Resilienz: Soziale Kontakte schützen besser als Sport
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Extremwetter, Pandemien oder Cyberangriffe – die Gefahrenlagen werden komplexer. Der Katastrophenschutz reagiert mit neuen Ausbildungskonzepten und groß angelegten Übungen. Besonders das Gesundheitswesen rüstet sich für den Ernstfall.
„Disaster Nursing“ kommt in die Pflegeausbildung
Ein neues Modul namens „Disaster Nursing“ soll Pflegekräfte gezielt auf Krisen vorbereiten. Das Projekt „Modina“ hat dafür 40 Unterrichtseinheiten entwickelt – kostenfrei für Pflegeschulen. Getragen wird es von der DRK-Schwesternschaft Bonn, der Frankfurt University of Applied Sciences, dem Fraunhofer IAO und dem Beratungsinstitut IEGUS.
Die Lehrmaterialien enthalten Planspiele, die Szenarien wie Pandemien, Cyberangriffe oder Naturkatastrophen simulieren. Das Konsortium fordert eine verbindliche Integration der Pflege in den Bevölkerungsschutz. Die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie und dem Ahrtal-Hochwasser 2021 gelten als wesentliche Treiber.
Großübung mit Drohnenangriff und Explosion
Am 22. Juli fanden an mehreren Standorten Simulationen statt. Ziel: die Zusammenarbeit zwischen Kliniken, Rettungsdiensten und Sicherheitsbehörden testen.
Am Universitätsklinikum Wiener Neustadt-Hochegg diente ein fiktiver Drohnenangriff auf eine Kaserne als Szenario. Rund 30 simulierte Verletzte wurden versorgt, acht davon mit akut lebensbedrohlichen Verletzungen. Neben den Krankenhausteams waren das Jagdkommando des Bundesheeres und Rettungskräfte beteiligt. Schwerpunkte: Patientensteuerung und Kommunikation unter Hochlast.
Das Herz-Jesu-Krankenhaus in Münster-Hiltrup probte zeitgleich den Alarmplan für einen Massenanfall von Verletzten (MANV). Auslöser war eine fiktive Explosion mit 20 Verletzten. In Mücke simulierte die Feuerwehr einen Unfall mit einem Gefahrguttransporter – ausgetretene Natronlauge. Drohnen zur Lageerkundung und Behandlungszelte standen hier im Fokus.
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Spezialtraining für Feuerwehr und Rettungskräfte
In Kerpen nahm eine sogenannte ANTS-Staffel ihren Dienst auf. Die Abkürzung steht für „Atemschutz-Notfall-Trainierte-Staffel“. 30 freiwillige Kräfte sind nach 13-monatiger Ausbildung darauf trainiert, verunglückte Feuerwehrleute unter Extrembedingungen zu retten – etwa bei Nullsicht oder nach einem Kreislaufkollaps. Auslöser waren tödliche Unglücksfälle in der Vergangenheit.
In Amberg trainierte die Feuerwehr die Priorisierung von Verletzten mit einem „Ampel-Rezept“ (Rot/Gelb/Grün). Solche standardisierten Verfahren sollen helfen, in unübersichtlichen Lagen mit begrenzten Ressourcen die effektivste Hilfe zu leisten.
Soziale Kontakte stärken die Resilienz am besten
Die psychologische Komponente der Krisenbewältigung rückt zunehmend in den Fokus. Eine Studie der Forscher Jankovi?, Sijtsema und Bogaerts aus dem Jahr 2026 mit 613 Erwachsenen zeigt: Soziale Freizeitaktivitäten sind der stärkste Faktor für persönliche Resilienz. Regelmäßiger Austausch mit Familie und Freunden wirkt sich demnach positiver auf die psychische Widerstandskraft aus als Sport. Besonders ausgeprägt war dieser Effekt bei Personen mit belastenden Kindheitserfahrungen.
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Auch im Profisport setzt man auf Teambildung zur Stressresistenz. Bei Werder Bremen führte Trainer Daniel Thioune ein Handyverbot während der Mahlzeiten ein – für mehr analoge Gespräche. Energie Cottbus setzte nach Rückschlägen auf Workshops zur Niederlagenbewältigung. Der 1. FC Nürnberg unter Miroslav Klose nutzte am 23. Juli eine Rafting-Tour im Pustertal, um das Vertrauen im neu formierten Team zu stärken.
Die Botschaft ist klar: Moderne Krisenvorsorge braucht mehr als nur Technik und Ausbildung. Sie erfordert auch die gezielte Förderung psychologischer und sozialer Ressourcen.
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