Rente ab 68: Kommission plant radikale Reform bis 2051
24.06.2026 - 01:13:28 | boerse-global.de
Das 13-köpfige Gremium unter Vorsitz von Janda und Weise will das Rentensystem langfristig stabilisieren – und fordert dafür tiefe Einschnitte.
Rente erst mit 68 – oder später
Die Kommission koppelt das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung. Nach dem „2:1-Modell“ steigt die Regelaltersgrenze ab 2031 dynamisch. Konkret: Bis 2041 sollen Beschäftigte bis 67,5 Jahre arbeiten, bis 2051 bis 68 Jahre. Die Rente mit 70 wäre rechnerisch erst 2092 erreicht.
Die „Rente mit 63“ soll fallen. Künftig ist ein abschlagsfreier Ruhestand nach 45 Beitragsjahren nicht mehr möglich. Frührentner müssen Abschläge akzeptieren – allerdings nur ab 64 Jahren. Für bereits betroffene Jahrgänge gilt Vertrauensschutz.
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Pflicht zur Kapitalrente nach schwedischem Vorbild
Das Rentenniveau liegt derzeit bei 48 Prozent. Die Kommission will es langfristig stützen und eine Nettoersatzquote von 70 Prozent des letzten Einkommens erreichen. Dafür soll eine verpflichtende Kapitalrente kommen – orientiert am schwedischen Modell.
Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen jeweils 1 Prozent des Bruttolohns extra. Friedrich Merz spricht von einer „wegweisenden Idee“. Schätzungsweise 30 Milliarden Euro könnten so zusätzlich in die Wirtschaft fließen. Die Kapitalrente wird neben der gesetzlichen Umlagerente und der betrieblichen Vorsorge zur dritten Säule.
Minijobs nur noch für Schüler
Die Kommission will den Kreis der Beitragszahler erweitern. Künftig sollen auch Selbstständige, Abgeordnete und Vorstände von Aktiengesellschaften in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Langfristig ist sogar die Integration von Beamten geplant.
Klassische Minijobs sollen weitgehend verschwinden. Nur Schüler dürfen künftig noch geringfügig beschäftigt sein. Alle anderen Erwerbstätigen werden ab dem ersten Euro sozialversicherungspflichtig. Der Dehoga-Verband warnt bereits vor negativen Folgen für den Arbeitsmarkt.
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Beitragssatz steigt auf über 22 Prozent
Trotz der Reformen müssen Beitragszahler tiefer in die Tasche greifen. Bis 2031 steigt der Beitragssatz auf über 22 Prozent. Gleichzeitig fällt die Haltelinie für das Rentenniveau, der Nachhaltigkeitsfaktor wird verschärft.
Friedrich Merz und Bärbel Bas wollen die Vorschläge möglichst vollständig umsetzen. Ein Koalitionsausschuss ist für den 1. Juli angesetzt. Das Gesetzgebungsverfahren soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein.
Unterstützung kommt von Jens Spahn und Matthias Miersch. Widerstand regt sich in den Bundesländern: Manuela Schwesig spricht sich gegen eine ungeprüfte Übernahme aller 33 Punkte aus. Auch Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände kritisieren die zusätzliche Belastung durch die Kapitalrente und das Aus für Minijobs.
