Rheumatoide Arthritis: Patient bleibt 18 Monate nach CAR-T medikamentenfrei
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 08:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mehrere Forschungsgruppen haben in den vergangenen Monaten neue immunologische Mechanismen und mögliche Angriffspunkte fĂŒr die Behandlung chronischer EntzĂŒndungs- und Autoimmunerkrankungen beschrieben.
Von der Rolle bestimmter Darmzellen ĂŒber CAR-T-Zelltherapien bei rheumatoider Arthritis bis zu neuen Erkenntnissen zur GefĂ€Ă-Immun-Kommunikation reicht das Spektrum der Befunde, die laut Berichten vom 25. und 27. September 2026 zusammengetragen wurden.
Darmfibroblasten als SchlĂŒssel bei chronisch-entzĂŒndlichen Darmerkrankungen
Eine in der Fachzeitschrift Science (Impact-Faktor 47,3) veröffentlichte Studie von Forschenden des Renji-Krankenhauses, der Tsinghua-UniversitĂ€t und der Cornell University identifiziert C3-positive intestinale Fibroblasten als Hauptquelle des Wachstumsfaktors IGF1 im Darm. Bei Patienten mit chronisch-entzĂŒndlichen Darmerkrankungen (IBD) ist diese Zellsubpopulation im entzĂŒndeten Gewebe den Angaben zufolge vermindert.
Die Forschungsgruppen zeigten, dass von Fibroblasten produziertes IGF1 die DarmentzĂŒndung ĂŒber die Regulation angeborener lymphatischer Zellen des Typs 3 (ILC3) hemmt und zugleich die Rekrutierung plasmazytoider dendritischer Zellen (pDC) begrenzt. In Mausmodellen verstĂ€rkte sowohl ein fibroblastenspezifischer IGF1-Knockout als auch ein ILC3-spezifischer Knockout des IGF1-Rezeptors die Kolitis.
Die Studie liefert damit laut den Autoren eine mechanistische ErklĂ€rung dafĂŒr, warum auf den IGF1-Rezeptor zielende Arzneimittel IBD auslösen oder verschlimmern könnten. Als potenzielles neues Therapieziel schlagen die Forschenden die sogenannte Fibroblasten-ILC3-pDC-Achse vor.
Langfristige Remission nach CAR-T-Therapie bei rheumatoider Arthritis
Auf einem Kongress der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Rheumatologie in Leipzig wurde ĂŒber einen Patienten mit therapierefraktĂ€rer rheumatoider Arthritis berichtet, der eineinhalb Jahre nach einer CD19-CAR-T-Zelltherapie weiterhin in medikamentenfreier Remission war. Begleitet wurde dies von einem anhaltenden RĂŒckgang pathogener Autoantikörper. Der Patient stammt aus einer Phase-I-Studie mit insgesamt sechs Teilnehmenden.
Eine Ăbersichtsarbeit ordnet CD19-CAR-T-Zelltherapien als vielversprechenden, aber noch nicht etablierten Ansatz fĂŒr schwere, therapierefraktĂ€re Autoimmunerkrankungen ein.
Eine im New England Journal of Medicine (NEJM) 2024 veröffentlichte Fallserie mit 15 Personen â acht mit systemischem Lupus erythematodes, drei mit idiopathischer inflammatorischer Myopathie und vier mit systemischer Sklerose â zeigte, dass nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 15 Monaten alle Patienten die immunsuppressive Therapie hatten absetzen können.
Eine 2025 im NEJM veröffentlichte Arbeit berichtete zudem ĂŒber frĂŒhe Humandaten zu einer in-vivo-CAR-T-Anwendung bei therapierefraktĂ€rem Lupus, die mit einer B-Zell-Depletion und einem RĂŒckgang der KrankheitsaktivitĂ€t einherging.
