Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: Fehlzeiten in Deutschland steigen binnen zehn Jahren um 42 Prozent

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 16:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Depressionen könnten bis 2050 weltweit 10,7 Billionen Euro kosten; zugleich nehmen psychisch bedingte Fehlzeiten in Deutschland zu.

Psychische Belastungen verursachen hohe Kosten und mehr Fehlzeiten
Ein leerer, minimalistischer Wartebereich in einem modernen Klinikgebäude mit sanftem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Untersuchungen und Berichte zeichnen ein deutliches Bild der wachsenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen psychischer Belastungen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lebte im Jahr 2023 weltweit fast jeder siebte Mensch mit einer psychischen Erkrankung. Die daraus resultierenden Ausfälle belasten Gesundheitssysteme und Volkswirtschaften zunehmend schwer.

Hohe volkswirtschaftliche Folgekosten durch Depressionen

Ein Forschungsteam um Klaus Prettner von der Wirtschaftsuniversität Wien berechnete in der Fachzeitschrift „Nature Medicine“ die globalen Kosten von Depressionen für die Jahre 2025 bis 2050 auf geschätzt rund 10,7 Billionen Euro. Dies entspricht rund 0,46 Prozent der jährlichen weltweiten Wirtschaftsleistung. Für Österreich beziffern die Forscher den volkswirtschaftlichen Schaden durch Depressionen im selben Zeitraum auf etwa 40 Milliarden Euro.

Parallel dazu verzeichnet die Arbeitnehmervertretung ÖGB seit Jahren einen kontinuierlichen Anstieg psychisch bedingter Krankenstände in Österreich. Vor diesem Hintergrund fordert der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) eine verbindliche Beteiligung von Betroffenen.

Der Grünen-Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner verlangt zudem eine verbindliche Zusage für die Weiterführung des Programms „Gesund aus der Krise“ über den Juni 2027 hinaus. Die Stadt Wien setzt an Schulen an: Sie fördert 600 Workshops im Rahmen der Initiativen an Sekundarschulen, während 227 Wiener Schulen zusätzliches Personal über einen Chancenbonus erhalten.

Zudem ergab eine Erhebung der Stadt, dass der Anteil der LGBTIQ+-Community mit regelmäßiger Diskriminierungserfahrung im öffentlichen Raum von 28 Prozent im Jahr 2015 auf 38 Prozent im Jahr 2025 gestiegen ist.

Zunehmende Fehlzeiten und Belastungen in Unternehmen

Auch in Deutschland schlagen sich mentale Beschwerden in den Arbeitsstatistiken nieder. Nach dem Fehlzeiten-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) stiegen die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen binnen zehn Jahren um 42 Prozent.

Im Jahr 2025 registrierte das Institut durchschnittlich 14,1 Fälle von Arbeitsunfähigkeit je 100 Mitglieder wegen psychischer Diagnosen, bei einer durchschnittlichen Dauer von 28,5 Tagen je Fall. Zum Vergleich: Bei Atemwegserkrankungen lagen 80,3 Fälle je 100 Mitglieder vor.

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Die längsten Ausfallzeiten verursachten Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen, gefolgt von depressiven Episoden. Besonders häufig betroffen sind Beschäftigte in sozialen Berufen sowie im Kommunikationssektor.

Den betrieblichen Dimensionen widmet sich der von Vitality gemeinsam mit RAND Europe erstellte Produktivitätsindex. Demnach kosten gesundheitliche Belastungen die deutsche Wirtschaft jährlich rund 506 Milliarden Euro.

Beschäftigte in Deutschland verlieren im Schnitt 69,3 produktive Arbeitstage pro Jahr – mehr als in Großbritannien, den USA, Japan oder Singapur. Mit 54,4 Tagen geht der Großteil dieser Zeit auf Präsentismus zurück, also das Arbeiten trotz Krankheit. Rund 72 Prozent der deutschen Befragten berichten über moderate bis schwere psychische Belastungen.

Gleichzeitig haben lediglich 16 Prozent Zugang zu arbeitgeberfinanzierten Beratungsangeboten, während 42 Prozent angeben, Unterstützung von ihren Führungskräften zu erhalten. Bei den 18- bis 34-Jährigen berichten 32 Prozent über starke depressive Symptome.

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Rollenunklarheit und Selbsthilfeinitiativen

Wissenschaftler der Universität Bielefeld zeigten anlässlich des Welttags für psychische Gesundheit auf, dass Veränderungen bei sogenannten rollenfremden Tätigkeiten die mentale Erschöpfung steigern, da sie Unsicherheit über künftige Erwartungen schüren. Fachleute empfehlen daher eine klare Rollenkommunikation.

Gleichzeitig wächst der Bedarf an Unterstützung abseits des Betriebs: Der Bundesverband Burnout und Depression (BBuD), dessen Selbsthilfegruppen 2013 entstanden, erweitert digitale Angebote für Betroffene. Im Jahr 2024 wiesen rund 9,5 Millionen Menschen in Deutschland depressive Episoden auf, während drei Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Leben eine Burnout-Diagnose erhielten.

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