Pterostilben, Pflanzenstoff

Pterostilben: Pflanzenstoff bremst Fetteinlagerung in Muskeln

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 14:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie der Shinshu University zeigt in MĂ€use-Muskelzellen einen möglichen Fettabbau durch Pterostilben, betont aber offene Fragen zur Übertragbarkeit.

Pterostilben zeigt in Muskelzellen Potenzial gegen Fetteinlagerung
Frische Blaubeeren und Weintrauben liegen auf einem dunklen Steinhintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Eine ĂŒbermĂ€ĂŸige Fetteinlagerung in das Muskelgewebe stellt ein wachsendes Problem fĂŒr die Stoffwechselgesundheit dar. Eine Studie der japanischen Shinshu University unter Leitung von Associate Professor Takakazu Mitani liefert nun neue Einblicke in molekulare Mechanismen, mit denen pflanzliche Substanzen diesem Prozess entgegenwirken könnten.

Die am 1. September 2026 im internationalen Fachjournal Food Bioscience (Band 83) veröffentlichte Untersuchung analysiert die Wirkung von Pterostilben, einem Antioxidans, das natĂŒrlicherweise unter anderem in Blaubeeren und Weintrauben vorkommt.

Stabilisierung von Proteinen fördert Fettabbau

Im Rahmen der Arbeit untersuchte das Forschungsteam der Shinshu University verschiedene Phytochemikalien aus Nahrungspflanzen. Dabei identifizierten die Wissenschaftler Pterostilben als die wirksamste Substanz zur Reduktion von Fettansammlungen.

In Experimenten mit kultivierten C2C12-Muskelzellen von MÀusen verringerte das Antioxidans die zellulÀre Fettansammlung signifikant. Bemerkenswert war hierbei, dass die Aufnahme von FettsÀuren in die Zellen durch den Stoff nicht gebremst wurde.

Stattdessen wiesen die Forscher erstmals den konkreten Wirkmechanismus auf die Muskulatur nach: Pterostilben stabilisiert das Protein PPAR?, indem es dessen Ubiquitin-abhÀngigen Abbau im Proteasom hemmt.

Anzeige

Wer seine Muskulatur vor Verfettung schĂŒtzen und aktiv gegen Muskelschwund vorgehen möchte, findet in diesem Ratgeber 6 effektive Übungen fĂŒr zuhause. Kostenlosen Krafttrainings-Ratgeber jetzt herunterladen

Durch diesen Schutz vor dem vorzeitigen Abbau werden nachgelagerte Gene aktiviert, die den Fettabbau gezielt fördern. Ein wichtiger Nebenbefund der Arbeitsgruppe war zudem, dass der regulÀre Differenzierungsprozess der Muskelzellen durch die Behandlung mit Pterostilben nicht beeintrÀchtigt wurde.

Relevanz fĂŒr Sarkopenie und metabolisches Syndrom

Die Erforschung von Wegen gegen die sogenannte Myosteatosis – die Fetteinlagerung in den Muskel – besitzt hohe klinische Relevanz. Dieser Zustand steht in engem Zusammenhang mit altersbedingtem Muskelschwund (Sarkopenie), Insulinresistenz sowie dem metabolischen Syndrom.

Bislang existiert fĂŒr die gezielte Behandlung dieser Muskelverfettung keine speziell zugelassene Medikation, weshalb prĂ€ventive und ernĂ€hrungsbasierte AnsĂ€tze intensiv erforscht werden.

Grenzen der Zellkultur und ernÀhrungspraktische Einordnung

Trotz der prĂ€zisen molekularen Befunde mahnen Fachleute zur ZurĂŒckhaltung hinsichtlich einer direkten Anwendung. Bisher beschrĂ€nkt sich der Wirkungsnachweis rein auf die Ebene von Zellkulturen; Effekte bei lebenden Tieren oder Menschen wurden bislang nicht nachgewiesen. Entsprechende Untersuchungen in Tiermodellen sind nach Angaben der Shinshu University jedoch geplant.

Anzeige

Ein gesunder Stoffwechsel beginnt oft mit der richtigen Vorsorge und dem VerstÀndnis der eigenen Körperwerte. Dieser kostenlose 25-Seiten-Report hilft Ihnen dabei, wichtige Laborwerte wie Cholesterin und Vitalstoffe selbst richtig zu deuten. Gratis Laborwerte-Selbstcheck anfordern

Zudem lag die im Laborexperiment eingesetzte Pterostilben-Konzentration deutlich ĂŒber jenen Mengen, die sich ĂŒber den herkömmlichen Verzehr von Blaubeeren aufnehmen lassen. Eine unmittelbare Übertragung der Ergebnisse auf die menschliche ErnĂ€hrung ist daher nicht ableitbar.

Auch externe Experten betonen diese Limitationen. Der taiwanesische Agrar- und Lebensmittelexperte Wei En stufte die Studienergebnisse zwar als vielversprechend ein, unterstrich jedoch ebenfalls, dass eine Übertragbarkeit auf den Menschen derzeit noch nicht gegeben sei.

Die ErnĂ€hrungsberaterin Joanna Katz wies zudem darauf hin, dass In-vitro-Modelle mit isolierten Zellen die enorme KomplexitĂ€t des menschlichen Stoffwechsels nicht abbilden können. ZunĂ€chst mĂŒsse in weiterfĂŒhrenden Tests geklĂ€rt werden, ob physiologisch ĂŒberhaupt wirksame Dosen des Stoffs das Muskelgewebe erreichen können.

Mit Blick auf die alltÀgliche ErnÀhrung wird Blaubeeren aufgrund ihres niedrigen Kalorien- und Zuckergehalts dennoch ein Vorteil als DiÀt-Option zugeschrieben. Bei Weintrauben, die ebenfalls Pterostilben enthalten, sei hingegen wegen des vergleichsweise hohen Zuckergehalts eine bewusste Begrenzung der Verzehrmenge ratsam.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70144321 |