Retatrutid bei Diabetes: Studie zeigt bis zu 20,8 Prozent Gewichtsverlust
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Behandlung von Typ-2-Diabetes und Adipositas zeichnen sich neue pharmakologische Entwicklungen ab. Im Rahmen des EASD-Kongresses in Mailand stellte Eli Lilly am 30. September 2026 die Ergebnisse der Phase-3-Studie TRIUMPH-2 zu dem Wirkstoffkandidaten Retatrutid vor.
Die Untersuchung, die am 1. Oktober 2026 zeitgleich in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurde, liefert detaillierte Einblicke in die Wirksamkeit des Präparats bei Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes und einem Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 27 kg/m².
Ergebnisse der TRIUMPH-2-Studie zu Blutzucker und Körpergewicht
An der 80-wöchigen Studie nahmen an 92 Standorten in acht Ländern insgesamt 1.152 Erwachsene teil, von denen 965 die Untersuchung abschlossen. Bei der Auswertung im Efficacy Estimand erreichten Teilnehmende unter einer wöchentlichen Dosis von 9 mg Retatrutid einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 19,1 %, während die Dosis von 12 mg zu einer Reduktion von 20,8 % führte.
In der Placebogruppe lag dieser Wert bei 4,0 %. In der Treatment-Regimen-Analyse betrugen die Werte 16,9 % bei 9 mg und 18,8 % bei 12 mg im Vergleich zu 5,1 % unter Placebo.
Besonders ausgeprägt war die Wirkung bei Personen mit einem Ausgangs-BMI von mindestens 35 kg/m²: Hier lag der Gewichtsverlust bei 23,4 %, und 59,5 % der Teilnehmenden erfüllten anschließend keine Adipositas-Kriterien mehr.
Unter der 12-mg-Dosis verloren 47 % der Behandelten mindestens 20 % sowie 31 % mindestens 25 % ihres Ausgangsgewichts; in der Placebogruppe betrugen diese Anteile 6 % beziehungsweise 3 %.
Neben dem Körpergewicht verbesserte sich die Blutzuckereinstellung. Der HbA1c-Wert sank im Efficacy Estimand um 1,41 Prozentpunkte bei 4 mg, um 1,63 Prozentpunkte bei 9 mg und um 1,54 Prozentpunkte bei 12 mg gegenüber einem Rückgang von 0,19 Prozentpunkten unter Placebo.
Bei der 12-mg-Dosis betrug die Senkung 1,45 Prozentpunkte. Einen Zielwert von höchstens 6,5 % erreichten 72 % der Behandelten unter Retatrutid im Vergleich zu 29 % in der Kontrollgruppe. Zudem sanken die Triglyzeride um 39,5 %, das Nicht-HDL-Cholesterin um 19,6 % und das hochsensitive C-reaktive Protein (hs-CRP) um 58,3 %.
Verträglichkeit und weitere Phase-3-Daten von Eli Lilly
Zu den am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen zählten Durchfall und Übelkeit. Ein Therapieabbruch aufgrund unerwünschter Ereignisse erfolgte bei 4 % (4 mg), 12 % (9 mg) und 8 % (12 mg) der Probanden im Vergleich zu 5 % unter Placebo. Dysästhesien traten bei 7 % unter der Höchstdosis und bei 1 % unter Placebo auf.
Wenn Diät und Bewegung seit Monaten nicht mehr weiterhelfen, lohnt der Blick auf die neuen Studiendaten: In der 80-wöchigen Phase-3-Untersuchung erreichten Teilnehmende mit Typ-2-Diabetes unter der höchsten geprüften Dosis im Schnitt 20,8 % Gewichtsverlust — gegenüber 4,0 % unter Placebo. Der Wirkstoff ist bislang nicht zugelassen, doch die Ergebnisse zeigen, welche Fragen Sie Ihrem Arzt heute schon stellen können. Kostenlosen Leitfaden mit Studien-Faktencheck anfordern
Schwere Unterzuckerungen wurden nicht verzeichnet. Sieben Todesfälle wurden von den beteiligten Prüfärzten als nicht interventionsbedingt eingestuft. Schwere kardiovaskuläre Ereignisse traten in den untersuchten Studien nicht häufiger auf als erwartet. Ein direkter Vergleich von Retatrutid mit Semaglutid oder Tirzepatid liegt bislang nicht vor.
