Psychische Gesundheit an Schulen: Jedes fünfte Kind betroffen, LSV fordert Hilfe
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen rückt angesichts anhaltend hoher Belastungen verstärkt in den Fokus der Bildungspolitik. Anlässlich des Mental Health Awareness Day fordert die Landesschüler*innenvertretung (LSV) Rheinland-Pfalz einen deutlichen Ausbau der Unterstützungsstrukturen an Schulen.
Neben flächendeckend mehr Schulpsychologinnen und Schulsozialarbeitern verlangt die Organisation verpflichtende Schulungen zur Früherkennung für Lehrkräfte, erweiterte Präventionsangebote sowie eine Reduzierung des schulischen Notendrucks.
Hohe Belastungswerte unter Jugendlichen
Die Forderungen der Schülervertretung stützen sich auf Erkenntnisse zur allgemeinen Belastungssituation. Nach Daten des aktuellen Deutschen Schulbarometers der Robert Bosch Stiftung gilt rund ein Viertel der Schülerinnen und Schüler als psychisch hoch belastet.
Zahlen des Bundesfamilienministeriums verdeutlichen die Dimension der Problematik: Demnach ist etwa jedes fünfte Kind und jeder fünfte Jugendliche in Deutschland von einer psychischen Erkrankung betroffen.
Fachleute weisen darauf hin, dass diese Entwicklung nicht erst in den vergangenen Jahren begann. Laut dem Experten Christoph Neumann waren bereits vor der Pandemie rund 20 Prozent der Jugendlichen im Pubertätsalter von psychischen Störungen betroffen, wobei die Pandemie die Situation weiter verschärft habe.
Ergänzend zeigt die HBSC-Erhebung aus dem Erhebungszeitraum 2021/22, dass sich unter den 11- bis 17-Jährigen jedes fünfte Mädchen und etwa jeder zehnte Junge meistens oder immer einsam fühlt.
Forderung nach Reform der Leistungsbewertung
Vor diesem Hintergrund fordert die LSV Rheinland-Pfalz neben zusätzlichen Beratungs- und Betreuungsressourcen auch eine grundlegende Neuausrichtung der Leistungsbewertung an Schulen. Der bestehende Leistungsdruck wirke sich für viele Heranwachsende zusätzlich belastend aus. Verbindliche Schulungen für das Lehrpersonal sollen zudem sicherstellen, dass Anzeichen seelischer Krisen frühzeitig wahrgenommen und fachgerecht begleitet werden können.
Rund jedes fünfte Kind und jeder fünfte Jugendliche in Deutschland ist von einer psychischen Erkrankung betroffen — und viele Warnsignale bleiben im Schulalltag unbemerkt. Dieser kostenlose Leitfaden hilft Eltern und Lehrkräften, erste Anzeichen früh zu erkennen und ins Gespräch zu kommen, bevor aus Belastung eine Krise wird. Kostenlosen Leitfaden für Eltern und Lehrkräfte sichern
Regionale Ansätze und Präventionsprogramme
Parallel zu den bildungspolitischen Debatten erproben Kommunen und Initiativen unterschiedliche Konzepte zur Stärkung der psychischen Gesundheit im schulischen Umfeld. Das Gesundheitsamt Dortmund stellte zum Welttag der psychischen Gesundheit das Programm „Verrückt?
Na und!“ vor. Das fünfstündige Projektformat richtet sich an 14- bis 25-Jährige und wird von fachlichen sowie persönlichen Expertinnen und Experten geleitet, um Krisenbewältigung zu vermitteln und Vorurteile abzubauen. Zudem wurde das dortige Psychosoziale Adressbuch für regionale Hilfen, das seit über 30 Jahren besteht, als mobiles Online-Portal bereitgestellt.
Im Landkreis Haßberge organisierten das Gesundheitsamt, die Gesundheitsregionplus und drei Schulen Theateraufführungen zur Aufklärung. Drittklässler sahen das Stück „Plexi aus dem All“ zu Ausgrenzung und Mobbing, während ältere Jugendliche Aufführungen über Suchtmittel und Abhängigkeit besuchten. Verantwortlich für diese Inszenierungen ist der Verein ueTheater, der solche Präventionsformate seit 2008 an Schulen umsetzt.
Auch im außerschulischen Umfeld greifen Qualifizierungsprogramme ähnliche Themen auf. Die Organisation Tomoni entwickelte gemeinsam mit Eintracht Frankfurt ein Online-Format für Sporttrainerinnen und -trainer, um Warnzeichen zu erkennen und Unterstützung zu vermitteln. Eine Befragung im Verein hatte zuvor ergeben, dass mehr als die Hälfte von 90 Trainerinnen und Trainern bereits mit psychischen Belastungen junger Menschen konfrontiert war.
Der schulische Notendruck belastet viele Heranwachsende zusätzlich — doch wie unterscheidet man normalen Prüfungsstress von ernster Überforderung? Der Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Gespräche führen, die Kinder wirklich öffnen, und welche regionalen Hilfsangebote Sie direkt weiterleiten können. Gesprächsleitfaden jetzt herunterladen
Digitale Informationsangebote als Ergänzung
Neben Vor-Ort-Maßnahmen entstehen neue Informationsdienste. Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG) startete mit info-psyche.org eine öffentlich zugängliche Plattform mit Inhalten zu Prävention und Hilfsangeboten. Als erster Themenschwerpunkt werden die Auswirkungen von Internet- und Social-Media-Nutzung auf Stress, Schlaf, Angst und Depressionen behandelt, um Betroffenen und Angehörigen Orientierung zu bieten.

