Riester-Rente, Neuabschlüsse

Riester-Rente endet für Neuabschlüsse: Altersvorsorgedepot startet 2027

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 09:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das neue Vorsorgemodell erweitert die Förderung und Zielgruppen; Finanzinstitute planen Produkte, während die Absatzprognose sinkt.

Altersvorsorgedepot ab 2027: Förderung, Kosten und Nachfrage im Überblick
Ein minimalistischer, heller Korridor in einem modernen Finanzgebäude mit poliertem Boden und schlichter Architektur. Illustration mit AI erstellt.

Mit dem geplanten Start des Altersvorsorgedepots steht die staatlich geförderte Altersvorsorge vor einem tiefgreifenden Umbau. Berichte und Analysen beleuchten die Erwartungen der Finanzinstitute, die geänderten Rahmenbedingungen für Sparer sowie die veränderten Bedingungen für Späteinsteiger. Das neue Modell soll ab dem 1. Januar 2027 die bisherige Riester-Rente ablösen, für die Neuabschlüsse nur noch bis zum 31. Dezember 2026 möglich sind.

Gesetzliche Förderstrukturen und neue Zielgruppen

Die Neuregelung sieht für Einzahlungen eine staatliche Förderung vor. Bis zu einem Eigenbeitrag von 360 Euro gewährt der Bund eine Zulage von 50 Cent je Euro, für darüber hinausgehende Beiträge bis zu 1.800 Euro fließen 25 Cent je Euro. Die maximale Grundzulage pro Jahr beträgt 540 Euro, verglichen mit bisher höchstens 175 Euro bei Riester-Verträgen.

Der Mindesteigenbeitrag liegt bei 120 Euro im Jahr oder 10 Euro pro Monat. Ergänzend ist eine Kinderzulage von 100 Prozent des Eigenbeitrags bis maximal 300 Euro je Kind vorgesehen. Berufseinsteiger erhalten vor dem 25. Geburtstag einen einmaligen Bonus von 200 Euro.

Insgesamt können bis zu 6.840 Euro jährlich eingezahlt werden, wobei die Zulagenförderung und der Sonderausgabenabzug auf 1.800 Euro begrenzt bleiben.

Zudem erweitert sich der Kreis der Förderberechtigten: Selbstständige unter 67 Jahren mit Steuererklärung und angestellte Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke – laut Koalitionsfraktionen rund 4 Millionen Bürger – sind künftig einbezogen. Bestehende Riester-Verträge behalten Bestandsschutz; ein Wechsel erfolgt freiwillig, ohne dass erhaltene Zulagen zurückgezahlt werden müssen.

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Anlagekriterien, Kostendeckel und Auszahlungsphase

Das gesetzlich vorgeschriebene Standarddepot deckelt die Effektivkosten nach PRIIPs-Vorgaben bei maximal 1,0 Prozent pro Jahr, was Anbieter alle drei Jahre durch Wirtschaftsprüfer oder Aktuare nachweisen müssen.

Bei freier Fondswahl können die Kosten auf 0,1 bis 0,2 Prozent jährlich sinken. Nach Berechnungen von Finanzportalen kann ein Kostenunterschied von 0,2 gegenüber 1,0 Prozent über eine Spardauer von 40 Jahren bei maximaler Förderung und sechs Prozent Bruttorendite rund 67.600 Euro ausmachen.

Im Gegensatz zu klassischen Riester-Policen besteht keine Beitragsgarantiepflicht. Ein Portfolio kann bis zu 100 Prozent in Aktienfonds investieren, während Einzelaktien ausgeschlossen bleiben.

Optional sind Garantieprodukte mit 80 oder 100 Prozent Beitragserhalt möglich. Zum Schutz des Kapitals greifen vor Rentenbeginn Umschichtungsregeln: Fünf Jahre vor Beginn dürfen höchstens 50 Prozent in chancenorientierten Fonds liegen, zwei Jahre vorher und zum Start maximal 30 Prozent.

Eine Auszahlung erfolgt frühestens ab 65 Jahren wahlweise als lebenslange Rente oder als Auszahlungsplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr, wobei bis zu 30 Prozent des Kapitals einmalig entnommen werden können. Die Ansparphase bleibt steuerfrei, Auszahlungen unterliegen dem persönlichen Einkommensteuersatz.

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Reaktionen der Finanzbranche und verhaltene Nachfrage

Finanzinstitute bereiten sich intensiv auf den Start vor. Im AVD-Barometer 2027 von dwpbank und Lemon Markets gaben 90 Prozent von 88 befragten Instituten an, ein entsprechendes Produkt zu planen; 86 Prozent betrachten es als strategisches Kernprodukt.

Gleichzeitig sehen 52 Prozent die Wirtschaftlichkeit als noch nicht beurteilbar an, und 28 Prozent halten das Modell für schwierig bis kaum tragfähig.

Laut der Befragung dominieren Kunden im Alter von 50 bis 64 Jahren das Depotgeschäft in 65 Prozent der Institute, während unter 30-Jährige nur bei einem Prozent die wichtigste Gruppe darstellen. Als zentrale Zielgruppen gelten Familien (84 Prozent) und Berufseinsteiger (78 Prozent).

Eine Umfrage von Sirius-Campus und Aeiforia dämpfte unterdessen die Absatzerwartungen: Die Prognose für die erste Abschlusswelle sank von 4,5 auf 2,9 Millionen Verträge, das modellierte jährliche Beitragsvolumen von rund 7 auf etwa 6 Milliarden Euro.

Verbraucherschützer mahnen zur Zurückhaltung. Sie raten Sparern dazu, bestehende Verträge vorerst zu prüfen und vor einem Abschluss abzuwarten, da aussagekräftige Marktangebote voraussichtlich erst ab dem Frühjahr 2027 vorliegen dürften.

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