Psychische, Gesundheit

Psychische Gesundheit: 88% der LehrkrĂ€fte sehen Probleme bei SchĂŒlern

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 15:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die OECD meldet fĂŒr Deutschland sinkende PISA-Werte in allen drei Bereichen. Soziale Herkunft und psychische Belastungen prĂ€gen den Bildungserfolg.

PISA 2025: Deutschlands Jugendliche erreichen neue Tiefstwerte
Ein leerer, sonnendurchfluteter Klassenraum mit leeren SchulbÀnken in einer ruhigen, minimalistischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die im September 2026 veröffentlichten Ergebnisse der PISA-Studie 2025 dokumentieren einen historischen Tiefstand der Bildungskompetenzen bei 15-JÀhrigen in Deutschland.

Die am 8. September 2026 vorgelegten Daten der OECD zeigen, dass die Leistungen in den Kernbereichen Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik deutlich unter die Werte der vorangegangenen Erhebung aus dem Jahr 2022 gefallen sind. Gleichzeitig rĂŒcken Experten und LehrkrĂ€fte die psychische Gesundheit der Lernenden als zentralen Faktor fĂŒr den Bildungserfolg in den Fokus.

Historischer RĂŒckgang der Kompetenzwerte

In der aktuellen Erhebung erreichten deutsche Jugendliche in den Naturwissenschaften 486 Punkte, im Bereich Lesen 465 Punkte und in der Mathematik 464 Punkte. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 lagen diese Werte noch bei 492, 480 beziehungsweise 475 Punkten.

Die aktuellen Ergebnisse markieren damit die niedrigsten jemals gemessenen Kompetenzwerte fĂŒr Deutschland seit dem Start der PISA-Studien. Besonders besorgniserregend bewerten Beobachter den Anteil der Jugendlichen ohne Basiskompetenzen: Ein Drittel der 15-JĂ€hrigen erreicht das Mindestniveau in Lesen und Mathematik nicht, in den Naturwissenschaften betrifft dies ein Viertel der SchĂŒler.

Dieser Trend spiegelt sich teilweise im gesamten OECD-Raum wider. Seit 2015 sanken die Ergebnisse im Durchschnitt der 91 getesteten LĂ€nder um 22 Punkte in Mathematik und 28 Punkte im Lesen.

Weltweit gelten mittlerweile 20 % der 15-JĂ€hrigen in allen drei Testbereichen als leistungsschwach, was eine Steigerung gegenĂŒber den 16 % aus dem Jahr 2022 darstellt. Deutschland liegt zwar weiterhin im OECD-Durchschnitt, weist jedoch einen besonders ausgeprĂ€gten Negativtrend auf.

Soziale Herkunft und systemische Herausforderungen

Ein Kernbefund der Untersuchung vom 8. September 2026 ist die anhaltende AbhĂ€ngigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft. In Deutschland prĂ€gt der familiĂ€re Hintergrund den Erfolg dreimal stĂ€rker als beispielsweise in Kanada. Laut Analysen der PĂ€dagogischen Hochschule Heidelberg sind die Kompetenzunterschiede zwischen sozial benachteiligten und privilegierten SchĂŒlern heute grĂ¶ĂŸer als noch im Jahr 2000.

Anzeige

Die PISA-Ergebnisse sind alarmierend: Ein Drittel der 15-JĂ€hrigen erreicht nicht mal das Mindestniveau in Lesen und Mathe – und 88% der LehrkrĂ€fte beobachten zunehmende psychische Probleme. Erfahren Sie in unserem kostenlosen Leitfaden, wie Sie Warnsignale frĂŒh erkennen und Ihr Kind konkret fördern können. Jetzt kostenlosen Eltern-Leitfaden anfordern

Angesichts dieser Entwicklung fordern Bildungsexperten grundlegende Reformen. Silke MĂŒller plĂ€diert fĂŒr eine strukturelle Revolution des Systems, die unter anderem einen Staatsvertrag fĂŒr Bildung, verpflichtende Fortbildungen und eine verstĂ€rkte Medienbildung ab der ersten Klasse umfasst.

Professor Carsten Rohlfs von der PH Heidelberg betont die Notwendigkeit, den Fokus stÀrker auf soziale Gerechtigkeit und individuelle Förderung zu legen, statt die Anzahl der Tests zu erhöhen oder LehrplÀne weiter zu verdichten.

Von politischer Seite, etwa durch die rheinland-pfĂ€lzische Bildungsministerin Ute Eiling-HĂŒtig, werden zudem Maßnahmen wie ein Handyverbot an Schulen sowie eine intensivierte frĂŒhkindliche Sprachförderung ins GesprĂ€ch gebracht.

Psychische Gesundheit als SchlĂŒsselfaktor

Neben den rein akademischen Leistungen rĂŒckt der psychosoziale Zustand der SchĂŒlerschaft in den Vordergrund. Lehrer wie Jotam Felmy weisen darauf hin, dass die mentale Gesundheit eine entscheidende Voraussetzung fĂŒr schulische Leistungen darstellt.

Eine nicht reprĂ€sentative Umfrage unter 1.700 LehrkrĂ€ften in Hessen stĂŒtzt diese EinschĂ€tzung: 88 % der Befragten nehmen zunehmende psychische Probleme bei ihren SchĂŒlern wahr. Zudem berichten ĂŒber 30 % von einer Zunahme der Gewalt an Schulen, wĂ€hrend 38 % den vorherrschenden Personalmangel als massives Hindernis beklagen.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, starteten im September 2026 verschiedene PrĂ€ventionsinitiativen. Das WĂŒrzburger Programm „DUDE 2.0“ wird an 96 Schulen in vier BundeslĂ€ndern eingesetzt, um gegen nicht-suizidale Selbstverletzung vorzugehen.

Anzeige

Psychische Probleme bei SchĂŒlern nehmen drastisch zu – das zeigt eine Umfrage unter 1.700 LehrkrĂ€ften. Unser Leitfaden hilft Ihnen, die Anzeichen zu verstehen und richtig zu handeln, bevor es zur Krise kommt. Leitfaden zur psychischen Gesundheit jetzt sichern

Hintergrund sind Studienergebnisse, nach denen 3,5 % von 877 befragten ZwölfjĂ€hrigen bereits einen Suizidversuch unternommen haben. ErgĂ€nzend bietet das UniversitĂ€tsklinikum WĂŒrzburg (UKW) Ersthelferkurse fĂŒr mentale Gesundheit an, um LehrkrĂ€fte und Laien im Umgang mit psychischen Krisen zu schulen.

Auch die Hochschullandschaft reagiert auf den Bedarf an FachkrĂ€ften in diesem Bereich. Die Hochschule Coburg fĂŒhrt zum Wintersemester 2026/27 neue StudiengĂ€nge fĂŒr Gesundheitsförderung und Angewandte Gesundheitswissenschaften ein. Parallel dazu bietet Neuro-Vitality ab Januar 2027 eine umfassende Hybridfortbildung fĂŒr pĂ€dagogisches und therapeutisches Fachpersonal an, um interprofessionelles Wissen zu Lern- und Entwicklungsfragen zu vermitteln.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70075906 |