Ergänzt werden die Resultate durch weitere Erhebungen des Unternehmens:
* In TRIUMPH-1 mit 2.339 Teilnehmenden betrug der Gewichtsverlust nach 80 Wochen 19,0 % (4 mg), 25,9 % (9 mg) und 28,3 % (12 mg).
Eine Verlängerungsphase mit 532 Personen ergab nach 104 Wochen eine Abnahme von 30,3 %.
* In TRIUMPH-3 bei 1.949 Personen mit schwerer Adipositas und bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung lag der Gewichtsverlust bei 12 mg nach 80 Wochen bei 22,6 % gegenüber 3,2 % unter Placebo.
* Eine frühere Phase-2-Studie bei 338 Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas und Begleiterkrankungen zeigte nach 24 Wochen eine Gewichtsabnahme von 17,5 % und nach 48 Wochen von 24,2 % bei der Höchstdosis (Placebo: 1,6 % bzw. 2,1 %; Abbrüche wegen Nebenwirkungen: 6–16 % vs. 0 %).
Eine Untergruppe mit mindestens 10 % Leberfett wies nach 24 Wochen bei rund 80 % und nach 48 Wochen bei rund 90 % unter 8 mg oder 12 mg eine vollständige Rückbildung der Leberverfettung auf. Eine separate Untersuchung an 281 Personen mit Typ-2-Diabetes zeigte nach 36 Wochen im Rahmen einer ADA-Präsentation 17 % Gewichtsverlust.
Bislang ist Retatrutid nicht zugelassen. Eli Lilly plant die Einreichung des Zulassungsantrags bei der US-Arzneimittelbehörde FDA für das erste Quartal 2027; eine Markteinführung wäre demnach frühestens Ende 2027 möglich.
Parallele Entwicklungen: ZUPREME-1-Studie zu Petrelintid
Neben den Fortschritten bei Retatrutid liegen auch neue Daten zu anderen Wirkstoffansätzen vor. In der randomisierten, placebokontrollierten Phase-2-Studie ZUPREME 1 untersuchte Novo Nordisk das Prüfpräparat Petrelintid bei 485 Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas (mittlerer BMI 36,7 kg/m²) in Kombination mit Lebensstilmaßnahmen. Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes waren von der Teilnahme ausgeschlossen.
Viele fragen sich, ob die neuen Abnehm-Medikamente für sie überhaupt infrage kommen — und welche Risiken sie mitbringen. Die aktuelle Auswertung nennt die häufigsten Nebenwirkungen wie Durchfall und Übelkeit, die Abbruchquoten je Dosis und den Stand der Zulassung: ein Antrag ist erst für Anfang 2027 geplant. Dieser Leitfaden hilft Ihnen, das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt strukturiert vorzubereiten. Fragenkatalog für Ihren Arzttermin jetzt anfordern
Nach 28 Wochen übertraf die Gewichtsabnahme unter 5,0 mg Petrelintid die Placebogruppe um 8,1 Prozentpunkte. Nach 42 Wochen erreichte die mittlere Reduktion bei der höchsten Dosierung bis zu 10,7 %. Wöchentliche Gaben von 1 mg bis 9 mg führten zu einer Gewichtsabnahme von 8,7 % bis 10,2 %.
Übelkeit trat bei 20 % der Probanden auf. Drei schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden von unabhängigen Fachleuten als möglicherweise mit Petrelintid verbunden eingestuft. Zur weiteren Beurteilung sind größere Phase-3-Studien erforderlich.
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