RoboGym, München

RoboGym in München: 48 Trainingszellen für rund 100 Roboter eröffnet

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das neue Zentrum bietet 48 Trainingszellen; NEURA Robotics präsentierte dort zudem die vierte Generation des humanoiden 4NE1.
Ein weites, modernes Forschungslabor mit polierten Betonböden und modularen Arbeitsbereichen im Münchner LabCampus. Illustration mit AI erstellt.

Die Technische Universität München (TUM) und das Robotikunternehmen NEURA Robotics haben am 22. Oktober 2026 das TUM Convergence Center am LabCampus des Flughafens München eröffnet. Herzstück der Einrichtung ist das sogenannte RoboGym, ein 2300 Quadratmeter großes Reallabor mit 48 Trainingszellen.

Die Anlage ist für den gleichzeitigen Betrieb von zunächst rund 100 humanoiden und Servicerobotern ausgelegt. Über eine Laufzeit von zunächst drei Jahren investieren beide Partner insgesamt rund 17 Millionen Euro (etwa 18,4 Millionen US-Dollar) in das Projekt. Davon bringt NEURA Robotics einen Anteil von circa 11 Millionen Euro (rund 11,9 Millionen US-Dollar) auf.

TUM-Präsident Hofmann bezeichnete den neuen Standort als einen Ort, an dem aus wissenschaftlicher Exzellenz konkrete Wirkung entstehe. Industriepartner aus mehr als zehn Branchen, darunter Automobilbau, Pharmazie, Medizintechnik, Logistik, Landwirtschaft und Pflege, erproben und trainieren dort bereits seit September 2026 reale Arbeitsabläufe und Produktionsaufgaben.

Drei Datenströme für physische Künstliche Intelligenz

Im RoboGym bringt NEURA Robotics die Roboter, die technische Infrastruktur, Rechenleistung sowie Fachpersonal ein. Das Training physischer Künstlicher Intelligenz verlangt nach präzisen Daten über das tatsächliche Verhalten von Objekten, Kräften und Materialien.

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Das Testzentrum stützt sich dabei auf drei zusammenlaufende Datenströme: reale Betriebsdaten der Roboter, menschliche Demonstrationen über Datenanzüge, Bewegungserfassung (Motion Capture) und Teleoperation sowie simulierte Abläufe über ein System zur Datenverstärkung. Die Softwareplattform Neuraverse verknüpft dabei die physische Infrastruktur mit den KI-Werkzeugen.

Im Rahmen der Eröffnung stellte NEURA Robotics zudem die vierte Generation seines humanoiden Roboters 4NE1 vor. Das Modell ist etwa 20 Prozent leichter als sein Vorgänger, misst 1,80 Meter bei einem Gewicht von 80 Kilogramm und verfügt über intelligente Gliedmaßen mit Reflexen. Das grundlegende KI-Modell der Maschine arbeitet direkt lokal an Bord.

Bei einer Abnahme von mindestens 20 Einheiten liegt der Stückpreis bei rund 62.000 US-Dollar, während Einzelexemplare mit rund 110.000 US-Dollar veranschlagt sind.

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Das Unternehmen schloss im Jahr 2026 eine Finanzierungsrunde über bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar bei einer Unternehmensbewertung von rund 7 Milliarden US-Dollar ab, an der sich unter anderem Nvidia, Amazon, Qualcomm, Bosch, Schaeffler und die Europäische Investitionsbank beteiligten.

Internationales Netzwerk und europäischer Wettbewerb

Der Standort am Münchner Flughafen bildet den Auftakt für ein geplantes internationales Netzwerk von Trainingszentren. NEURA Robotics plant weitere Einrichtungen in Europa, den USA und China; in Deutschland befindet sich ein zweiter Standort in Kooperation mit der RWTH Aachen in Vorbereitung. Ziel des Unternehmens ist es, gemeinsam mit Industriekunden fortlaufend praxisnahe Trainingsdaten zu generieren.

Branchenexperten aus Unternehmen und Instituten wie Fraunhofer IPA, Kuka, Schaeffler, Agile Robots, Robco und NEURA weisen darauf hin, dass die humanoide Robotik noch in einer frühen Entwicklungsphase stecke. Ein universell einsetzbarer humanoider Roboter, der eigenständig eine vollständige Arbeitsschicht bewältigen könne, existiere bislang nicht.

Fachleute sehen in Europa dank etablierter Industriekompetenz zwar solide Grundlagen für die Technologie, bemängeln jedoch Defizite bei Umsetzungsgeschwindigkeit, Kapitalverfügbarkeit und einer gemeinsamen Zielausrichtung.

Zum Vergleich verweisen Branchenbeobachter auf China, wo mehr als 140 Hersteller humanoider Systeme operieren und Unternehmen wie Agibot und Unitree bei den produzierten Stückzahlen führen.

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