Renten: 21 Millionen bekommen 4,24 Prozent mehr ab Juli
12.06.2026 - 16:32:31 | boerse-global.de
Der Bundesrat bestÀtigte am Freitag eine Rentenanpassung von 4,24 Prozent zum 1. Juli. Bei einer monatlichen Rente von 1.000 Euro sind das 42 Euro mehr, die Standardrente steigt um 77,85 Euro.
Doch die gute Nachricht hat einen Haken. Rentenversicherungs-Vorstand Alexander Gunkel warnte bereits am Donnerstag vor einem finanziellen Kollaps. Der Grund: Die Bundesregierung plant, ihre ZuschĂŒsse im Jahr 2027 um vier Milliarden Euro zu kĂŒrzen.
Beitragssatz könnte steigen
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Die Folgen wĂ€ren massiv. Der aktuelle Rentenbeitragssatz von 18,6 Prozent mĂŒsste auf 18,8 Prozent angehoben werden. Noch gravierender: Die NachhaltigkeitsrĂŒcklage schmilzt dahin. Ende 2025 betrug sie 41,3 Milliarden Euro â bis Ende 2027 dĂŒrfte sie nahezu aufgebraucht sein.
Apotheken bekommen mehr Kompetenzen
Parallel zur Rentenentscheidung billigte die LĂ€nderkammer eine weitreichende Apothekenreform. KĂŒnftig dĂŒrfen Apotheker Schutzimpfungen verabreichen und Blut abnehmen. Auch die Abgabe bestimmter Medikamente ohne Rezept wird möglich. Ziel: Entlastung der Arztpraxen und flexiblere Versorgung fĂŒr Patienten.
Streit um Krankenkassen-Reform
WĂ€hrend Rentenanpassung und Apothekenreform durchgingen, zeichnet sich bei einem anderen Projekt ein politischer Krimi ab. Das Beitragsstabilisierungsgesetz der schwarz-roten Koalition steht unter massivem Druck.
Gesundheitsministerin Warken (CDU) schlĂ€gt Alarm: Der GKV droht 2027 ein Defizit von 19 Milliarden Euro. Bis 2030 könnte die LĂŒcke auf 44 Milliarden Euro anwachsen. Das Gesetz soll die Kassen ab 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlasten â durch Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken und Pharmaindustrie sowie höhere Zuzahlungen.
LĂ€nder drohen mit Blockade
BundesratsprĂ€sident Bovenschulte (SPD) kĂŒndigte bereits Widerstand an. Die LĂ€nder fĂŒrchten, dass KrankenhĂ€user in die Insolvenz getrieben werden und die Kommunen die Zeche zahlen. Ein Anruf des Vermittlungsausschusses gilt als wahrscheinlich â obwohl das Gesetz formal nicht zustimmungsbedĂŒrftig ist. Die Koalition will das Vorhaben noch vor der Sommerpause Mitte Juli durchdrĂŒcken.
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Weitere BeschlĂŒsse
Der Bundesrat senkte zudem die Ticketsteuer im Luftverkehr. Je nach Flugdistanz sparen Passagiere zwischen 2,50 und 11,40 Euro pro Ticket.
Im Bereich Innere Sicherheit wurde der Einsatz der elektronischen FuĂfessel bei hĂ€uslicher Gewalt legitimiert. Auf LĂ€nderebene brachten die Minister ein Handelsverbot fĂŒr GegenstĂ€nde aus dem Besitz von NS-Opfern auf den Weg. In der Bildungspolitik stellte sich der Bundesrat gegen Forderungen nach einer Aufweichung der Schulpflicht. Erstmals befasste sich die Kammer auch mit der Neufassung des Heizungsgesetzes.
