Psychische, Krisen

Psychische Krisen im Job: Fehlzeiten dauern im Schnitt mehr als 36 Tage

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 03:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Schulungen, Beratungsangebote und Schulprojekte vermitteln Strategien für psychische Belastungen und den Umgang mit Notlagen.

Psychische Krisen: Betriebe und Kommunen stärken die Widerstandskraft
Ein ruhiger, minimalistischer Raum mit einem leeren ergonomischen Stuhl vor einem Fenster, durch das sanftes Tageslicht fällt. Illustration mit AI erstellt.

Unvorhersehbare Ausnahmesituationen, gesellschaftliche Krisen und beruflicher Druck stellen das psychische Wohlbefinden vor erhebliche Herausforderungen.

Um diesen Belastungen proaktiv zu begegnen, vermitteln Bildungsangebote, Träger der Katastrophenvorsorge und arbeitsmedizinische Organisationen verstärkt Techniken zum Selbstschutz und zur Stärkung der inneren Widerstandskraft. Die Ansätze reichen von praktischen Notfallschulungen bis hin zu präventiven Konzepten am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen.

Betriebliche Ansätze und Erste Hilfe für die Psyche

Ein zentrales Handlungsfeld liegt im Arbeitsumfeld, da seelische Belastungen erhebliche Ausfallzeiten verursachen. Das Beratungsunternehmen IBG aus Wien weist darauf hin, dass psychisch bedingte Fehlzeiten im Schnitt mehr als 36 Tage pro Fall dauern, bei Langzeitständen sogar rund 68 Tage.

Die Organisation fordert deshalb Schulungen für Beschäftigte und Führungskräfte, um mentale Krisen analog zu körperlichen Verletzungen zu behandeln. Als Leitlinien dienen dabei die Formeln der drei Ls – Hinsehen, Zuhören, Verbinden (Look, Listen, Link) – sowie das SOS-Prinzip, das auf Sicherheit, Orientierung und Stabilisierung abzielt.

Ergänzend bieten Programme wie das Hilfswerk-Angebot Keep Balance für mehr als 70 Unternehmen in Österreich psychosoziale Beratungsleistungen an, um Belastungen durch familiäre Pflege oder beruflichen Stress abzufedern.

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Auch in Deutschland rückt die gesundheitsgerechte Arbeitsgestaltung in den Fokus. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) betont im Rahmen der Aktionswoche der Seelischen Gesundheit vom 10. bis 20. Oktober 2026 die Notwendigkeit klarer Zuständigkeiten, eindeutiger Kommunikationswege und verlässlicher Pausenregelungen.

DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Stephan Fasshauer hob hervor, dass Betriebe bei diesen Anpassungen nicht bei null anfangen müssten, sondern auf bewährte Praxisbeispiele im Online-Angebot Erfahrungsschatz Arbeitsgestaltung zurückgreifen könnten.

Selbstschutz und praktische Schulungen für die Bevölkerung

Neben dem betrieblichen Umfeld gewinnen Schulungen für Bürger an Bedeutung. Das DRK-Bildungszentrum Nuthetal bietet in Brandenburg vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe geförderte, kostenfreie Erste-Hilfe-Kurse mit Selbstschutzinhalten an.

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In den sechsstündigen Schulungen, die am 18. September 2026 starteten und am 11. Dezember 2026 fortgesetzt werden, lernen Teilnehmende die praxisnahe Erstversorgung in Ausnahmesituationen. Ähnliche Seminare zum krisenbezogenen Selbstschutz finden sich auch im Programm kommunaler Einrichtungen wie der Volkshochschule Ludwigshafen.

Dass bei der Vorbereitung auf Notlagen weiterhin Nachholbedarf besteht, zeigen Daten des Branchenverbands Bitkom. Demnach halten zwar gut 80 Prozent der Bürger und Unternehmen schwerwiegende Krisen infolge hybrider Bedrohungen für wahrscheinlich, doch nur 15 Prozent der Bevölkerung fühlen sich darauf vorbereitet.

Zu Jahresbeginn verfügten zudem lediglich 28 Prozent der Unternehmen über ein geregeltes Notfallmanagement. Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst betonte dazu, dass Krisenfestigkeit bereits im Vorfeld aufgebaut werden müsse.

Lebenskompetenzen an Schulen und Kommunen

Präventive Maßnahmen setzen zunehmend früh an, um die Resilienz schon bei jungen Generationen zu festigen. In Niederösterreich erhalten ausgewählte Bildungseinrichtungen, darunter die Schule in Wölbling, spezielle Förderpakete der Fachstelle für Prävention, um seelische Gesundheit im Schulalltag zu verankern.

In Hessen bündelt das Projekt „Brain-Storm“ in Karben kostenfreie Workshops und Elternabende zur Stärkung der psychischen Widerstandskraft bei Kindern und Jugendlichen. Ziel dieser breit gefächerten Initiativen ist es, Betroffene frühzeitig zu stabilisieren und Bewältigungsstrategien für unvorhersehbare Belastungen fest im Alltag zu etablieren.

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