Verletzte Igel - Experten fordern Crashtests fĂŒr MĂ€hroboter
24.01.2024 - 06:09:15Der Kontakt mit den messerscharfen Klingen eines MĂ€hroboters kann fĂŒr Igel schwere Schnittverletzungen zur Folge haben oder auch tödlich enden. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts fĂŒr Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) fordern strengere Auflagen fĂŒr Hersteller. Die GerĂ€te seien mit viel Leid und Schmerz fĂŒr Igel verbunden. «Wir fordern verbindliche, europaweite Sicherheitstests, Ă€hnlich wie Crashtests fĂŒr Autos», sagte Anne Berger vom Leibniz-IZW.
Sie hat mit Kollegen 370 seit September 2022 bundesweit dokumentierte FĂ€lle von Schnittverletzungen an Igeln untersucht. Fast die HĂ€lfte der gefundenen und gemeldeten Tiere (47 Prozent) ĂŒberlebten die Verletzung nicht, sondern mussten eingeschlĂ€fert werden oder starben wĂ€hrend der Pflege.
Hohe Dunkelziffer
Das Leibniz-IZW sammelt in Zusammenarbeit mit Igel-Auffangstationen Funde von Igeln mit Schnittverletzungen, die auf elektrische GartenpflegegerĂ€te zurĂŒckzufĂŒhren sind. Die Dunkelziffer nicht gemeldeter oder gar nicht erst gefundener Tiere sei vermutlich hoch. Viele Igel litten bis zu ihrem Tod erst noch tagelang. «Solches Tierleid ist gesetzlich verboten, sofern es Alternativen gibt, die kein Tierleid verursachen», so Berger.
Igel laufen vor Gefahren nicht davon, sondern bleiben möglichst ruhig stehen, wie die Forschenden erlĂ€utern. Gerade kleine Igel seien gefĂ€hrdet. «Werden sie von den Robotern ĂŒberrollt und verletzt, suchen sie - so sie es noch können - lautlos den Schutz von Hecken und GebĂŒsch, um nicht anderen Raubtieren aufzufallen, fĂŒr die sie dann leichte Beute wĂ€ren.» Menschen bekommen von dem Leid in ihrem Garten deshalb oft gar nichts mit.
Testergebnisse auf MĂ€hrobotern
Das Team um Berger fordert, dass MĂ€hroboter fĂŒr die Kunden gut sichtbar mit Testergebnissen zur GefĂ€hrlichkeit fĂŒr Igel gekennzeichnet sein sollten. «Die KĂ€ufer können dann selbst entscheiden, ob sie die GerĂ€te kaufen, die gefĂ€hrlicher fĂŒr Igel sind», sagte Berger. Mit ihren Kollegen arbeite sie derzeit an Dummy-Igeln, die bei solchen Tests eingesetzt werden könnten.
Eine weitere Forderung der Wissenschaftler: GerĂ€te, die ausschlieĂlich tagsĂŒber fahren. «Das ist relativ einfach umzusetzen und schon damit könnte ein GroĂteil der UnfĂ€lle vermieden werden. Hier muss die Politik mehr Druck aufbauen», so die Wissenschaftlerin. Die meisten UnfĂ€lle mit Igeln ereigneten sich nachts, weil die Tiere nachtaktiv sind.
Der Bestand des Igels (Erinaceus europaeus) ist laut Leibniz-IZW rĂŒcklĂ€ufig. Im Jahr 2020 wurde er demnach auf die Vorwarnliste der Roten Liste fĂŒr Deutschland gesetzt.


