Rheumatoide, Arthritis

Rheumatoide Arthritis: CAR-T-Zellen bringen drei von sechs Patienten in Remission

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei sechs Behandelten sank die KrankheitsaktivitÀt; drei erreichten anhaltende Remission. Langzeitfolgen der experimentellen Therapie sind ungeklÀrt.
Sterile medizinische LaborausrĂŒstung und Petrischalen in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

In der Rheumatologie gilt die Behandlung schwerer und therapieresistenter KrankheitsverlĂ€ufe seit Langem als große Herausforderung. Einen neuen Ansatz liefert die COMPARE-Studie der Berliner CharitĂ©, die im Fachjournal Nature Medicine vorgestellt wurde.

Im Rahmen dieser Untersuchung erhielten sechs Patienten mit schwerer, therapierefraktÀrer rheumatoider Arthritis eine Behandlung mit CD19-CAR-T-Zellen. Bei allen sechs behandelten Personen sank die KrankheitsaktivitÀt infolge der Therapie deutlich, und drei Patienten erreichten eine anhaltende Remission ganz ohne zusÀtzliche Medikation gegen die rheumatoide Arthritis.

Tiefgreifende B-Zell-Depletion und kontrollierbare Nebenwirkungen

Nach Angaben der CharitĂ© eliminierte die experimentelle CD19-CAR-T-Zelltherapie krankheitsfördernde B-Zellen nicht nur im zirkulierenden Blut, sondern auch im Knochenmark sowie in den Lymphknoten. Parallel dazu gingen die spezifischen Autoantikörper der rheumatoiden Arthritis stark zurĂŒck.

Hinsichtlich der VertrĂ€glichkeit zeigte sich bei allen sechs Teilnehmenden ein vorĂŒbergehendes leichtes bis mĂ€ĂŸiges Zytokinsturm-Syndrom. Schwere neurologische Komplikationen traten den Beobachtungen zufolge nicht auf, und Infektionen blieben selten.

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Allerdings erlitt ein Patient im Verlauf einen RĂŒckfall. Die Berliner Untersuchung gilt als weltweit erste klinische Studie zum Einsatz von CAR-T-Zellen bei schwerer rheumatoider Arthritis. Fachleute betonen jedoch den experimentellen Status der Methode; mögliche Langzeitwirkungen sind bislang noch offen.

FĂŒr die nĂ€chste Phase des Studienprogramms plant die CharitĂ© Berlin die Behandlung von zehn weiteren Patienten. Dabei soll auch ein direkter Vergleich mit einem bereits zugelassenen B-Zell-Antikörper erfolgen, um den therapeutischen Stellenwert des Zellansatzes prĂ€ziser einzuordnen.

Mechanismen von SchĂŒben trotz Remission

ErgĂ€nzend zu neuen zellulĂ€ren Behandlungsformen rĂŒckt die Grundlagenforschung die Auslöser von KrankheitsschĂŒben wĂ€hrend einer Remissionsphase in den Fokus. Ein Forschungsteam unter Beteiligung der japanischen Chiba University untersuchte diesen Aspekt in einer im Fachjournal Science Advances veröffentlichten Arbeit.

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Darin konnten die Forschenden im Mausmodell zeigen, dass psychischer Stress eine Arthritis in Remission reaktivieren kann. Dieser Prozess lĂ€uft ĂŒber das sympathische Nervensystem und ?3-adrenerge Rezeptoren am braunen Fettgewebe ab. Dies fĂŒhrt zur AusschĂŒttung von Interleukin-6 ins Blut, woraufhin Fibroblasten-Ă€hnliche Synoviozyten den Botenstoff CXCL1 bilden und neutrophile Granulozyten ins Gelenk einwandern – ganz ohne Beteiligung von T- oder B-Lymphozyten. Eine gezielte Blockade von ?3-adrenergen Rezeptoren oder des Chemokinrezeptors CXCR2 verhinderte diese stressinduzierten SchĂŒbe im Tiermodell.

Zudem lieferte die Arbeit Hinweise auf eine Übertragbarkeit auf den Menschen: Personen mit der hypofunktionalen ADRB3-Genvariante Trp64Arg zeigten keinen positiven Zusammenhang zwischen psychischem Stress und KrankheitsaktivitĂ€t, wĂ€hrend dieser Zusammenhang bei Nicht-TrĂ€gern der Variante nachweisbar war.

Die neuen Erkenntnisse aus Zelltherapie und Stressforschung verdeutlichen damit, dass sowohl die gezielte Auslöschung fehlgeleiteter Immunzellen als auch das VerstĂ€ndnis neuroimmunologischer Signalwege fĂŒr kĂŒnftige Therapiestrategien an Bedeutung gewinnen.

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