Retatrutid: Phase-3-Studie zeigt bis zu 18,8 Prozent Gewichtsverlust
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 03:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit dem Wirkstoff Retatrutid treibt das Pharmaunternehmen Eli Lilly die Entwicklung eines neuartigen Ansatzes zur Behandlung von Adipositas und Stoffwechselerkrankungen voran. Das Prüfpräparat aktiviert simultan die Rezeptoren für GIP, GLP-1 sowie Glukagon, verfügt bislang jedoch über keine behördliche Zulassung.
Wie Berichte vom 1. Oktober 2026 zusammenfassen, wurden die Ergebnisse der 80-wöchigen Phase-3-Studie TRIUMPH-2 auf der Jahrestagung der Europäischen Diabetesgesellschaft (EASD) in Mailand vorgestellt und im Fachjournal The Lancet publiziert. An der Untersuchung nahmen 1.152 Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas und Typ-2-Diabetes an 92 Zentren in 8 Ländern teil.
Signifikanter Gewichtsverlust und verbesserte Stoffwechselparameter
Die Daten der Phase-3-Studie belegen eine deutliche Dosis-Wirkungs-Beziehung. Während das Körpergewicht in der Placebogruppe im Mittel um 5,1 % sank, erzielten die Probanden unter Retatrutid eine Gewichtsabnahme um durchschnittlich 11,9 % bei 4 mg, 16,8 % bei 9 mg und 18,8 % bei 12 mg.
Bei Teilnehmenden mit einem Body-Mass-Index von mindestens 35 lag der Gewichtsverlust unter der 12-mg-Dosis bei 21,9 % gegenüber 3,8 % unter Placebo. Bei 12 mg verloren 47 % der Behandelten mindestens 20 % und 31 % mindestens 25 % ihres Ausgangsgewichts, verglichen mit 6 % beziehungsweise 3 % in der Placebogruppe.
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Parallel zur Gewichtsreduktion verbesserten sich kardiometabolische Zielwerte. Der Langzeitblutzuckerwert HbA1c sank bei den drei Dosierungen um 1,38 %, 1,50 % und 1,45 % gegenüber 0,45 % unter Placebo.
Unter der Gabe von 12 mg Retatrutid verringerten sich der systolische Blutdruck um bis zu 9,7 mmHg und die Triglyzeride um 35,6 %. Zudem verbesserten sich weitere Lipidwerte sowie Entzündungsmarker.
Verträglichkeitsprofil und weiterer Zeitplan
Die am häufigsten dokumentierten Nebenwirkungen betrafen den Gastrointestinaltrakt. Durchfall trat bei 27–34 % der Patienten unter Retatrutid auf, verglichen mit 13 % unter Placebo. Über Übelkeit berichteten 14–28 % der Teilnehmenden gegenüber 8 % in der Kontrollgruppe.
Die Quote der Therapieabbrüche infolge von Nebenwirkungen oder Todesfällen betrug bei einer Dosierung von 9 mg bis zu 12 %, während sie unter Placebo bei 5 % lag. In der Verumgruppe traten drei adjudizierte Fälle von Pankreatitis auf. Die sieben im Studienverlauf erfassten Todesfälle wurden als nicht behandlungsbedingt beurteilt.
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Ein direkter Vergleich mit bereits am Markt befindlichen, aktiven Therapien liegt für diese Phase bislang nicht vor. Eine Vergleichsstudie gegen Tirzepatid läuft derzeit; eine klinische Überlegenheit ist laut einer zitierten Expertin noch nicht belegt. Eli Lilly plant, Anfang 2027 die Zulassung für Retatrutid bei der US-Arzneimittelbehörde FDA zu beantragen.
Risiken auf unregulierten Vertriebswegen
Im Umfeld der klinischen Erprobung schlagen Aufsichtsbehörden Alarm wegen illegaler Angebote. Im Sommer 2026 sprach die britische Arzneimittelbehörde MHRA eine Warnung vor Produkten aus, die im Internet als Retatrutid deklariert werden.
In den USA registrierten Giftzentren Anfang 2026 rund 95 Retatrutid-Expositionen pro Monat, was einem Zuwachs von 265 % im Vergleich zu Ende 2025 entspricht. Seit 2024 verschickte die FDA 14 Warnschreiben an Händler; online vertriebene Fläschchen für angebliche Forschungszwecke werden zu Preisen von bis zu 600 US-Dollar angeboten.
