Psychische, Gesundheit

Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz: EU-Kampagne startet fĂŒr 2026 bis 2028

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die EU-OSHA und die EuropÀische Kommission setzen auf PrÀvention, um psychische Belastungen im Arbeitsumfeld zu verringern.
Ein heller, leerer BĂŒroarbeitsplatz mit moderner, minimalistischer Einrichtung und einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Psychosoziale Risiken am Arbeitsplatz gewinnen in der europĂ€ischen Arbeitsmarktpolitik zunehmend an Bedeutung. Am 13. Oktober 2026 startete die EuropĂ€ische Agentur fĂŒr Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) gemeinsam mit der EuropĂ€ischen Kommission in BrĂŒssel die dreijĂ€hrige Kampagne „Healthy Workplaces 2026–2028: Together for Mental Health at Work“.

Die Initiative zielt darauf ab, die psychische Gesundheit der BeschĂ€ftigten zu fördern, die betriebliche PrĂ€vention zu stĂ€rken und praktische Lösungen fĂŒr Unternehmen bereitzustellen. Arbeitgeber sollen gezielt dabei unterstĂŒtzt werden, psychosoziale Belastungen frĂŒhzeitig zu bewerten und ihnen aktiv entgegenzuwirken.

Hohe Belastung und Milliardenkosten fĂŒr die Wirtschaft

Die Notwendigkeit strukturierter Maßnahmen belegen aktuelle statistische Erhebungen. Laut Daten von Eurostat sind 45 Prozent der BeschĂ€ftigten in der EuropĂ€ischen Union Risiken fĂŒr ihr mentales Wohlbefinden ausgesetzt.

Die Erhebung „OSH Pulse 2025“ der EU-OSHA zeigt zudem, dass 29 Prozent der Arbeitnehmer arbeitsbedingten Stress, AngstzustĂ€nde oder Depressionen angeben; 37 Prozent berichten von allgemeiner Erschöpfung.

Als wesentliche Ursachen im Arbeitsalltag nennen 44 Prozent starken Zeitdruck oder ArbeitsĂŒberlastung, 34 Prozent fehlende Anerkennung, 29 Prozent unzureichende Kommunikation sowie 17 Prozent mangelnde Autonomie. Gleichzeitig geben lediglich 45 Prozent der BeschĂ€ftigten an, vom Management ĂŒberhaupt zu belastenden Faktoren befragt zu werden.

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Die wirtschaftlichen Folgen dieser Entwicklung sind erheblich. Eine Analyse des EuropĂ€ischen Gewerkschaftsinstituts (ETUI) bezifferte die jĂ€hrlichen Kosten arbeitsbedingter Depressionen in der EU auf ĂŒber 100 Milliarden Euro, verursacht durch Fehlzeiten, ProduktivitĂ€tsausfĂ€lle sowie Belastungen der Gesundheits- und Sozialsysteme.

Den Berechnungen zufolge gehen 23 Prozent der DepressionsfĂ€lle in Europa auf psychosoziale Risiken im Beruf zurĂŒck. Roxana MĂźnzatu von der EuropĂ€ischen Kommission verwies darauf, dass gesunde Arbeitsumgebungen Krankmeldungen sowie Personalfluktuation senken, die LeistungsfĂ€higkeit steigern und Gesundheitssysteme entlasten.

FĂŒnf Schwerpunkte und der Grundsatz der PrimĂ€rprĂ€vention

Die Kampagne setzt auf five inhaltliche PrioritĂ€ten: die Bewertung und Steuerung von Risiken, Maßnahmen gegen BelĂ€stigung, sexuelle BelĂ€stigung und Gewalt, die VerknĂŒpfung physischer Risiken mit der psychischen Gesundheit, die spezifische Situation im Gesundheits- und Sozialsektor sowie die generelle UnterstĂŒtzung betroffener Arbeitnehmer einschließlich ihrer Wiedereingliederung.

EU-OSHA-Direktor William Cockburn erlĂ€uterte, dass Belastungsfaktoren wie lange Arbeitszeiten, hohe ArbeitsintensitĂ€t, emotional fordernde Aufgaben und angespannte Beziehungen im Extremfall bis hin zu EinschĂŒchterung oder Gewalt reichen können. Als wesentliches Hindernis fĂŒr eine Besserung gilt nach wie vor mangelnde Offenheit im Betrieb.

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FĂŒr das Jahr 2026 plant die EU keine neuen gesetzlichen Vorgaben; die Kampagne baut auf dem bestehenden Regelwerk auf. Verfolgt wird das Prinzip „prevention first“: ZunĂ€chst mĂŒssen die Ursachen im Arbeitsumfeld behoben werden, bevor individuelle WohlfĂŒhlangebote greifen.

Esther Lynch vom EuropĂ€ischen Gewerkschaftsbund (ETUC) unterstrich hierbei, dass die Verantwortung fĂŒr die PrĂ€vention, analog zu physischen Schutzmaßnahmen, primĂ€r bei den Arbeitgebern liegen mĂŒsse.

Einbindung von Praxispartnern und Berufsgruppen

Um die Umsetzung zu begleiten, bindet die Kampagne europÀische PartnerverbÀnde ein. Der europÀische Dachverband der PsychologenverbÀnde (EFPA) analysiert insbesondere die Auswirkungen der Digitalisierung und fordert unter anderem menschenzentrierte Technologien sowie transparente Prozesse.

Die Polizeigewerkschaft EuroCOP engagiert sich als Kampagnenpartner, um auf die speziellen Belastungen von EinsatzkrĂ€ften durch traumatische Erlebnisse und Schichtarbeit aufmerksam zu machen und Vorurteile gegenĂŒber Hilfsangeboten abzubauen.

Zudem markiert die EuropĂ€ische Woche fĂŒr Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit vom 19. bis 24. Oktober 2026 einen weiteren Schwerpunkt der europaweiten AufklĂ€rungsarbeit.

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