Remibrutinib bei MS: Schubrate sinkt um bis zu 35,2 Prozent
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 01:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der Behandlung der schubförmigen Multiplen Sklerose liegen neue wissenschaftliche Erkenntnisse vor. Wie aus am 23. Oktober 2026 im Fachjournal The Lancet veröffentlichten Daten der Phase-III-Studien REMODEL-1 und REMODEL-2 hervorgeht, senkte der Wirkstoff Remibrutinib die annualisierte Schubrate im Vergleich zum etablierten MS-Medikament Teriflunomid signifikant.
Die unter Leitung von Prof. Dr. Heinz Wiendl vom UniversitĂ€tsklinikum Freiburg und dem Pharmaunternehmen Novartis durchgefĂŒhrten Studien wurden am selben Tag auch auf dem MS-Weltkongress in Toronto vorgestellt.
In der Studie REMODEL-1 verringerte Remibrutinib die annualisierte Schubrate gegenĂŒber Teriflunomid um 35,2 Prozent (0,073 gegenĂŒber 0,112). In REMODEL-2 lag die Reduktion bei 31,2 Prozent (0,080 gegenĂŒber 0,116).
Studiendesign und Einfluss auf MRT-Marker
Das Studienprogramm REMODEL-1 und REMODEL-2 (Register NCT05147220 und NCT05156281) umfasste insgesamt 2.007 Patientinnen und Patienten mit schubförmiger MS im Alter von 18 bis 55 Jahren, die kĂŒrzliche KrankheitsaktivitĂ€t aufwiesen. Die Teilnehmenden wurden an 407 Zentren in 46 LĂ€ndern rekrutiert.
Finanziert wurden die Untersuchungen von Novartis. Remibrutinib wurde dabei in einer Dosierung von 100 mg zweimal tÀglich in Tablettenform verabreicht und direkt gegen den aktiven Vergleichsarm Teriflunomid getestet; eine Placebogruppe gab es nicht.
Neben dem Erreichen des primĂ€ren Endpunkts zeigte Remibrutinib Ăberlegenheit bei zentralen sekundĂ€ren ZielgröĂen. Neue oder vergröĂerte T2-LĂ€sionen im MRT gingen im Vergleich zu Teriflunomid um 65 bis 70 Prozent zurĂŒck.
Bei den gadoliniumverstĂ€rkenden T1-LĂ€sionen betrug der RĂŒckgang 66 Prozent. Auch der Biomarker fĂŒr neuronale SchĂ€digungen, die Neurofilament-Leichtketten (NfL), sank unter Remibrutinib in REMODEL-1 um 9,0 Prozent und in REMODEL-2 um 7,0 Prozent.
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Behinderungsprogression und KrankheitsaktivitÀt
Die Analysen zur Progression der Behinderung ergaben Vorteile fĂŒr den PrĂŒfwirkstoff: Eine bestĂ€tigte Zunahme der Behinderung over mindestens sechs Monate (6mCDP) trat bei 7,7 Prozent der Patienten unter Remibrutinib auf, verglichen mit 10,5 Prozent unter Teriflunomid. Dies entspricht einer nominal signifikanten relativen Risikoreduktion von 29,2 Prozent.
Bei den ĂŒber mindestens drei Monate bestĂ€tigten Zunahme (3mCDP) zeigte sich eine Risikosenkung von 20,5 Prozent. Nach 24 Monaten blieben ĂŒber 92 Prozent der mit Remibrutinib behandelten Patienten frei von einer Behinderungsprogression.
Den kombinierten Endpunkt NEDA-3, der das vollstĂ€ndige Fehlen von SchĂŒben, Behinderungsprogression und MRT-AktivitĂ€t beschreibt, erreichten in gepoolten Daten 55,0 Prozent unter Remibrutinib gegenĂŒber 32,1 Prozent unter Teriflunomid (in einer weiteren Darstellung 50 Prozent gegenĂŒber 32 Prozent).
Sicherheitsprofil und regulatorischer Status
Hinsichtlich der VertrĂ€glichkeit traten unerwĂŒnschte Ereignisse bei 79,5 Prozent im Remibrutinib-Arm und bei 81,5 Prozent im Teriflunomid-Arm auf; schwerwiegende Ereignisse betrafen 6 Prozent beziehungsweise 7 Prozent.
Die hĂ€ufigsten Nebenwirkungen waren Infekte der oberen Atemwege, Nasopharyngitis, Durchfall und Alopezie. TherapieabbrĂŒche aufgrund von Nebenwirkungen wurden bei 3,1 Prozent der Patienten unter Remibrutinib verzeichnet, verglichen mit 5,8 Prozent unter Teriflunomid.
Ein Anstieg der Alanin-Aminotransferase (ALT) auf mehr als das Dreifache des oberen Normalwerts lag bei 2,0 Prozent unter Remibrutinib und bei 7,4 Prozent unter Teriflunomid; FĂ€lle nach Hyâs Law traten nicht auf, sodass kein Signal fĂŒr eine LebertoxizitĂ€t festgestellt wurde. Im Remibrutinib-Arm wurden zwei TodesfĂ€lle registriert (eine Kohlenmonoxidvergiftung sowie ein Suizid), die von den PrĂŒfern als nicht behandlungsbedingt eingestuft wurden.
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Remibrutinib ist fĂŒr die Indikation Multipler Sklerose bislang nicht zugelassen. Novartis plant weltweite ZulassungsantrĂ€ge, behördliche PrĂŒfungen unter anderem durch die EMA, die FDA und die italienische AIFA stehen aus.
Unter dem Handelsnamen Rhapsido (25 mg) ist die Substanz in den USA bereits seit September 2025 und in der EU seit April 2026 fĂŒr chronische spontane Urtikaria sowie in den USA seit Oktober 2026 fĂŒr symptomatischen Dermographismus zugelassen.
