Robotaxis, Zagreb

Robotaxis in Zagreb: Verne startet Europas erste Fahrten ohne Operator

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Verne meldet mehr als 200.000 autonome Kilometer und über 5.000 Fahrten; der reguläre kommerzielle Start ist für 2027 vorgesehen.
Eine moderne, leere Stadtstraße in Zagreb bei Dämmerung, die die städtische Infrastruktur und den Straßenverlauf zeigt. Illustration mit AI erstellt.

In der kroatischen Hauptstadt Zagreb sind die ersten voll fahrerlosen Robotaxi-Fahrten auf europäischen Straßen ohne Operator an Bord angelaufen. Verne-CEO Marko Pejkovi? bestätigte den Testbetrieb am 10. September 2026 öffentlich.

Das Unternehmen, das mit Uber und Pony.ai kooperiert, plant den regulären kommerziellen Start des Dienstes für das Jahr 2027. Kroatien hatte im Vorfeld eigens mehrere Gesetze novelliert, um den Betrieb rechtlich zu ermöglichen.

Am 14. Oktober 2026 erprobten Journalisten die autonome Fahrt auf der 22 Kilometer langen Strecke zwischen dem Unternehmenssitz von Verne und dem Flughafen Franjo Tu?man. Während der Fahrt folgte ein Begleitfahrzeug mit zwei Operatoren dem Fahrzeug. Der eigentliche fahrerlose Testbetrieb auf dieser 22-km-Route läuft bereits seit August 2026. Seit September 2026 lassen sich die autonomen Fahrzeuge zudem über die Uber-App buchen.

Sensortechnik und Bilanz des Testbetriebs

Die Flotte von Verne umfasst rund 30 Fahrzeuge, die nach dem Autonomie-Level 4 operieren. Technisch sind die Fahrzeuge mit 34 Sensoren bestückt, darunter neun LiDAR-Einheiten, 14 Kameras, vier Radare, vier Mikrofone, zwei Wassersensoren und ein Kollisionssensor. Das zugrundeliegende System der siebten Generation von Pony.ai wurde ursprünglich in China trainiert und für den Einsatz in Zagreb gezielt an lokale Besonderheiten wie Kreisverkehre und das Hupverhalten angepasst. Die genauen Spezifikationen dieser siebten Systemgeneration wurden offiziell nicht veröffentlicht.

Im Rahmen des bisherigen Betriebs verzeichnet Verne eine Gesamtfahrleistung von über 200.000 autonomen Kilometern sowie mehr als 5.000 kommerzielle Fahrten.

Der Dienst zählt rund 1.500 Nutzer in Zagreb, während über 10.000 Personen auf einer Warteliste verzeichnet sind. Die durchschnittliche Kundenbewertung liegt zwischen 4,7 und 4,8 von 5 möglichen Punkten.

Anzeige

Robotik und Künstliche Intelligenz verändern die Industrie grundlegend und schaffen völlig neue Marktbedingungen. Dieser kostenlose Report liefert konkrete Einblicke in Unternehmen, die von Milliarden-Investitionen in diese Zukunftstechnologien profitieren. Robotik und KI: Profiteure der neuen Industrieära erkennen

Expansionspläne und Arbeitsmarktkritik

Die Vermittlungsplattform Uber treibt den Einsatz autonomer Systeme parallel in weiteren europäischen Märkten voran. In Manchester wurden entsprechende Tests aufgenommen, zudem führt das Unternehmen Gespräche mit über 30 Städten, darunter London, Madrid, München, Zürich und Brüssel.

Uber plant den Einsatz von 2.000 Fahrzeugen in fünf Metropolen und strebt an, bis 2029 die Position als größter Vermittler einzunehmen. Als zweite europäische Stadt führte London im September 2026 einen Robotaxi-Dienst ein, dort allerdings mit einem Sicherheitsfahrer am Steuer.

Gewerkschaften wie die GMB und die ADCU warnen vor den Folgen des Robotaxi-Rollouts und weisen auf drohende Arbeitsplatzverluste im Transportsektor hin.

Regulatorische Hürden auf europäischer Ebene

Während Verne auf vollautonome Flotten nach Level 4 setzt, gestaltet sich die rechtliche Harmonisierung fahrzeuggestützter Systeme in der Europäischen Union weiterhin komplex.

Für das System von Tesla benennt der Hersteller seine Technologie in Europa in „Tesla Assisted Driving“ um, nachdem das deutsche Bundesverkehrsministerium die Bezeichnung „Full Self-Driving (Supervised)“ am 6. Oktober 2026 als etwas irreführend einstufte. Bei dem System nach Level 2 bleibt der Fahrer vollumfänglich verantwortlich.

Anzeige

Experten analysieren derzeit die größte industrielle Revolution seit Jahrzehnten, in der KI-gestützte Systeme ganze Branchen umkrempeln. Ein aktueller Report zeigt auf, welche Namen hinter diesem technologischen Umbruch stecken und wer davon profitiert. Kostenlosen Report zur industriellen Revolution herunterladen

Bundesminister Steffen Bilger will die EU-weite Zulassung vorantreiben. Deutschland stimmte zu, dass das System die zulässige Höchstgeschwindigkeit um bis zu zehn Prozent überschreiten darf, und befürwortet dies im EU-Verfahren. Eine Abstimmung im EU-Ausschuss für Kraftfahrzeuge (TCMV) wurde von Oktober 2026 auf frühestens Dezember verschoben.

Für einen positiven Beschluss bedarf es 15 von 27 EU-Staaten, die 65 Prozent der Bevölkerung repräsentieren; Schweden fordert eine Abschaltung der Tempoüberschreitung, während Frankreich Vorbehalte hegt. Auf nationaler Ebene erkannte das slowakische Verkehrsministerium die im April von der niederländischen Behörde RDW erteilte vorläufige Typgenehmigung an.

Die Slowakei ist damit nach den Niederlanden, Litauen, Estland, Dänemark, Belgien, Slowenien, Tschechien und Kroatien das neunte EU-Land mit einer Einzelzulassung, wobei Verkehrsminister Jozef Ráž betonte, dass es sich um kein vollautonomes System handle.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70352852 |