Der Bericht ĂŒber einen Patienten, der eineinhalb Jahre nach der CAR-T-Zelltherapie ohne Medikamente auskommt, macht vielen Betroffenen Hoffnung â doch die Daten stammen aus einer Phase-I-Studie mit nur sechs Teilnehmenden. Wer fĂŒr sich einschĂ€tzen will, ob dieser Weg ĂŒberhaupt infrage kommt, findet in diesem kostenlosen Leitfaden die Studienlage im Ăberblick, eine Eignungs-Checkliste und die richtigen Fragen fĂŒr den Rheumatologen. Kostenlosen CAR-T-Leitfaden jetzt anfordern
FĂŒr 2026 liegen zudem von einem Unternehmen veröffentlichte Zwölf-Monats-Vorabdaten zu einer CAR-T-Therapie namens miv-cel bei Stiff-Person-Syndrom und generalisierter Myasthenia gravis vor, die positive Signale zeigten; eine vollstĂ€ndige Peer-Review-Auswertung steht noch aus. Als Risiken nennt die Ăbersichtsarbeit Zytokinfreisetzungssyndrom, neurologische Nebenwirkungen (ICANS), Infektionen sowie Zytopenien.
PrÀklinische AnsÀtze bei DarmschÀden
Eine prĂ€klinische Studie an einem Kurzzeit-Mausmodell mit mĂ€nnlichen Tieren untersuchte die Kombination des MAGL-Inhibitors MAGL11 mit dem Wirkstoff Icaritin (Y003). Die Kombination linderte durch ImidazolpropionsĂ€ure (IMP) verursachte DarmschĂ€den und verbesserte Symptome, EntzĂŒndungswerte, Darmbarrierefunktion, Stoffwechsel und Darmmikrobiom.
Mittels maschinellen Lernens identifizierten die Forschenden vier Kandidatenziele â CA2, ABCB1, ABCG2 und MMP3. Die Kombinationstherapie kehrte die Herabregulation der ersten drei Gene sowie die Hochregulation von MMP3 im Kolon der ModellmĂ€use um.
Die beobachteten Effekte brachten die Autoren mit einer Hemmung der VEGF- und MAPK-Signalwege sowie mit einer Modulation von Apoptose- und Stoffwechselwegen in Verbindung. Die identifizierten Zielstrukturen bedĂŒrften jedoch noch einer funktionellen Validierung.
Neues Forschungsprojekt zu GefĂ€Ă-Immun-Kommunikation in Bonn
Die UniversitĂ€t Bonn und das UniversitĂ€tsklinikum Bonn haben im Rahmen des Sonderforschungsbereichs SFB 1454 bekannt gegeben, dass die auĂerordentliche Professorin der UniversitĂ€t Aarhus, Joanna Kalucka, ab 2027 als âMercator Fellow Globalâ nach Bonn kommen wird. Sie soll untersuchen, wie Fettleibigkeit und lebensstilbedingte metabolische Belastung die Funktion des vaskulĂ€ren Endothels verĂ€ndern und wie Endothelzellen das Immunsystem regulieren sowie die Kommunikation zwischen GefĂ€Ăsystem und Immunzellen bei chronischer EntzĂŒndung beeinflussen.
Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft ĂŒber das Programm â1000 Köpfe Plusâ des Bundesministeriums fĂŒr Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert.
Viele Betroffene kennen den Kreislauf: Das nĂ€chste Medikament wirkt nicht mehr, und die Nebenwirkungen bleiben. Die Zelltherapie wird als vielversprechend beschrieben, ist aber ausdrĂŒcklich noch nicht etabliert â und mit Risiken wie Zytokinfreisetzungssyndrom, neurologischen Nebenwirkungen und Infektionen verbunden. Dieser Leitfaden hilft Ihnen, Chancen und Risiken nĂŒchtern gegeneinander abzuwĂ€gen, bevor Sie mit Ihrem Behandlungsteam sprechen. Leitfaden zur Risiko-EinschĂ€tzung sichern
Die verschiedenen ForschungsstrĂ€nge deuten darauf hin, dass die Immunologie chronischer EntzĂŒndungserkrankungen zunehmend auf zellulĂ€rer und molekularer Ebene aufgeschlĂŒsselt wird â von spezifischen Zellpopulationen im Darmgewebe ĂŒber zelltherapeutische AnsĂ€tze bis zur Rolle des GefĂ€Ăsystems.
Mehrere der genannten AnsĂ€tze befinden sich jedoch noch in frĂŒhen prĂ€klinischen oder klinischen Phasen, sodass eine breite Anwendung in der Patientenversorgung derzeit noch aussteht.
