Quercetin und Lungenkrebs: Studie zeigt gebremstes Zellwachstum im Labor
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 08:54 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der onkologischen Grundlagenforschung rĂŒcken pflanzliche SekundĂ€rstoffe regelmĂ€Ăig in den Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen. Eine Studie der UniversitĂ€t Erlangen-NĂŒrnberg und des UniversitĂ€tsklinikums Erlangen vom 14. September 2026 liefert neue Einblicke in die biologischen Mechanismen des Flavonoids Quercetin.
Die in der Fachzeitschrift Cell Death Discovery publizierte Arbeit (DOI 10.1038/s41420-026-03312-7) zeigt, dass dieser Naturstoff das Wachstum sowie die Ausbreitung bestimmter Lungenkrebszellen unter Laborbedingungen verlangsamen und stören kann.
Beobachtungen an Zelllinien im Labor
Im Rahmen der Laborversuche untersuchten die Forschenden der FAU die Wirkung von Quercetin auf zwei menschliche Lungenkrebs-Zelllinien: A549 (Adenokarzinom) und H520 (Plattenepithelkarzinom). Dabei verlangsamte der Stoff die Zellteilung und hemmte dosisabhÀngig die Migration der Tumorzellen. Bei der höchsten getesteten Konzentration von 100 Mikromol pro Liter kam die Zellwanderung praktisch zum Stillstand.
DarĂŒber hinaus identifizierte das Team VerĂ€nderungen auf molekularer Ebene. In den A549-Zellen reduzierten sich nach der Behandlung die Spiegel der Proteine EGFR und PD-L1, die bei Krebserkrankungen eine wesentliche Rolle fĂŒr das Zellwachstum sowie fĂŒr die Umgehung des Immunsystems spielen.
Zudem sank in einer der beiden untersuchten Zelllinien der oxidative Stress. In Lungengewebeschnitten von MĂ€usen verzeichneten die Forschenden ferner einen Anstieg des Botenstoffs Interferon-alpha-2.
Ergebnisse im Tiermodell und methodische Grenzen
Neben den Experimenten in der Zellkultur analysierte die Forschungsgruppe die Effekte einer oralen Gabe von Quercetin bei MÀusen. Dabei wurde ein verÀndertes Darmmikrobiom mit einer höheren Anzahl an Bakterien festgestellt, die kurzkettige FettsÀuren produzieren. Begleitend beobachteten die Wissenschaftler eine verÀnderte AktivitÀt der Immunzellen.
Trotz dieser Beobachtungen bleiben die Ergebnisse im Tiermodell vorlÀufig. Zwar zeigten sich bei den behandelten Tieren weniger Tumorherde, allerdings entwickelte insgesamt lediglich eine Maus pro Gruppe Tumoren.
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Die Gesamttumorlast unterschied sich nicht signifikant zwischen den Gruppen. Zudem weist die Studie methodische EinschrÀnkungen auf: Die Versuche erfolgten ohne Randomisierung und Verblindung, und die Hypothese zu den Darmbakterien wurde bislang nicht chemisch bestÀtigt.
Keine Therapiealternative und offene Fragen zur BioverfĂŒgbarkeit
Quercetin kommt natĂŒrlicherweise in verschiedenen pflanzlichen Lebensmitteln vor, unter anderem in Zwiebeln, Ăpfeln, ZitrusfrĂŒchten und Buchweizen. Aus den aktuellen Labor- und Tierbefunden lassen sich jedoch keine direkten RĂŒckschlĂŒsse auf den menschlichen Organismus ziehen.
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Die Ăbertragbarkeit auf den Menschen sowie eine mögliche Schutz- oder Heilwirkung durch quercetinhaltige Nahrung sind unklar, da Quercetin im Körper eine geringe BioverfĂŒgbarkeit aufweist.
Fachleute betonen daher, dass es keine klinischen Studien zu quercetinhaltigen Lebensmitteln oder entsprechenden NahrungsergÀnzungsmitteln bei Krebserkrankungen gibt. Eine Umstellung der ErnÀhrung oder der Verzehr spezifischer Nahrungsmittel kann eine medizinische Krebstherapie keinesfalls ersetzen.
Auch hochdosierte NahrungsergĂ€nzungsmittel werden angesichts der unzureichenden Datenlage und möglicher Risiken nicht empfohlen. Die Ergebnisse aus Erlangen stellen somit einen Ansatzpunkt fĂŒr die molekularbiologische Grundlagenforschung dar, begrĂŒnden aber vorerst keine klinische Anwendung.
