Psychische Gesundheit: 27% der Gen Z leiden unter Belastungen
Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Daten der Bundesagentur für Arbeit sowie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeichnen ein neues Bild der sogenannten Generation Z am Arbeitsmarkt. Entgegen verbreiteter Klischees über eine mangelnde Leistungsbereitschaft der zwischen 1995 und 2010 Geborenen zeigt die Statistik eine historisch hohe Erwerbsneigung. Gleichzeitig weisen Erhebungen auf eine signifikante Zunahme psychischer Belastungen in dieser Altersgruppe hin.
Historischer Höchststand bei der Erwerbsquote
Die Erwerbsquote der 20- bis 24-Jährigen ist auf 76,8 Prozent gestiegen. Laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit ist dies der höchste Stand seit 25 Jahren. Damit befinden sich mehr als drei Viertel dieser Alterskohorte entweder in einem Beschäftigungsverhältnis oder sind aktiv auf der Suche nach einer Tätigkeit.
Analysen des IAB verdeutlichen die Dynamik dieser Entwicklung. Im Zeitraum von 2015 bis 2025 stieg die Erwerbsbeteiligung der 20- bis 24-Jährigen um 7,1 Prozentpunkte. Seit 2023 wurde ein Zuwachs von 0,9 Prozentpunkten verzeichnet. Im Vergleich dazu fiel der Anstieg bei den 25- bis 64-Jährigen im selben Zehnjahreszeitraum mit 3,1 Prozentpunkten deutlich geringer aus; zwischen 2023 und 2025 betrug das Plus in dieser Gruppe lediglich 0,4 Prozentpunkte.
Widerlegung gängiger Arbeitsmarkt-Klischees
IAB-Forscher Enzo Weber verwies darauf, dass die Daten das Klischee der arbeitsunwilligen Generation Z nicht stützen. Die Erwerbsbeteiligung sei so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr, und auch die tatsächlichen Arbeitszeiten ähnelten denen älterer Arbeitnehmer. Zudem lasse sich keine überdurchschnittlich hohe Frequenz bei Jobwechseln feststellen. Weber konstatierte, dass sich zwar die Erwartungen an gute Arbeitsbedingungen verändert hätten, nicht jedoch die grundsätzliche Bereitschaft zur Arbeit.
Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend bei Studierenden im Alter von 20 bis 24 Jahren. Deren Erwerbsquote stieg zwischen 2015 und 2023 um über 19 Prozentpunkte auf nunmehr 56 Prozent. Studien wie „Jugend in Deutschland 2026“ bestätigen eine grundsätzlich hohe Leistungsbereitschaft, dokumentieren jedoch gleichzeitig wachsende Zweifel unter Jugendlichen, ob sich individuelle Leistung angesichts wirtschaftlicher Rahmenbedingungen künftig noch auszahlt.
Die gute Nachricht: Die Generation Z ist so arbeitswillig wie seit Jahrzehnten nicht. Doch parallel steigt die psychische Belastung – 27 Prozent der 15- bis 21-Jährigen bewerten ihre psychische Gesundheit nur als mittelmäßig oder schlecht. Wie erkennen Sie Frühwarnzeichen bei Ihrem Kind und was hilft wirklich? Dieser Leitfaden liefert eine Checkliste und 5 einfache Übungen für den Alltag. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Wachsende gesundheitliche Herausforderungen
Parallel zur hohen Arbeitsmarktintegration nehmen Berichte über psychische Belastungen zu. Laut Erhebungen der APA bewerten 27 Prozent der Angehörigen der Generation Z im Alter von 15 bis 21 Jahren ihre psychische Gesundheit lediglich als mittelmäßig oder schlecht. Zum Vergleich liegt dieser Wert bei den Millennials bei 15 Prozent und bei der Generation X bei 13 Prozent. Rund 37 Prozent der jüngeren Generation haben bereits professionelle psychologische Behandlung in Anspruch genommen.
Daten aus Nordrhein-Westfalen für das Jahr 2025 zeigen, dass sich jedes vierte Kind psychisch belastet fühlt – im Vorjahr war es noch jedes fünfte. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in spezifischen Krankheitsbildern wider. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) haben sich stationäre Behandlungen wegen Essstörungen bei Mädchen im Alter von 10 bis 17 Jahren zwischen 2004 und 2024 auf 6.000 Fälle verdoppelt. Die häufigste Diagnose war dabei Magersucht mit 9.000 Fällen im Gesamtkollektiv des Jahres 2024.
Regionale Unterschiede und wirtschaftliches Umfeld
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Die Situation junger Menschen variiert regional stark. Der BILD-Jugendscore identifizierte Bremen mit einem Jugendanteil von 11,1 Prozent als bundesweite Spitze in der demografischen Vitalität, während Sachsen aufgrund einer niedrigen Geburtenrate von 1,16 am unteren Ende rangiert.
In Österreich berichtete die AK Salzburg für das Jahr 2025 von einer gestiegenen Jugendarbeitslosigkeit (plus 7,8 Prozent), während die Zahl der Lehrlinge um 3,52 Prozent sank. In Umfragen gaben 38 Prozent der Jugendlichen in dieser Region an, sich mehrmals wöchentlich erschöpft zu fühlen. Trotz dieser Belastungen bleibt das gesellschaftliche Engagement hoch: Der Schweizer Jugend- und Demokratiemonitor 2025 verzeichnete das höchste politische Interesse der 15- bis 25-Jährigen seit über einem Jahrzehnt.
