Psychische Erkrankungen: DAK zählt 366 Fehltage je 100 Versicherte
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 18:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Belastung durch Dauerstress und psychische Erkrankungen bleibt ein zentrales Thema im Gesundheitswesen. Anlässlich der bundesweiten Woche der seelischen Gesundheit am 10.10.2026 heben Fachleute und Krankenkassen hervor, wie wichtig gezielte Erholungsphasen und soziale Kontakte zur Regulierung von Überlastung sind. Gleichzeitig verzeichnen Kassen und Rentenversicherungsträger seit Jahren eine spürbare Zunahme von Behandlungs- und Rehabilitationsbedarfen.
Präventionsangebote und individuelle Ressourcen
Zur Vorbeugung chronischer Erschöpfung existiert bundesweit ein breites Spektrum an Unterstützung. Nach Angaben der Krankenkassen stehen im Bereich des Stress- und Ressourcenmanagements nahezu 50.000 Präsenzkurse sowie etwa 2.500 Onlineangebote zur Verfügung.
Insgesamt beläuft sich die Zahl der zertifizierten Präventionskurse in den Feldern Stressmanagement, Bewegung, Ernährung und Suchtmittelkonsum auf mehr als 120.000. Gesetzliche Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten dieser qualitätsgeprüften Angebote.
Welche Mechanismen im Alltag helfen, untersuchte eine in der Fachzeitschrift PLOS Digital Health veröffentlichte Untersuchung. Anhand von 2.908 Alltagsmessungen bei 164 Personen über eine App stellten Forschende fest, dass Stress eng mit der individuellen Bewertung von Situationen sowie den verfügbaren Ressourcen zusammenhängt.
Ein ausgeprägtes Gefühl von Handlungsfähigkeit ging sowohl im Tagesverlauf als auch im Personenvergleich mit einem geringeren Stressniveau einher. Auch Hobbys können entlasten: Eine 2025 publizierte australische Übersichtsarbeit über 11 Studien ergab, dass freizeitorientierte Aktivitäten Freude und soziale Einbindung fördern und mit weniger Angst sowie depressiven Beschwerden einhergehen, sofern sie freiwillig Freude bereiten.
Psychische Erkrankungen als Treiber von Fehlzeiten
Die Relevanz von Präventionsmaßnahmen spiegelt sich in den Krankheitsstatistiken wider. Nach Angaben des Bildungs- und Gesundheitsunternehmens SRH zum Internationalen Tag der seelischen Gesundheit am 10.10.2026 zählen seelische Leiden zu den wesentlichen Treibern von Arbeitsausfällen.
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Daten der Krankenkasse DAK zeigen, dass psychische Erkrankungen bei ihren versicherten Beschäftigten im Jahr 2025 rund 366 Ausfalltage je 100 Versicherte verursachten, was einem Anstieg von 6,9 % gegenüber 2024 entspricht.
Eine Krankschreibung dauerte dabei im Durchschnitt 34,2 Tage. Das Unternehmen betonte, dass Entspannungs- und Resilienzprogramme strukturelle Faktoren wie realistische Arbeitsmengen, ausreichend Personal und planbare Arbeitszeiten nicht ersetzen können.
Ähnliche Entwicklungen meldet das Wissenschaftliche Institut der AOK. Im Fehlzeiten-Report wurde verzeichnet, dass im vergangenen Jahr auf 100 versicherte Beschäftigte durchschnittlich 470 Ausfalltage aufgrund psychischer Diagnosen entfielen.
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Vor zehn Jahren lag dieser Wert noch bei 292 Tagen, was einem Zuwachs von rund 60 % entspricht. Im Schnitt dauerte eine Krankschreibung in diesem Diagnosebereich rund 26 Tage je Fall, deutlich länger als bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit etwa 18 Tagen oder Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 16 Tagen.
Ausfalltage aufgrund von Burnout verdoppelten sich demnach von 8 auf 16 Tage je 100 Versicherte, wobei Beschäftigte in Callcentern, der Kinderbetreuung und der Alten- sowie Krankenpflege besonders häufig betroffen waren.
Steigender Rehabilitationsbedarf und körperliche Folgen
Auch bei den Rentenversicherungsträgern schlagen sich diese Entwicklungen nieder. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung leiden in Deutschland rund 8 Millionen Menschen an einer psychischen Erkrankung.
Psychische und psychosomatische Leiden bildeten 2025 mit knapp 18 % die zweitgrößte Gruppe bei medizinischen Rehabilitationen. Die entsprechenden Leistungen stiegen von rund 139.000 Fällen im Jahr 2005 auf 193.000 im Jahr 2025, was einem Zuwachs um 39 % entspricht.
Die stationäre Rehabilitation dauerte 2025 im Schnitt rund 37 Tage. Bei rund 78 % der Betroffenen zeigte sich ein nachhaltiger Effekt: Zwei Jahre nach der Maßnahme standen sie dem Arbeitsmarkt weiterhin zur Verfügung und bezogen keine Erwerbsminderungs- oder Altersrente.
Dauerhafter Stress wirkt sich zudem direkt auf die körperliche Gesundheit aus. Fachärzte weisen darauf hin, dass anhaltende Belastung Blutdruck und Puls steigern und langfristig das Risiko für Herzinfarkte oder Herzrhythmusstörungen erhöhen kann. Neben Bewegung und bewussten Erholungsphasen empfehlen Mediziner regelmäßige Kontrollen von Blutdruck, Blutzucker und Blutfettwerten zur frühzeitigen Risikominimierung.

