stark gestresst. Besonders betroffen sind Frauen und Personen zwischen 18 und 64 Jahren mit geringerem Bildungsabschluss. Die Techniker Krankenkasse bestätigt den Trend: Der Anteil gestresster Menschen stieg von 57 Prozent (2013) auf 66 Prozent (2025).
Massive Versorgungslücken trotz steigendem Bedarf
Die Behandlungslücke ist erschreckend. Die Lancet-Studie zeigt für 2021: Nur 9,1 Prozent der Patienten mit schweren depressiven Störungen erhielten eine adäquate Therapie. In Subsahara-Afrika lag der Wert bei gerade einmal 2 Prozent.
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In Deutschland warnen Berufsverbände vor einer weiteren Verschlechterung. Geplante Budgetierungen und die Streichung von Zuschlägen durch die Bundesregierung könnten ab Januar 2027 rund 38 Prozent der Therapiesitzungen wegfallen lassen – das entspricht etwa 400.000 Terminen pro Woche. Bereits seit April 2026 sehen sich Therapeuten mit Honorarkürzungen von 4,5 Prozent konfrontiert. In der stationären Psychiatrie drohen ab 2027 finanzielle Sanktionen, falls Personalvorgaben nicht eingehalten werden – ein Ziel, das derzeit in mehr als zwei Dritteln der Einrichtungen in Sachsen-Anhalt verfehlt wird.
Hoffnung aus der Forschung
Die EPIsoDE-Studie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim und der Charité untersuchte Psilocybin (25 mg) in Kombination mit Psychotherapie bei therapieresistenter Depression. Bei 144 Teilnehmern zeigte sich eine über zwölf Monate anhaltende antidepressive Wirkung. Die Ergebnisse der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Studie wurden in der Fachzeitschrift Psychotherapy and Psychosomatics veröffentlicht.
