Rentenversicherung: Bundesrechnungshof kritisiert 20 Millionen Euro Beratungsausgaben
03.06.2026 - 04:50:43 | boerse-global.de
Das belegt ein neuer PrĂŒfbericht des Bundesrechnungshofs.
âEk latante MĂ€ngel" in fast allen geprĂŒften FĂ€llen
Die PrĂŒfer des Bundesrechnungshofs haben die Vergabepraxis der Rentenversicherung unter die Lupe genommen â und kommen zu einem vernichtenden Urteil. In nahezu 100 Prozent der untersuchten FĂ€lle fanden die Kontrolleure gravierende MĂ€ngel. Fast 20 Millionen Euro gab die DRV Bund fĂŒr strategische Beratung aus. Allein drei Beratungsfirmen kassierten seit 2019 rund 8,6 Millionen Euro fĂŒr eine Digitalisierungsstrategie.
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Weitere Posten im PrĂŒfbericht: 2,9 Millionen Euro fĂŒr den Aufbau von Verwaltungsstellen seit 2022 sowie 210.000 Euro fĂŒr wissenschaftliche Begleitung. Die PrĂŒfer stellten fest, dass die Rentenversicherung offenbar selbst nicht genau wusste, welche Ziele mit diesen externen Dienstleistungen erreicht werden sollten.
Besonders brisant: Bereits 2014 hatte der Bundesrechnungshof Àhnliche MissstÀnde bei der Strategieberatung kritisiert. Der damals versprochene Kulturwandel sei ausgeblieben.
Personal explodiert â Beraterkosten steigen trotzdem
Ein zentraler Kritikpunkt: Die interne Personaldecke wuchs rasant, die AbhĂ€ngigkeit von externen Beratern nahm dennoch nicht ab. Eine Stabsstelle wuchs von 3 auf 57 Mitarbeiter â ein Anstieg von 1.800 Prozent. Trotzdem stiegen die Ausgaben fĂŒr externe Berater weiter.
Besonders ins Auge fiel den PrĂŒfern ein IT-Berater, der seit 2016 durchgehend unter Vertrag steht. Bei einem Tagessatz von 965 Euro hat er bislang 1,7 Millionen Euro erhalten. Die Praxis, AuftrĂ€ge an persönlich bekannte Berater zu vergeben, lief laut Bericht noch bis ins Jahr 2025.
Die DRV Bund verteidigt sich: Ohne externes Wissen seien Transformationsprozesse zum Scheitern verurteilt. Unter den 25.000 Mitarbeitern fehlten schlicht die nötigen Kompetenzen fĂŒr die Digitalisierung. Immerhin: Ab 2027 will die Behörde die Ausgaben senken. FĂŒr die Jahre 2025 bis 2029 sind fĂŒr die Unternehmensentwicklung aber noch 4,7 Millionen Euro eingeplant.
BeitragslĂŒcken und Reformdebatte
Der PrĂŒfbericht deckt auch operative VersĂ€umnisse auf. Seit rund 20 Jahren komme die DRV ihrer Pflicht nicht nach, alle versicherungspflichtigen SelbststĂ€ndigen zu erfassen und BeitrĂ€ge einzuziehen. Pro nicht gemeldeter Person entgehen dem System laut SchĂ€tzung jĂ€hrlich rund 5.000 Euro. Die Rentenversicherung verweist auf fehlende Meldepflichten der FinanzĂ€mter und verweist auf politische PlĂ€ne zur Versicherungspflicht fĂŒr neue SelbststĂ€ndige.
Die Debatte um die Zukunft der Rente erreicht derweil die Ministerialebene. Bundesarbeitsministerin BĂ€rbel Bas sprach sich am 1. Juni 2026 fĂŒr die langfristige Einbeziehung von Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung aus. Ihr Ziel: mehr Beitragszahler und weniger staatliche ZuschĂŒsse.
Die Ministerin zeigte sich zudem skeptisch gegenĂŒber den Prognosen der Rentenversicherung, wonach die BeitragssĂ€tze ab 2028 auf 19,9 Prozent steigen sollen. Sie hĂ€lt niedrigere Werte fĂŒr realistisch. Eine Anhebung des Renteneintrittsalters ĂŒber 67 hinaus nach 2031 schlieĂt sie nicht aus â fordert aber Ausnahmen fĂŒr diejenigen, die nicht lĂ€nger arbeiten können. Eine Rentenreformkommission soll bis zum 30. Juni 2026 einen einstimmigen Vorschlag vorlegen.
