Leben, USA

Menschen mit gesundem Lebensstil leben deutlich lÀnger

25.07.2023 - 04:32:29

Raucher und OpioidabhĂ€ngige haben nach Forscherdaten eine deutlich verkĂŒrzte Lebenserwartung. Doch es gibt weitere Faktoren.

Mit einem gesunden Lebensstil können 40-jĂ€hrige MĂ€nner im Durchschnitt 23,7 Jahre lĂ€nger leben als mit einem sehr schĂ€dlichen. Bei Frauen betrĂ€gt dieser Unterschied 22,6 Jahre. Zu diesem Ergebnis kommt die Analyse einer Langzeituntersuchung von ehemaligen Angehörigen des amerikanischen MilitĂ€rs, die ein Forschungsteam auf der internationalen Konferenz «Nutrition 2023» in Boston prĂ€sentierte. Eine weitere Studie konnte zeigen, wie wichtig Informationen ĂŒber Krebsrisikofaktoren sind.

Das Team um Xuan-Mai Nguyen von der University of Illinois hatte Daten von ĂŒber 700.000 US-Veteranen im Alter von 40 bis 99 Jahren analysiert. Als gesunden Lebensstil definierte es acht Gewohnheiten: körperlich aktiv zu sein, nicht zu rauchen, gut mit Stress umgehen zu können, sich gut zu ernĂ€hren, nicht unmĂ€ĂŸig Alkohol zu trinken, gut und regelmĂ€ĂŸig zu schlafen, positive soziale Beziehungen zu pflegen und nicht von Opioid-Schmerzmitteln abhĂ€ngig zu sein. «Wir waren wirklich ĂŒberrascht, wie viel man mit der EinfĂŒhrung von einem, zwei, drei oder allen acht Lebensstilfaktoren gewinnen konnte», wird Nguyen in einer Mitteilung der American Society for Nutrition zitiert.

Stress, Alkohol und Schlafmangel als Faktoren

Als grĂ¶ĂŸte Risikofaktoren stellten sich eine geringe körperliche AktivitĂ€t, die AbhĂ€ngigkeit von Opioid-Schmerzmitteln und Rauchen heraus. Diese Faktoren waren mit einem erhöhten Sterberisiko von jeweils um 30 bis 45 Prozent wĂ€hrend des Studienzeitraums verbunden.

Bei schlechtem Umgang mit Stress, hohem Alkoholkonsum, ungesunder ErnĂ€hrung und schlechter Schlafhygiene war das Sterberisiko um jeweils rund 20 Prozent erhöht, beim Mangel an guten sozialen Kontakten um fĂŒnf Prozent. Die Mediziner stellten fest, dass ein Wechsel zu einem gesunden Lebensstil auch im gesetzten Alter noch die Lebenserwartung erhöht. «Je frĂŒher, desto besser, aber selbst, wenn Sie mit 40, 50 oder 60 nur eine kleine Änderung vornehmen, ist es immer noch von Vorteil», betont Nguyen.

Die Daten der Studie stammen vom Million Veteran Program, einem nationalen Forschungsprogramm der USA, das untersucht, wie sich Gene, Lebensstil, militĂ€rische Erfahrungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von ehemaligen MilitĂ€rangehörigen auswirken. Die Analyse von Nguyen und Kollegen berĂŒcksichtigte die Daten von 719 147 Veteranen, die in den Jahren 2011 bis 2019 erhoben wurden.

Empfehlungen zur KrebsprÀvention

Der Lebensstil spielt auch bei der Senkung des Krebsrisikos eine wichtige Rolle. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zĂ€hlen Alkohol, geringe körperliche AktivitĂ€t, ungesunde ErnĂ€hrung, Übergewicht, rotes und verarbeitetes Fleisch, zuckerhaltige GetrĂ€nke, Tabakkonsum und ultraviolette Strahlung zu den Krebsrisikofaktoren. Eine Studie der Union for International Cancer Control (UICC) ergab, dass in zehn IndustrielĂ€ndern mit hohem Einkommen im Durchschnitt ein Drittel der Befragten keine Empfehlungen zur KrebsprĂ€vention befolgt. Die untersuchten LĂ€nder waren Australien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Israel, Japan, Kanada, Schweden, Spanien und die USA.

«Es ist wichtig zu verstehen, ob Menschen nichts unternehmen, um ihr persönliches Krebsrisiko zu senken, weil sie nicht ĂŒber die Risikofaktoren Bescheid wissen, oder ob sie trotz Kenntnis der Risikofaktoren nicht handeln», sagt Pricivel Carrera vom Nationalen KrebsprĂ€ventionszentrum laut einer Mitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg.

Unterdurchschnittliches Wissen auch in Deutschland

Deshalb analysierte sie zusammen mit ihrer DKFZ-Kollegin Silvia Calderazzo die Daten der UICC-Studie im Hinblick auf den Wissensstand zu Krebsrisikofaktoren. Sie stellten fest: Wenn sich die Anzahl der Menschen, die gut ĂŒber Krebsrisikofaktoren informiert sind, um einen Prozentpunkt erhöht, steigt die Zahl an Personen, die Maßnahmen zur Verringerung ihres Risikos ergreifen, um durchschnittlich 0,169 Prozentpunkte.

Am schlechtesten waren die Menschen in Japan informiert und dort betrieben auch am wenigsten eine KrebsprĂ€vention. Doch auch in Deutschland wussten die Befragten unterdurchschnittlich ĂŒber Krebsrisikofaktoren Bescheid. «In Deutschland gelten an die 40 Prozent aller KrebsfĂ€lle als vermeidbar - durch einen gesunden Lebensstil und die Nutzung von Impfungen», sagt Carrera.

@ dpa.de