Quishing und Smishing: Digitale Betrügereien um 146 und 162% gestiegen
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 17:20 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Täter arbeiten jetzt arbeitsteilig und setzen ihre Opfer unter doppeltem Druck.
Physische Präsenz als Druckmittel
Bisher liefen Schockanrufe meist nach dem gleichen Muster ab: Ein angeblicher Polizist oder Anwalt schildert eine dramatische Notlage eines Angehörigen. Die Opfer sollen dann Geld oder Wertsachen übergeben oder überweisen.
Doch die Kriminellen verschärfen ihre Methoden. Während ein Täter am Telefon eine erfundene Notlage schildert – etwa einen schweren Unfall oder eine drohende Verhaftung –, steht zeitgleich ein Komplize vor der Haustür. Diese unmittelbare Nähe soll die Betroffenen davon abhalten, das Gespräch zu beenden oder Hilfe zu holen.
Die Polizei Bonn rät: Sofort auflegen und den Notruf 110 wählen. In Magdeburg verlor eine Seniorin durch ähnliche Tricks bereits mehrere Tausend Euro.
Internationale Dimension der Betrugsbanden
Die Professionalität dieser Gruppen zeigt sich auch grenzüberschreitend. In Japan nahmen Ermittler Mitte Juli ein mutmaßliches Mitglied einer Betrugsorganisation fest, das als sogenannter Abholer fungierte. Die als Luffy-Gruppe bekannte Bande soll insgesamt rund sechs Milliarden Yen Schaden verursacht haben. Rund 20 Frauen sollen in dem Netzwerk als Telefonbetrügerinnen gearbeitet haben.
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Auch die deutsche Justiz geht härter vor. Das Landgericht Detmold verurteilte drei Männer aus Lage zu mehrjährigen Haftstrafen. Die Beschuldigten hatten sich als Bankmitarbeiter ausgegeben und in Rheda-Wiedenbrück sowie Hamm Beute gemacht.
Digitale Betrugswege boomen
Neben der direkten Konfrontation an der Haustür verlagern Kriminelle ihre Aktivitäten zunehmend ins Digitale. Die Zahlen sind alarmierend: Im ersten Quartal 2026 stieg das sogenannte Quishing – Betrug mit manipulierten QR-Codes – um 146 Prozent. Im zweiten Quartal legte Smishing, der Betrug via SMS, um 162 Prozent zu.
Die Deutsche Telekom warnt zudem vor einer neuen Masche: Nach einem Diebstahl geben sich Täter als ehrliche Finder aus und versuchen so, an die PIN der rechtmäßigen Besitzer zu gelangen.
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Neue Ortungstechnik soll Leben retten
Die Polizei in Nordrhein-Westfalen setzt gleichzeitig auf modernste Technik zur Bekämpfung von Notlagen. In Wuppertal und Mettmann testet sie das Pilotprojekt Advanced Mobile Location (AML). Dabei wird der Standort eines Notruf-Anrufers automatisch auf wenige Meter genau übermittelt und für 60 Minuten gespeichert. Das soll im Ernstfall lebenswichtige Minuten sparen.
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