Restaurierung x Digitalisierung: HolzvertĂ€felung auf Festung erstrahlt dank innovativem Verfahren in âneuem, altemâ Glanz
03.06.2026 - 11:02:07 | presseportal.de
Seit 2017 wird an der Konservierung und Restaurierung der FĂŒrstenzimmer auf der Festung Hohensalzburg gearbeitet. Um Fehlstellen in der HolzvertĂ€felung der prachtvollen Goldenen Stube möglichst originalgetreu und materialschonend wiederherstellen zu können, haben die Salzburger Burgen und Schlösser, die Projektentwickler BAUKULTUR2, die Fachhochschule Salzburg und das Bundesdenkmalamt in enger Zusammenarbeit ein einzigartiges und innovatives Verfahren entwickelt und realisiert: Mithilfe von 3D-Scanning-Technologie, computergestĂŒtzter Fertigung und nachhaltiger Holzfaser-Verbundmaterialien konnten die SchĂ€den ohne zusĂ€tzliche Eingriffe in die historisch wertvolle Substanz behoben werden. Nachdem die 3D-gedruckten Inlays dank restauratorischer Handarbeit prĂ€zise eingesetzt wurden, erstrahlt die Goldene Stube wieder in âneuem, altemâ Glanz.
Die Festung Hohensalzburg aus dem 11. Jahrhundert ist das Wahrzeichen im Herzen der Salzburger Altstadt. Mit rund 1,5 Millionen Besuchern im Jahr 2025 zĂ€hlt sie zu den bestbesuchten SehenswĂŒrdigkeiten Ăsterreichs. Seit dem Jahr 2017 wird intensiv an der Konservierung und Restaurierung der prachtvollen gotischen FĂŒrstenzimmer, die mit Goldenem Saal, Goldener Stube und Schlafstube ein weltweit einzigartiges Prunkraum-Ensemble darstellen, gearbeitet. Im Zuge der Restaurierung der Goldenen Stube wurden neben zahlreichen Arbeiten an WandflĂ€chen, Schnitzereien, Skulpturen und Zierrat zwei Fehlstellen in den HolzvertĂ€felungen festgestellt. Allerdings erwies sich keines der bisher bekannten Restaurierungsverfahren als ideal, um diese SchĂ€den zu beheben.
âDa es eine unserer zentralen Aufgaben ist, die Salzburger Burgen und Schlösser als bedeutende DenkmĂ€ler nachhaltig zu bewahren, haben wir beschlossen, neue und kreative Wege mit zukunftsorientierten Partnern und Behörden zu beschreiten und auf innovative Technologien zu setzenâ, so Maximilian Brunner, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Salzburger Burgen und Schlösser BetriebsfĂŒhrung.
Auch Markus Mackinger vom Baumanagement der Salzburger Burgen und Schlösser betont: âDas Baumanagement bei den Salzburger Burgen und Schlösser erfordert eine Leidenschaft fĂŒr das Handwerk und historisch bewĂ€hrte Baumethoden. Gleichzeitig geht es darum, neue Ideen zu entwickeln und moderne Lösungen zu finden, die zum einen den historischen Bestand berĂŒcksichtigen, aber auch die heutigen technologischen Möglichkeiten mitbedenken.â
Von der Idee zur konkreten Anwendung
Ende MĂ€rz 2025 fanden die ersten GesprĂ€che zwischen den Salzburger Burgen und Schlössern, dem ProjektentwicklungsbĂŒro BAUKULTUR2 und der FH Salzburg statt. Im Rahmen des FH-Projekts EDIH innovATE wurde nach möglichen Digitalisierungsanwendungen fĂŒr die Restaurierung der HolzvertĂ€felung in der Goldenen Stube gesucht. Als praktischer Use Case diente eine Machbarkeitsstudie zur Restaurierung von Fehlstellen in historischen GebĂ€uden. Nach den ersten Untersuchungen ĂŒbernahm das SCSM 2.0, das Salzburg Center for Smart Materials, Entwicklung und Umsetzung des Projekts.
PrÀzise Restaurierung durch digitale Zwillinge
Am Department Design and Green Engineering der FH Salzburg wurde das Projekt schlieĂlich in Kooperation mit BAUKULTUR2 praktisch umgesetzt: In einem ersten Schritt wurde die Fehlstelle in der HolzvertĂ€felung der Goldenen Stube mit einem mobilen 3D-Scanner zerstörungsfrei und millimetergenau erfasst. Dabei entstand ein virtuelles Abbild der Fehlstelle: Auf Basis dieser Daten wurde ein digitales Positivmodell â ein sogenannter digitaler Zwilling â erzeugt, die Grundlage, um ein passgenaues Inlay fertigen zu können.
