Rentenreform: Rente mit 63 fÀllt weg, Alter steigt auf 67,5 Jahre
23.06.2026 - 10:28:11 | boerse-global.de
Das 76-seitige Dokument enthĂ€lt 33 Empfehlungen fĂŒr tiefgreifende VerĂ€nderungen.
Im Zentrum der VorschlĂ€ge steht die Neugestaltung des Ăbergangs in den Ruhestand. Die Experten stellen sowohl das Blockmodell der Altersteilzeit als auch die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren infrage.
Schluss mit FrĂŒhverrentung
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Die Kommission empfiehlt die vollstĂ€ndige Abschaffung des Blockmodells bei der Altersteilzeit. Ihre BegrĂŒndung: Diese Form der Arbeitszeitgestaltung komme faktisch einer FrĂŒhverrentung gleich. Parallel soll das Mindestalter fĂŒr den Beginn einer Altersteilzeit von 55 auf 58 Jahre steigen.
Auch die sogenannte Rente mit 63 soll wegfallen. Sie ermöglichte Versicherten nach 45 Beitragsjahren einen abschlagsfreien Rentenbezug. Zudem plant die Kommission, die Altersgrenze fĂŒr eine Rente mit AbschlĂ€gen nach 35 Versicherungsjahren von 63 auf 64 Jahre anzuheben.
Die Dringlichkeit belegen Zahlen aus dem Jahr 2025: Damals waren bereits ĂŒber 30 Prozent der RentenzugĂ€nge mit AbschlĂ€gen belegt. Ein signifikanter Anteil entfiel auf das 63. Lebensjahr.
Renteneintrittsalter steigt dynamisch
Ab 2031 soll das gesetzliche Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt werden. Die Kommission favorisiert ein 2:1-Modell: Steigt die Lebenserwartung um zwölf Monate, verlÀngert sich die Erwerbsphase um acht Monate. Die Rentenbezugszeit wÀchst um vier Monate.
Die Projektionen sind deutlich: Bis 2041 steigt das Rentenalter schrittweise auf 67,5 Jahre. Zur Jahrhundertmitte könnten es 68 Jahre sein, in den 2090er Jahren sogar 70 Jahre. ErgÀnzend soll ab 2031 der Nachhaltigkeitsfaktor in der Rentenformel wieder voll wirken.
Kapitalgedeckte SĂ€ule nach schwedischem Vorbild
Um das Rentenniveau zu stabilisieren, empfiehlt die Kommission eine gesetzliche Kapitalrente. Vorgesehen ist ein zusĂ€tzlicher Beitrag von 2 Prozent des Bruttolohns â paritĂ€tisch getragen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Die Mittel flieĂen in einen staatlich verwalteten Fonds am Kapitalmarkt.
Die Modellrechnungen versprechen attraktive Zusatzleistungen: Bei 45 Jahren Beitragsdauer sind etwa 770 Euro monatlich möglich (Realwert 2026). Bei 20 Jahren Beitragszeit wÀren es rund 150 Euro.
Der allgemeine Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung soll bis 2028 auf 19,9 Prozent steigen â plus dem Beitrag fĂŒr die KapitalsĂ€ule.
Mehr Menschen mĂŒssen einzahlen
Die Kommission will die Finanzierungsbasis verbreitern. SelbststĂ€ndige, Abgeordnete und VorstĂ€nde sollen kĂŒnftig obligatorisch einzahlen. Auch Minijobber werden rentenversicherungspflichtig â ohne Opt-Out-Möglichkeit. Ausnahmen gibt es nur fĂŒr SchĂŒler.
Bei den Beamten empfiehlt der Bericht eine langfristige Integration ins Rentensystem. Beginnen soll dies mit einer schrittweisen Absenkung des Pensionsniveaus.
Politische Reaktionen: Lob und scharfe Kritik
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Bundeskanzler Merz kĂŒndigte bei der BerichtsĂŒbergabe an, die VorschlĂ€ge als Gesamtpaket umsetzen zu wollen. Der SachverstĂ€ndigenrat lobte die Empfehlungen als notwendigen Schritt zur Generationengerechtigkeit.
Der Widerstand kommt von den Sozialpartnern. ArbeitgeberprĂ€sident Dulger lehnt die verpflichtende Kapitalrente ab â wegen befĂŒrchteter Mehrbelastungen fĂŒr Unternehmen. Gewerkschaftsvertreter von Verdi und IG Metall kritisieren den Wegfall der abschlagsfreien FrĂŒhverrentung. Sie sprechen von einer faktischen RentenkĂŒrzung fĂŒr langjĂ€hrig BeschĂ€ftigte.
SozialverbĂ€nde wie der VdK fordern ergĂ€nzende MaĂnahmen zum Schutz von Geringverdienern vor Altersarmut.
