Rewe, Blitzlieferung

Rewe testet Blitzlieferung: Supermärkte werden zu Versandzentren

Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Rewe prüft in München und Jena verschiedene Zustellmodelle mit Wolt und Lieferando, während Österreich auf einen Darkstore setzt.

Rewe testet neue Liefermodelle aus Supermärkten
Ordentlich sortierte Regale mit frischem Obst und GemĂĽse in einem modernen Supermarkt bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

Der Lebensmitteleinzelhandel setzt verstärkt auf Kooperationen mit Lieferdiensten, um die sogenannte letzte Meile effizienter zu gestalten. Ein zentraler Bestandteil dieser Strategie ist die Nutzung bestehender Filialstrukturen für die schnelle Zustellung von Waren. Im August 2026 wurden Details zu neuen Testläufen der Rewe Group bekannt, die verschiedene Modelle der Zusammenarbeit mit externen Plattformen in deutschen Städten untersuchen.

Dezentrale Logistik in MĂĽnchen und Jena

In München und Jena erprobt das Unternehmen derzeit die Auslieferung direkt aus regulären Supermärkten. Dabei kommen unterschiedliche Ansätze hinsichtlich der Partner und Konditionen zum Einsatz. In München kooperiert Rewe in zwei Märkten mit dem Dienstleister Wolt, wobei eine Liefergebühr von 3,99 € erhoben wird.

In Jena hingegen erfolgt der Test in drei Märkten über die Plattform Lieferando. Hier wird die Zustellung kostenlos angeboten, zudem entfällt ein Mindestbestellwert. Um Anreize für größere Einkäufe zu schaffen, gewährt das Unternehmen in Jena ab einem Bestellwert von 30 € einen Rabatt in Höhe von 15 €.

Ein wesentliches Merkmal dieser Testläufe ist die Einbindung selbstständiger Kaufleute, die einen beachtlichen Teil der Rewe-Struktur ausmachen. Erste Beobachtungen aus dem operativen Betrieb deuten darauf hin, dass insbesondere frische Warengruppen wie Obst und Gemüse eine starke Nachfrage erfahren.

Internationale Vergleiche und Darkstore-Modelle

Parallel zu den Versuchen in Deutschland verfolgt die Rewe Group in Österreich andere logistische Ansätze. In Wien wird bereits seit dem Frühjahr 2026 ein Modell mit der Marke Billa und dem Partner Foodora betrieben.

Hierbei wurde ein regulärer Supermarkt vollständig in einen sogenannten Darkstore umgewandelt – eine Filiale, die ausschließlich der Kommissionierung von Online-Bestellungen dient und keinen Publikumsverkehr mehr zulässt. Dieses Modell steht im Kontrast zu den deutschen Tests, bei denen der reguläre Verkaufsbetrieb in den Filialen parallel zur Abwicklung der Lieferaufträge weiterläuft.

Technologische Orchestrierung und Automatisierung

Hinter den Lieferkonzepten steht eine komplexe IT-Infrastruktur. Rewe Digital setzt zur Steuerung der Prozesse auf eine Software von Camunda. Diese dient der Orchestrierung von Bestellvorgängen, der Rechnungsstellung sowie der gesamten Logistikkette. Ziel sei es, diese technologische Basis auf weitere Unternehmensbereiche auszuweiten, wobei auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz bereits vorbereitet wird.

Anzeige

Wo technologische Innovationen und KI-gestĂĽtzte Prozesse Einzug halten, wachsen auch die Anforderungen an die digitale Sicherheit. Dieses kostenlose E-Book unterstĂĽtzt Verantwortliche dabei, ihre IT-Infrastruktur effektiv gegen aktuelle Bedrohungen abzusichern. Cyber Security Guide fĂĽr Unternehmen jetzt gratis herunterladen

Flankiert werden diese digitalen Prozesse durch eine hochautomatisierte Frischwarenlogistik. Am Standort Oranienburg nutzt das Unternehmen Dienstleistungen von Cimcorp für das Systemmanagement und den Support. Das dortige Logistikzentrum übernimmt eine tragende Rolle für die Versorgung in der Region: Täglich werden von dort aus 370 Supermärkte und 580 Filialen beliefert, wobei das System über 650.000 Einheiten pro Tag abwickelt.

Einordnung in die Konzernstruktur

Die aktuellen Bestrebungen im Bereich der Schnelllieferung sind Teil der umfassenden Marktpräsenz der Rewe Group. Mit insgesamt 12.400 Märkten in 21 Ländern und rund 380.000 Mitarbeitern verfügt der Konzern über eine weitreichende physische Infrastruktur. Allein in Deutschland betreibt das Unternehmen 8.000 Supermärkte.

Anzeige

Wer sich mit der zunehmenden Vernetzung von Lieferketten befasst, muss auch die damit verbundenen rechtlichen und sicherheitstechnischen Risiken im Blick behalten. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, wie Sie neue gesetzliche Anforderungen zum Schutz Ihres Unternehmens rechtzeitig umsetzen. Gratis-Report zu Cyberrisiken und neuen Gesetzen anfordern

Die Nutzung dieser Standorte als dezentrale Versandknotenpunkte könnte die Grundlage dafür bilden, den wachsenden Markt für kurzfristige Lebensmittel-Lieferungen ohne den kostspieligen Aufbau eines separaten Darkstore-Netzes zu bedienen. Ob sich das Modell der Filial-Kommissionierung gegenüber spezialisierten Lagereinheiten durchsetzt, werden die Ergebnisse der laufenden Testphasen zeigen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70011170 |