Vision: Holz drucken fĂŒr die Denkmalpflege
Hergestellt wurde das Inlay mittels FDM-3D-Druck (Fused Deposition Modelling) aus einem eigens entwickelten Filament aus nachhaltigen, biobasierten Materialien, darunter natĂŒrliche Holzfasern und ein grĂŒnes thermoplastisches Bindemittel. Die dabei verwendeten Werkstoffe stammen ĂŒberwiegend aus Reststoffen der Land- und Forstwirtschaft. Durch die natĂŒrlichen Fasern weist das Material hygroskopische Eigenschaften auf und reagiert Ă€hnlich wie massives Holz auf VerĂ€nderungen der Luftfeuchtigkeit. So entstanden aus den digitalen Zwillingen Inlays aus nachhaltigen Materialien, die sich exakt in die bestehende historische HolzoberflĂ€chen einfĂŒgen wĂŒrden.
Leiter des Projekts an der FH Salzburg war Stefan Kain, der sich auf den Einsatz biogener Materialien im 3D-Druck spezialisiert hat. âUnser Ziel war es, digitale Technologien so in die Restaurierung zu integrieren, dass sie den Werkstoff und das historische Original respektieren. Durch nachhaltige Materialien und prĂ€zise 3D-Druckverfahren eröffnen sich neue Wege, KulturgĂŒter beschĂ€digungsfrei und ressourcenschonend zu erhaltenâ, so Kain.
âAus einer spontanen Idee â nĂ€mlich âHolz zu druckenâ â ist ein neuartiger Ansatz zur ErgĂ€nzung von Fehlstellen in historischen Holzausstattungen entstanden. Das Projekt vereint Handwerk, Forschung, Technologien sowie Denkmalpflege und eröffnet neue unterstĂŒtzende Wege in der Holzrestaurierungâ, ergĂ€nzt Thomas Trattner, GeschĂ€ftsfĂŒhrer und MiteigentĂŒmer der BAUKULTUR2 GmbH.
Traditionelles Handwerk trifft modernste Technologie
AbschlieĂend wurde das digital erstellte und 3D-gedruckte Inlay in klassischer restauratorischer Handarbeit bearbeitet: âIm Rahmen der materialtechnischen Erprobung des 3D-gedruckten Holzfaser-Verbundmaterials konnten wir reversible Verklebungen sowie Methoden zur OberflĂ€chenbearbeitung und Retusche testen. Durch thermische Strukturierung und farbliche Anpassung konnten wir das Inlay optisch perfekt in das historische Umfeld einbinden. Oder anders gesagt: Das war ein beispielhaftes Projekt dafĂŒr, wie digitale Fertigungstechniken mit restauratorischen Anforderungen an MaterialvertrĂ€glichkeit und ReversibilitĂ€t perfekt verbunden werden könnenâ, erklĂ€rt Restauratorin der Salzburger Burgen & Schlösser, Florentina Woschitz.
Beispielhaftes Projekt fĂŒr Denkmalschutz
Seit vielen Jahren begleiten das Landeskonservatorat fĂŒr Salzburg und die Abteilung fĂŒr Konservierung und Restaurierung in enger Zusammenarbeit mit der Salzburger Burgen und Schlösser BetriebsfĂŒhrung die Restaurierung der FĂŒrstenzimmer auf der Festung Hohensalzburg nach den aktuellen Standards der Konservierung und Restaurierung. Auch das 3D-Projekt hat das Bundesdenkmalamt von Beginn an intensiv begleitet und die neuartige Technologie hinsichtlich der Einhaltung der aktuellen Standards in der Restauriertechnik ĂŒberprĂŒft.
âDie Konservierungs- und RestaurierungsmaĂnahmen an der Holzausstattung der Goldenen Stube zielten auf ein gepflegtes, Ă€sthetisch ĂŒberzeugendes Erscheinungsbild ab, das den Alterswert und die historische AuthentizitĂ€t respektiert und sichtbar macht. FĂŒr zwei optisch störende Fehlstellen entwickelte die BAUKULTUR2 gemeinsam mit der FH Salzburg am Campus Kuchl ein innovatives Verfahren zur Herstellung passgenauer Inlays â ohne zusĂ€tzlichen Verlust historischer Substanz. Nach handwerklich hervorragend ausgefĂŒhrter Retusche erfĂŒllen die ErgĂ€nzungen sĂ€mtliche denkmalfachlichen Anforderungen. Hier begegnen sich modernste 3D-Technologie, traditionelles Handwerk und jahrhundertealtes Kulturerbeâ, so Eva Hody, Landeskonservatorin Salzburg.
Im Rahmen dieses innovativen und bisher einzigartigen Projekts hat sich nun gezeigt, dass die neue Methodik im Bereich der Denkmalpflege entscheidende Vorteile hat: WĂ€hrend bei klassischen Restaurierungsverfahren beschĂ€digte Bereiche fĂŒr passgenaue ErgĂ€nzungen oftmals erweitert werden mĂŒssen, ermöglicht die digitale Fertigung eine exakte Rekonstruktion selbst komplexester Fehlstellen â ohne zusĂ€tzlichen Verlust historischer Substanz. Damit steht die Festung Hohensalzburg beispielhaft fĂŒr eine neue Form der Restaurierung â prĂ€zise, nachhaltig und respektvoll gegenĂŒber der Objektgeschichte.
Pressekontakt:
Salzburger Burgen & Schlösser
Birgit Meixner
Telefon: +43662846181
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