Rentenalter, Kommission

Rentenalter: Kommission empfiehlt Anhebung auf 67,5 Jahre

29.06.2026 - 23:31:57 | boerse-global.de

Eine Kommission schlägt höheres Rentenalter, verpflichtende Kapitalrente und das Ende der Minijobs vor. Die Vorschläge stoßen auf breite Kritik.

Rentenkommission: Höheres Alter und Kapitalrente geplant
Rentenalter - Ältere Arbeitnehmer in einem modernen Büro, die zusammenarbeiten, symbolisieren eine längere gesunde Erwerbstätigkeit. 29.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine Rentenkommission hat 33 Empfehlungen vorgelegt, die das System langfristig stabilisieren sollen. Im Kern geht es um die Anhebung des Rentenalters, eine verpflichtende Kapitalrente und das Ende der Rente mit 63.

Wirtschaftliche Potenziale einer längeren Lebensarbeitszeit

Eine aktuelle Analyse des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) beziffert den ökonomischen Nutzen einer höheren Regelaltersgrenze. Bei einer Anhebung auf 70 Jahre könnten bis zu 1,6 Millionen zusätzliche Erwerbstätige in der Altersgruppe der 66- bis 69-Jährigen mobilisiert werden. Das entspräche rechnerisch etwa 800.000 Vollzeitstellen.

Die Wirtschaftsleistung würde demnach um 106 Milliarden Euro pro Jahr steigen – ein Plus von rund 2,4 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt. Für Staat und Sozialversicherungen kämen Mehreinnahmen von über 40 Milliarden Euro zusammen, allein 30 Milliarden Euro durch Sozialbeiträge.

Doch die Gesundheit der Beschäftigten ist die entscheidende Voraussetzung, betont vfa-Chefvolkswirt Dr. Claus Michelsen. Präsident Han Steutel fordert daher eine engere Verzahnung von Renten- und Gesundheitspolitik.

Die Kernpunkte der Rentenkommission

Die Kommission will die Regelaltersgrenze zwischen 2031 und 2041 schrittweise von 67 auf 67,5 Jahre anheben. Langfristig ist eine Perspektive von knapp 69 Jahren vorgesehen. Die Rente mit 63 soll fallen.

Ein zweiter zentraler Baustein: die verpflichtende Kapitalrente nach schwedischem Vorbild. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen jeweils ein Prozent des Bruttoeinkommens zusätzlich investieren. Befürworter verweisen auf langfristige Renditechancen.

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Kritiker wie ifo-Volkswirtin Emilie Antonia Höslinger warnen: Die junge Generation trage hier die Hauptlast des demografischen Wandels. Zudem soll der Nachhaltigkeitsfaktor reaktiviert werden – der Parameter „alpha“ steigt von 0,25 auf 0,33, was künftige Rentensteigerungen dämpft.

Streit um Minijobs und Beamte

Besonders umstritten ist die empfohlene Abschaffung von Minijobs. Künftig sollen sie nur noch für Schüler möglich sein. Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer bezeichnet Minijobs als berufliche Sackgasse. Der Branchenverband Dehoga warnt dagegen vor massiven Folgen für die Gastronomie mit rund 1,1 Millionen solcher Beschäftigungsverhältnisse. Auch CSU-Chef Markus Söder spricht sich gegen ein Ende der Minijobs aus.

Bei der Einbeziehung von Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung warnt Experte Peter Bofinger vor einer erheblichen Doppelbelastung für den öffentlichen Sektor über 40 Jahre. Sein Vorschlag: Beamtenpensionen auf Basis der Bezüge der letzten fünf bis zehn Dienstjahre berechnen, statt nur der letzten Gehaltsstufe.

Gewerkschaften lehnen höheres Rentenalter ab

Die Gewerkschaften stellen sich quer. Eine Kommission des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) fordert eine Stabilisierung des Rentenniveaus bei 50 Prozent, mit dem Ziel von 53 Prozent vor Steuern. Zur Finanzierung schlägt der DGB eine verpflichtende betriebliche Altersvorsorge und einen staatlichen Demografie-Zuschuss vor – gegenfinanziert durch Steuern auf hohe Vermögen und Kapitalerträge.

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Ähnliche Forderungen kommen aus Teilen der SPD-Fraktion. Eine Gruppe um die Abgeordneten Jan Dieren und Annika Klose legte ein Papier vor: eine einmalige Vermögensabgabe auf Vermögen über 100 Millionen Euro sowie eine Reform der Erbschaftssteuer. Das Ziel: soziale Sicherungssysteme ohne längere Arbeitszeiten stabilisieren.

Unternehmervertreter plädieren dagegen für den Mut zur Rente mit 70. Nur so lasse sich eine weitere Belastung der Lohnnebenkosten vermeiden.

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