Roboter-Chirurgie, Markt

Roboter-Chirurgie: Markt wächst bis 2032 auf 97 Milliarden Euro

29.06.2026 - 07:34:12 | boerse-global.de

Globale Märkte für KI-Operationen boomen: Neuer EU-zugelassener Roboter ermöglicht Fern-OPs über 2.400 Kilometer.

Roboterchirurgie: Vietnam und Indien starten neue Zentren
Roboter-Chirurgie - Nahaufnahme eines robotischen Chirurgiearms mit blauen Leuchten bei präziser Operation in modernem OP-Saal. 29.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Vietnam und Indien starten moderne Operationszentren, ein chinesisches System erhält EU-Zulassung – die robotergestützte Chirurgie macht weltweit einen gewaltigen Sprung nach vorn. Der globale Markt für KI-assistierte Operationen, 2024 noch 5,48 Milliarden Euro schwer, soll bis 2032 auf knapp 97 Milliarden Euro anwachsen. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von über 44 Prozent.

Vietnam eröffnet erstes Hightech-Netzwerk

Die Vinmec-Gruppe hat am Samstag das erste integrierte Netzwerk für robotergestützte Chirurgie in Vietnam in Betrieb genommen. Das System vernetzt mehrere Spezialplattformen: Da Vinci Xi, Hugo RAS, ROSA und den 5G-fähigen Toumai MT-1000. Hinzu kommen die Systeme CORI, Mazor X und StealthStation S8 für verschiedene chirurgische Fachbereiche. Um den Zugang zu erleichtern, legte der Mutterkonzern Vingroup einen Patientenunterstützungsfonds von umgerechnet rund 11 Millionen Euro auf.

Parallel dazu eröffnete das Fortis Escorts Hospital im indischen Faridabad sein Institut für Roboterchirurgie. Das Zentrum deckt Onkologie, Urologie, Orthopädie und Gynäkologie ab. Die Klinikleitung sieht darin einen regionalen Knotenpunkt für Innovation und Ausbildung.

In den USA investierte das Shore Medical Center in New Jersey zwei Millionen Euro in die VELYS-Plattform für Wirbelsäuleneingriffe. Das System verbessert die Präzision bei Schraubenplatzierungen – und könnte die Erholungszeit der Patienten nahezu halbieren.

Fernoperation über 2.400 Kilometer

Die europäische Zulassung für den Toumai-Roboter von Shanghai MicroPort MedBot kam ebenfalls am Samstag. Das System hatte zuvor seine Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt: Ein Chirurg aus London operierte damit einen Patienten in Gibraltar – über eine Distanz von rund 2.400 Kilometern. Der Toumai ermöglicht komplexe Eingriffe im Bauch- und Beckenraum per Fernsteuerung.

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Branchendaten zufolge verkürzen automatisierte Verfahren die Operationszeit um 25 Prozent und senken die Komplikationsrate um 30 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Methoden. Spezialsysteme wie ROSA und Mazor X werden daher zunehmend zum Standard in Orthopädie und Neurochirurgie.

Mikroroboter auf dem Vormarsch

Forscher der Universitäten Edinburgh und Xiamen haben algenbasierte Mikroroboter entwickelt. Die nur 80 Mikrometer kleinen Helfer nutzen Ultraschall, um Medikamente direkt in Blasentumore zu transportieren. In Mausversuchen erledigten sie ihre Aufgabe in rund 30 Minuten.

Die ETH Zürich geht noch einen Schritt weiter: Ihre sechs Mikrometer kleinen Roboter reparieren Rückenmarksverletzungen. Magnetfelder führen sie zur Schadensstelle, wo sie neuronale Vorläuferzellen absetzen. Bei Zebrafischen kehrte die Bewegungsfähigkeit nach drei Tagen zurück, bei Mäusen nach vier Wochen – ohne Immunreaktion.

KI-Diagnostik: Neue Modelle für Krebserkennung

Die University of California in San Diego präsentierte MutationProjector. Das KI-Modell wurde mit 30.000 Tumoren aus zehn Krebsarten trainiert und sagt Behandlungserfolge anhand von Biomarkern bei Blasen- und Lungenkrebs voraus. Die Universität Ottawa entwickelte derweil UbiMyTherapist – einen KI-Assistenten, der über Wearables Herzfrequenz und Sprachmuster analysiert, um emotionale Belastungen zu erkennen.

Kritik an EU-KI-Verordnung

Nicht alle Stimmen sind begeistert. Ein Kommentar im Journal of the Royal Society of Medicine kritisiert die EU-KI-Verordnung von 2025. Die Autoren fordern ein Recht auf Zweitmeinung und die Möglichkeit, KI-Diagnosen abzulehnen. Die Verordnung blende Patientenpräferenzen aus.

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Eine Studie der Hebräischen Universität Jerusalem in Nature Medicine stellt zudem den Nutzen von Virtual Reality in der Medizinausbildung infrage. Anhand historischer Sezieranleitungen zeigten die Forscher, dass digitale Simulationen das taktile Verständnis für echte Eingriffe nicht ersetzen können.

Im Dentalbereich haben humanoide Roboter bislang weder die US-Arzneimittelbehörde FDA noch die britische MHRA zugelassen. Branchenexperten erwarten jedoch, dass künftige Integrationen solcher Systeme Wartelisten in öffentlichen Gesundheitssystemen verkürzen könnten – durch höhere Präzision und schnellere Eingriffe.

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