Psychotherapie: Budgetdeckel bedroht 30 Prozent der TherapieplÀtze
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 14:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das am 10. Juli beschlossene GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz entlastet die Krankenkassen um 18,8 Milliarden Euro. Doch die Rechnung zahlen andere: KliniktrĂ€ger, Ărzte und Therapeuten warnen vor massiven VersorgungslĂŒcken. Patienten mĂŒssen zudem tiefer in die Tasche greifen.
Landkreise zittern um ihre Kliniken
Die Krankenhauslandschaft trifft das Sparpaket mit voller HĂ€rte. Bayerische LandrĂ€te rechnen mit zusĂ€tzlichen Defiziten zwischen 950 Millionen und 1,4 Milliarden Euro fĂŒr ihre Kliniken. Die Kommunen mĂŒssen diese Löcher stopfen â und das bei ohnehin knappen Kassen.
Ein Beispiel: FĂŒr das Klinikum Ebersberg steigt das Defizit von 10 auf 14 Millionen Euro. Hinzu kommt: Ab 2027 werden Tariferhöhungen nicht mehr vollstĂ€ndig refinanziert. Der Wegfall von Inflationsausgleichen und neue Kostendeckel drohen den TrĂ€gern Erlösverluste von bis zu acht Prozent. Branchenvertreter fordern daher einen planvollen Umbau der Klinikstrukturen und weniger BĂŒrokratie.
Psychotherapie: Budgetdeckel kehrt zurĂŒck
Besonders brisant: Die WiedereinfĂŒhrung der Budgetierung in der Psychotherapie. Rund 70 Prozent der Therapeuten arbeiten mit einem halben Kassensitz â und die neuen Vorgaben treffen sie hart.
Die Rechnung ist einfach: Um die Budgets einzuhalten, mĂŒssten viele ihre wöchentlichen Behandlungsstunden von 25 auf 18 reduzieren. Die Folge: Bis zu 30 Prozent der TherapieplĂ€tze könnten wegfallen. FĂŒr Patienten mit ohnehin langen Wartezeiten wĂ€re das eine Katastrophe. Bereits fĂŒr September sind Nachverhandlungen gefordert.
Erste Praxen schlieĂen â Patienten bleiben auf der Strecke
Das neue GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz bedroht bis zu 30 Prozent der TherapieplĂ€tze. Viele Therapeuten mĂŒssen ihre Stunden drastisch reduzieren â erste Praxen schlieĂen bereits. Erfahren Sie in unserem kostenlosen Ratgeber, wie Sie Ihren Platz sichern und bei Ablehnung Widerspruch einlegen. Jetzt Ratgeber anfordern
Der wirtschaftliche Druck zeigt schon konkrete Folgen. Im westfÀlischen Kreuztal verliert eine GynÀkologin zum 30. September ihren Job am Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ). Rund 4.000 Patientinnen stehen ohne Facharzt da. Auch das MVZ Kaan-Marienborn stellt Ende September den Betrieb ein. Grund: wirtschaftliche Schwierigkeiten.
Im Saarland wirken verschĂ€rfte Mindestmengen-Regelungen. Kliniken verlieren dort die Zulassung fĂŒr Brustkrebs- oder Lungenkrebs-Operationen, wenn sie die Fallzahlen nicht erreichen. Ziel ist mehr QualitĂ€t durch Spezialisierung â aber auch weniger Anbieter.
Versicherte zahlen drauf
Die Reform trifft die gesetzlich Versicherten direkt im Geldbeutel. Die Zuzahlungen fĂŒr Medikamente steigen von 5 bis 10 Euro auf 7,50 bis 15 Euro. Der Festzuschuss fĂŒr Zahnersatz sinkt von 60 auf 50 Prozent. Homöopathie-Leistungen wurden komplett gestrichen.
Weitere Ănderungen kommen auf die Versicherten zu:
Lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz drohen sich dramatisch zu verschĂ€rfen. Denn die RĂŒckkehr der Budgetierung zwingt 70 Prozent der Praxen zu weniger Behandlungsstunden. Unser Ratgeber zeigt Ihnen, welche Rechte Sie haben und wie Sie auch bei EngpĂ€ssen einen Platz finden. Schutz vor Wartezeiten â Ratgeber sichern
- Pflegereform: Ab 2027 soll der Entlastungsbetrag durch ein neues Entlastungsbudget ersetzt werden. In Pflegegrad 1 entfÀllt er komplett.
- Familienversicherung: Ab 2028 wird fĂŒr bestimmte Partner ein Beitragszuschlag von 2,5 Prozent fĂ€llig.
- Teilkrankschreibung: Ein neues Instrument soll den Ăbergang in die ArbeitsfĂ€higkeit flexibler machen.
Die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung kritisiert zudem PlĂ€ne, die Patientensteuerung ĂŒber Kassen-Apps abzuwickeln. Statt eines Wirrwarrs verschiedener Anwendungen fordert sie eine zentrale digitale Plattform zur ErsteinschĂ€tzung.
