Reparaturpflicht ab August: Hersteller mĂŒssen GerĂ€te lĂ€nger reparieren
12.06.2026 - 18:22:20 | boerse-global.de
Die EU-Richtlinie 2024/1799 zwingt Produzenten zu mehr Verantwortung â und soll die Wegwerfgesellschaft eindĂ€mmen.
Reparaturpflicht fĂŒr Hersteller
Bisher endete die Reparaturpflicht mit der gesetzlichen GewĂ€hrleistung. Ab August 2026 gilt das nicht mehr. Hersteller mĂŒssen Produkte wie Waschmaschinen, KĂŒhlschrĂ€nke, GeschirrspĂŒler, Staubsauger, Smartphones, Tablets und E-Bikes zu einem âfairen Preisâ reparieren â auch Jahre nach dem Kauf.
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Die Pflicht gilt fĂŒr GerĂ€te, die bereits unter die Ăkodesign-Richtlinie fallen. Und sie gilt rĂŒckwirkend: Auch AltgerĂ€te, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens bereits im Umlauf sind, fallen unter die Neuregelung.
Keine Software-Blockaden mehr
Die Richtlinie verbietet Herstellern, Reparaturen durch unabhÀngige WerkstÀtten oder mit Drittanbieter-Ersatzteilen zu blockieren. Software-Sperren, die genau das verhindern sollen, sind ab August 2026 illegal.
Hat der Hersteller keinen Sitz in der EU, greift eine Haftungskaskade: Zuerst haftet der EU-BevollmĂ€chtigte, dann der Importeur und schlieĂlich der HĂ€ndler. So soll verhindert werden, dass sich auslĂ€ndische Hersteller aus der Verantwortung stehlen.
LĂ€ngere Garantie nach Reparatur
Ein cleverer Anreiz fĂŒr Verbraucher: Wer sein GerĂ€t innerhalb der Garantiezeit reparieren lĂ€sst, bekommt zwölf Monate extra. Die gesetzliche GewĂ€hrleistung verlĂ€ngert sich damit von zwei auf drei Jahre.
Gleichzeitig mĂŒssen Hersteller Ersatzteile langfristig bereitstellen. FĂŒr Smartphones sind es mindestens sieben Jahre, fĂŒr Waschmaschinen sogar zehn. Das soll verhindern, dass GerĂ€te wegen eines defekten Kleinteils auf dem MĂŒll landen.
Die Kosten der Wegwerfgesellschaft
Die Zahlen sind beeindruckend. SchĂ€tzungen zufolge entstehen in der EU jĂ€hrlich 35 Millionen Tonnen Abfall und 261 Millionen Tonnen CO? durch vorzeitig entsorgte GebrauchsgĂŒter. Die Kosten: rund 12 Milliarden Euro.
Digitale Plattform fĂŒr Reparaturen
Bis Juli 2027 soll eine europĂ€ische Online-Reparaturplattform entstehen. Sie vernetzt Verbraucher mit WerkstĂ€tten und Anbietern ĂŒberholter Waren. Ein zentraler Marktplatz fĂŒr Reparaturdienstleistungen â quasi ein âBooking.com fĂŒr Handwerkerâ.
Digitaler Produktpass kommt
Parallel zum Recht auf Reparatur startet ab Juli 2026 die Infrastruktur fĂŒr den Digitalen Produktpass (DPP). Dieses Register enthĂ€lt Lebenszyklusdaten fĂŒr eine bessere RĂŒckverfolgbarkeit. Ab Februar 2027 wird er zunĂ€chst fĂŒr Industrie- und E-Auto-Batterien verpflichtend.
Schluss mit Greenwashing
Ab September 2026 greifen strenge Regeln gegen irrefĂŒhrende Umweltaussagen. Nachhaltigkeitsversprechen in der Werbung mĂŒssen kĂŒnftig auf klaren, extern ĂŒberprĂŒfbaren PlĂ€nen basieren. Nachhaltigkeitssiegel dĂŒrfen nur noch von staatlichen oder unabhĂ€ngigen Stellen vergeben werden.
Auch bei Verpackungen wird nachgeschĂ€rft. Deutschland hat im Juni 2026 gesetzliche Anpassungen an die EU-Verpackungsverordnung beschlossen. Ab August 2026 sind KonformitĂ€tserklĂ€rungen fĂŒr alle Verpackungen Pflicht, ab 2027 werden Lizenzentgelte stĂ€rker an ökologischen Kriterien ausgerichtet.
