Reise-Phishing: 2.291 Angriffe pro Woche auf Hotels
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 20:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Tourismus- und Hotelbranche erlebt derzeit eine beispiellose Welle von Cyberangriffen. Gleich mehrere VorfÀlle in den vergangenen Tagen zeigen: Kriminelle haben es gezielt auf Buchungssysteme, GÀstedaten und die digitale Infrastruktur von Hotels abgesehen.
Deutscher Hotelsoftware-Anbieter gehackt
Ein bundesweit tĂ€tiger Dienstleister fĂŒr Hotelsoftware ist Opfer eines Cyberangriffs geworden. Unbekannte TĂ€ter haben sich Zugriff auf Datenbanken verschafft und persönliche Informationen von GĂ€sten gestohlen â darunter Namen, Adressen und Buchungsdetails.
Der Datenschutzbeauftragte von Mecklenburg-Vorpommern, Sebastian Schmidt, gab jedoch Entwarnung: Zahlungs- und Bankdaten seien bei diesem Vorfall nicht kompromittiert worden. Die Gefahr ist damit aber nicht gebannt. Bereits jetzt nutzen Kriminelle die gestohlenen Buchungsinformationen fĂŒr gezielte Phishing-Angriffe. Sie verschicken betrĂŒgerische Nachrichten per E-Mail oder Messenger und geben sich als Hotel oder Reiseplattform aus.
Schmidt appelliert an betroffene Hotels, ihre GÀste umgehend zu informieren. Der Vorfall ist kein Einzelfall: Bereits im Februar 2026 wurde ein anderer Branchendienstleister attackiert. Die Serie zeigt, dass Hotelsoftware zunehmend ins Visier von Hackern gerÀt.
Staatsnahe Gruppe attackiert Hotel-WLAN
Doch nicht nur die Software, auch die physische Infrastruktur der Hotels ist bedroht. Seit Juni 2026 lĂ€uft eine groĂangelegte Kampagne zur Ăbernahme von Hotel-WLAN-Gateways. Sicherheitsforscher von ReliaQuest haben die Angriffswelle identifiziert.
Die Methode ist raffiniert: Die Angreifer manipulieren die DNS-Einstellungen der Zugangspunkte und leiten GĂ€ste auf gefĂ€lschte Microsoft-Loginseiten um. Wer sich dort anmeldet, gibt seine Zugangsdaten preis. Die TĂ€ter setzen auf sogenannte âAdversary-in-the-Middleâ-Techniken â sie lauschen quasi mit und stehlen die Anmeldedaten.
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Die Angriffe zielen vor allem auf GeschĂ€ftsreisende aus den Bereichen Finanzen, Recht, Gesundheitswesen und Energie. Bislang wurden Attacken hauptsĂ€chlich in den USA, Indien und Saudi-Arabien registriert. Die Vorgehensweise erinnert an frĂŒhere Kampagnen der Hackergruppe APT28, die dem russischen MilitĂ€rgeheimdienst zugerechnet wird.
Japan: Millionen Ausweisdokumente ungeschĂŒtzt im Netz
Ein besonders schwerwiegender Vorfall ereignete sich in Japan. Das Hotel-Check-in-System Tabiq des Startups Reqrea legte ĂŒber eine Million Ausweisdokumente offen. Ein falsch konfigurierter Cloud-Speicher bei Amazon Web Services machte die Daten ohne Passwortschutz zugĂ€nglich.
Betroffen waren ReisepĂ€sse, FĂŒhrerscheine und sogar Selfies der GĂ€ste. Die Ursache: menschliches Versagen bei der Konfiguration des AWS-S3-Speichers. Ein simpler Fehler mit verheerenden Folgen.
Parallel dazu tauchte das Angel Hotel auf der Erpressungsseite der Ransomware-Gruppe âTheGentlemenâ auf. Ob die Daten tatsĂ€chlich gestohlen wurden, ist noch unklar. Die Hotelkette hat sich bislang nicht dazu geĂ€uĂert.
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Reise-Phishing zur Hochsaison: Jeder 112. Domain ist bösartig
Die aktuellen Angriffe sind Teil eines gröĂeren Trends. Sicherheitsforscher von Check Point verzeichnen einen massiven Anstieg von Attacken auf die Reisebranche. Im Mai 2026 registrierten die Experten durchschnittlich 2.291 Angriffe pro Woche auf Hotels und Reiseunternehmen â ein Anstieg von 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Besonders alarmierend: Im Mai wurden 47.318 neue Reise-Domains registriert, ein Plus von 33 Prozent gegenĂŒber April. Jede 112. dieser Adressen erwies sich als bösartig. Die BetrĂŒger geben sich als bekannte Marken wie Booking.com, Airbnb oder Skyscanner aus und locken Urlauber auf gefĂ€lschte Buchungsseiten.
Neue Schutzleitlinien fĂŒr kritische Infrastruktur
Die US-Behörde fĂŒr Cybersicherheit CISA hat gemeinsam mit internationalen Partnern reagiert. Am 29. Juli 2026 veröffentlichte sie den Leitfaden âCI Fortifyâ . Das Sechs-Punkte-Programm zeigt Unternehmen, wie sie ihre kritischen Systeme bei laufenden Angriffen isolieren und die Trennung von Betriebstechnologie und Standardnetzwerken sicherstellen können.
FĂŒr die Hotellerie bleibt die Lage angespannt. Die Angriffswelle dĂŒrfte anhalten â schlieĂlich ist die Branche mit ihren zahlreichen digitalen Schnittstellen ein besonders lohnendes Ziel.
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