Psychische Erste Hilfe: Nachfrage verdreifacht sich in Schulen
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 01:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Um bei mentalen Krisen oder psychischen Verletzungen frĂŒhzeitig UnterstĂŒtzung zu leisten, setzen verschiedene Initiativen verstĂ€rkt auf Techniken der psychischen Ersten Hilfe.
Ziel dieser Programme ist es, das Bewusstsein fĂŒr mentale Gesundheit zu schĂ€rfen und Betroffenen bereits vor der klinischen Behandlung niederschwellige Hilfe anzubieten. Aktuelle Berichte und Statistiken verdeutlichen den steigenden Bedarf an solchen prĂ€ventiven MaĂnahmen in Schulen, Betrieben und im öffentlichen Raum.
Bildungseinrichtungen im Fokus: Initiativen fĂŒr Jugendliche und LehrkrĂ€fte
Besonders im schulischen Umfeld zeigt sich ein deutlicher Zuwachs bei der Inanspruchnahme von UnterstĂŒtzungsangeboten. Das Rote Kreuz Oberösterreich verzeichnete laut einem Bericht vom September 2026 eine Nachfrage nach psychischer Erster Hilfe, die sich seit 2023 mehr als verdreifacht hat.
Im Schuljahr 2025/26 wurden in 106 Workshops bereits 2.194 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 19 Jahren erreicht. Auch die Ausbildung des Personals wurde intensiviert: Seit 2024 wurden 948 LehrkrĂ€fte in 38 Schulungen unterwiesen, wĂ€hrend es im Vorjahr noch 222 LehrkrĂ€fte in 11 Schulungen waren. Das Konzept folgt dabei dem methodischen Ansatz âLook, Listen, Linkâ.
Ăhnliche Entwicklungen sind in anderen Regionen zu beobachten. Im Landkreis Ludwigsburg wies der Leiter der Caritas-Schulsozialarbeit darauf hin, dass jedes vierte Kind psychisch belastet sei, wobei die Bandbreite von Ăngsten bis hin zur Isolation reiche.
Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) forderte zum Weltkindertag am 20. September 2026 den Ausbau schulpsychologischer Angebote. Der Verband verwies dabei auf die COPSY-Studie sowie das Deutsche Schulbarometer 2025/26, die zunehmende Belastungen bei Kindern und Jugendlichen belegen.
In Niederösterreich wird mit dem Projekt âMoodUpâ ein Schwerpunkt auf die psychosoziale Gesundheit von 12- bis 20-JĂ€hrigen gesetzt. Die Initiative wird bis 2028 aus Mitteln der Bundesgesundheitsagentur finanziert. Ab Januar 2027 sollen Jugendgesundheitskonferenzen starten, bei denen Projekte mit bis zu 500 Euro gefördert werden.
Betriebliche Vorsorge und niederschwellige Peer-Beratung
Wer sich beruflich mit der PrĂ€vention psychischer Belastungen befasst, findet in diesem digitalen Ratgeber wichtige UnterstĂŒtzung zur rechtssicheren Dokumentation. Das kostenlose Paket bietet Sifa-Profis einsatzbereite Muster fĂŒr die GefĂ€hrdungsbeurteilung und Ăberlastungsanzeigen. Kostenlose Muster-Vorlagen fĂŒr den Arbeitsschutz herunterladen
Neben Schulen rĂŒcken auch ArbeitsplĂ€tze und öffentliche Treffpunkte in den Fokus der mentalen Gesundheitsvorsorge. Die Stadt ZĂŒrich fĂŒhrt derzeit ein Pilotprojekt zur psychologischen Mitarbeitendenberatung durch, das bis Ende 2027 lĂ€uft.
Ab dem 1. Januar 2028 ist die ĂberfĂŒhrung in ein dauerhaftes Angebot geplant, fĂŒr das der Stadtrat jĂ€hrlich 250.000 Franken beantragt. In diesem Rahmen sollen bis zu drei Sitzungen fĂŒr stĂ€dtische Angestellte kostenlos sein. Von 2023 bis 2025 gingen bereits 737 Anmeldungen aus allen Departementen ein.
In Basel setzt das Pilotprojekt âAnsprechbarâ auf das Prinzip der Peer-Beratung. Sogenannte âListenersâ â geschulte Gleichaltrige â bieten in CafĂ©s und Markthallen UnterstĂŒtzung fĂŒr 15- bis 25-JĂ€hrige an.
Ein gesundes Arbeitsklima erfordert eine frĂŒhzeitige Erkennung von Stressfaktoren und psychischen Belastungen am Arbeitsplatz. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden, wie Sie mit gezielten Sofort-Tipps rechtliche Probleme vermeiden und die psychische Gesundheit der Belegschaft fördern. 7 Sofort-Tipps fĂŒr die betriebliche GefĂ€hrdungsbeurteilung sichern
Die Jugendlichen erhalten eine zweitĂ€gige Schulung und werden vor Ort von Fachpersonen begleitet. Hintergrund dieser MaĂnahmen ist unter anderem die EinschĂ€tzung einer Psychologin der UniversitĂ€ren Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel, wonach sich fast jeder Dritte in der Schweiz oft einsam fĂŒhle.
Gezielte KrisenprÀvention und digitale Hilfsangebote
ErgĂ€nzend zu regionalen Workshops etablieren sich zunehmend digitale und langfristige PrĂ€ventionsstrukturen. In Bayern deckt das Projekt âDigital Streetworkâ seit 2021 mit 14 Mitarbeitern alle Regierungsbezirke ab.
Mit einer jĂ€hrlichen Förderung von rund 1,7 Millionen Euro wurden seit Projektbeginn mehr als 30.000 junge Menschen unterstĂŒtzt und 14.700 BeratungsgesprĂ€che gefĂŒhrt. In ĂŒber 720 FĂ€llen erfolgte eine Vermittlung an spezialisierte Fachstellen.
In WĂŒrzburg und Tirol stehen zudem Aktionstage zur SuizidprĂ€vention im Mittelpunkt. WĂ€hrend in WĂŒrzburg InfostĂ€nde von Sozialpsychiatrischen Diensten und der Telefonseelsorge ĂŒber Hilfsangebote aufklĂ€ren, setzt das Land Tirol mit einer gelben Beleuchtung öffentlicher GebĂ€ude bis zum 10. Oktober 2026 ein Zeichen fĂŒr den âYellow Septemberâ. ZusĂ€tzlich fördert Tirol Projekte zur sozialen Teilhabe von Frauen ab 60 Jahren mit bis zu 1.500 Euro, um der Vereinsamung im Alter entgegenzuwirken.
Abgerundet werden diese MaĂnahmen durch aktualisierte PrĂ€ventionskataloge, wie im Landkreis Dingolfing-Landau, wo Schulen auf 30 Angebote zu Themen wie Sucht, Mobbing und mentale Gesundheit zugreifen können. Im vergangenen Schuljahr wurden durch diese Programme rund 3.800 SchĂŒler erreicht.
